Ehrlich gesagt, habe ich mir von diesem Buch nicht so viel versprochen. Die Wanderhure-Reihe hat mir zwar gut gefallen, aber gerade im dritten Band ging es manchmal doch recht unglaubwürdig zu. Mein letztes Buch von Iny Lorentz war "Die Feuerbraut" und das fand ich schon ziemlich hochgejubelt.
Um so überraschter war ich nun bei diesem Buch, dass zwar klassisch im Sinne von Iny Lorentz anfängt, sich dann aber noch zu einer sehr unterhaltsamen Geschichte mausert, die man auf jeden Fall zu Ende lesen will. Ab dem zweiten Drittel hat mich die Geschichte wirklich gepackt und ich habe mit Trudi mitgefiebert und gehofft.
Die ersten 250 Seiten dieses Buches plätschern ein wenig vor sich hin, sind aber durchaus gut lesbar. Trudi ist ein netter Charakter, dessen Gedanken man gern verfolgt. Ab dem vierten Teil hebt sich die Spannung und wird bis zum Ende der Geschichte aufrecht erhalten. Zwar weiß man als Leser bereits ab dem Mord an Michel, wer der Täter ist, doch zu verfolgen, wie auch Trudi und ihre Mutter dahinter kommen, ist ebenso spannend wie selbst zu rätseln.
Iny Lorentz hat Trudi einige Personen zur Seite gestellt, die ihre Geschichte durch ihre Persönlichkeit sehr aufwerten. Trudis Magd Uta, die mehr jammert als die Prinzessin auf der Erbse, sich aber durch die Ereignisse auf ihrer Reise weiterentwickelt, der treue Knecht Lampert, auf den man immer zählen kann oder Peter von Eichenloh, den Söldnerführer adligen Geblüts, der der selbstbewussten Trudi Contra bieten kann.
Alles in allem ist "Die Tochter der Wanderhure" ein farbiger historischer Schmöker, mit tollen Charakteren und einer runden Geschichte. Die historischen Fakten werden teils etwas langatmig herunter gerattert, doch das kann man getrost übersehen. Ein Buch, das gut unterhält und genau in diese Jahreszeit passt. Anspruchsvolle Literatur ist es nicht, aber durchaus lesenswert. :-)