Pierre Basieux hat die gute Idee gehabt, die sieben mathematischen Vermutungen, für deren Beweis der Millionär Landon T. Clay je eine Million Dollar aussetzte, einem breiteren Publikum nahezubringen. Für diese Idee gibt es den zweiten Stern. Leider blieb es bei der guten Idee ...
In der Einleitung verkündet Basieux großsprecherisch, er könne dem Leser einige Formeln nicht ersparen, damit dieser den mathematischen "Stallgeruch erahnen" könne. Dann aber sollten die wenigen Formeln auch korrekt sein! Auf den Seiten 30-32 sind sie das nicht: Es fehlen Klammern und einmal die rechte Seite einer Gleichung. Das weckt nicht gerade Vertrauen.
Sprachlich ist das Buch eine Zumutung. Salopp-überheblicher Jargon, gepaart mit Stilblüten, überspielt die mangelnde Aufbereitung der zentralen Vermutungen. Die so zentral übrigens für Basieux nicht sind: Er gibt ihnen insgesamt nur wenig Raum, um statt dessen - häufig sehr unmotiviert - über Dinge zu dozieren, die entweder den meisten Lesern bekannt sein dürften oder bei denen sich der Autor zufälligerweise auskennt (etwa Roulette). Letzteres gibt ihm Gelegenheit, in jeder zweiten Fußnote (keine Übertreibung!) auf seine weiteren Bücher zu verweisen - die ich jedenfalls nicht lesen werde, denn es gibt bestimmt bessere.
Zu überflüssigen Wiederholungen, die dem mangelhaften Aufbau des Buches geschuldet sind, treten noch die gravierenden Fälle hinzu, in denen längere Zeit mit Begriffen hantiert wird, die dann erst ein paar Seiten später "so ganz nebenbei" eingeführt werden.
Das mit knapp 180 Seiten ohnehin eher schmale Bändchen ist überdies nur mittels teils völlig sinnloser Schautafeln (ein Fall für "Die schlechtesten Grafiken der Welt") auf diesen Umfang gekommen. Ein Höhepunkt ist eine Seite, in der die Google-Trefferanzahl (!) für verschiedene ungelöste mathematische Probleme aufgeführt wird: Jetzt hab' ich aber was gelernt!
Das Büchlein wird von einem Essay abgeschlossen, in dem Basieux mit konfusem Gelaber einige grundlegende Fragen der Wissenschaftstheorie zu erledigen glaubt, vermutlich ohne die zeitgenössischen philosophischen Ansätze auch nur zur Kenntnis genommen zu haben.