Mir fällt auf, dass Rankin oft als zu ausschweifend, langatmig, manchmal gar als langweilig beschrieben wird. Seine Plots seien zu unübersichtlich, seine Konstruktionen zu verschachtelt und nicht nachvollziehbar. Dem gegenüber wird Rankin von der "Berufs"kritik nahezu einhellig gelobt, sogar gefeiert.
Dieser vermeintliche Widerspruch ist allerdings leicht auflösbar:
Rankin setzt den "geübten", vor allem konzentrierten Leser voraus.
Immer konstruiert er seine Plots um zahlreiche Nebenfiguren und Nebenschauplätze herum, beschreibt auch die Charaktere von Randfiguren vortrefflich, aber eben auch ausführlich (und zwar dadurch, was sie sagen,was und wie sie es tun und was andere über sie denken, nicht durch ein paar hingeworfene Adjektive wie manch andere Bestsellerautoren) und schafft dadurch vor allem eins: stimmige ATMOSPHÄRE!
Wer allerdings Clancy, Brown und Co für Literatur hält, sollte es vielleicht wirklich nicht mit Rankin probieren........
In diesem Roman soll John Rebus drei korrupte schottische Polizisten in eine Falle locken. Doch der Auftrag des Polizeipräsidenten kommt ihm zwiespältig vor: Rebus selbst hat Leichen im Keller, ist er etwa nicht nur Ermittler, sondern selbst auch Ziel von Ermittlungen?. Unterdessen stellt seine Kollegin Clarke bei der Untersuchung eines Mordes an einem Kunsthändler eine Verbindung zu jenem korrupten Trio her. Ein Zufall?
Wer sich nicht durch die zunächst vordergründig harmlosen Begebenheiten täuschen läßt, ist alsbald von der sich ständig steigernden Spannung gefangen genommen. Und freut sich neben der gelungenen Übersetzung darüber, wie kunstvoll der Autor Handlungsstränge zusammenführt und zur Auflösung bringt.
Wegen der zahlreichen Charaktere, der gewöhnungsbedürftigen Namen, der vielen Handlungsstränge sollte auch der geübte Leser die Lektüre allerdings nicht allzu lange unterbrechen, weil es sonst wirklich zu schwer werden könnte, sich wieder "hereinzufinden".