Bei einem Wikingerüberfall gerät die 13jährige Katharina in die Hände der Nordmänner und wird in den schwelenden Konflikt zwischen drei Gruppen gezogen: Die Wikinger um den Skalden Erik, die friedlichen Handel treiben, der Stamm des finsteren Wulfgar, der mehr von Raub und Plünderung hält, und der deutsche Adel, der am liebsten alle Wikinger tot sähe, stehen kurz vor einem offenen Krieg. Die Tatsache, dass Katharina die Hauptrolle in einer alten Prophezeiung spielt, macht ihr Leben da nicht einfacher...
Überraschung Nummer 1: Wer Fantasy erwartet, nur weil Hohlbein draufsteht, wird enttäuscht werden - es handelt sich um einen historischen Roman ohne Fantasyelemente.
Überraschung Nummer 2: Wer neue Abenteuer mit Thor, Liv und Fenrir erwartet, wird ebenfalls enttäuscht werden, denn mit dem Vorgänger "Thor" hat dieses Buch nichts zu tun. Im Buch erfährt man, dass es sich lediglich um einen Roman aus der Welt der Asgard-Saga handelt. Er spielt also in der gleichen Welt, hat aber nichts mit der Geschichte um Thor & Co. zu tun -in dem Fall ist es eine Frechheit des Verlags, aus Marketinggründen nur Asgard-Saga aufs Cover zu pappen- und/oder Asgard-Saga ist der Name des Settings (ähnlich wie Pratchetts Scheibenwelt), der aber aufgrund der mit dem Wort Saga verbundenen Erwartungshaltung dann äußerst schlecht gewählt wäre.
Die Geschichte selbst ist spannend geschrieben. Der Autor erzeugt die Spannung nicht nur durch Action und das stetige Gefühl der Verfolgung, sondern schafft es auch, dass die "politischen" Passagen nicht langweilig werden. Auch die Ruhephasen, die Hohlbein seiner Heldin gönnt, lesen sich flüssig. Lediglich kurz vor Schluss kommt eine etwas zähere Passage, die aber dank des Hinblicks auf das nahende Ende verhältnismäßig schnell überwunden ist.
Außerdem vermeidet er ein sonst bei ihm häufiges Merkmal: Die Heldin wird nicht erst zwei Seiten vor Schluss über alles aufgeklärt, sondern findet nach und nach Dinge heraus, was den Leser eher bei der Stange hält als das hohlbein-übliche "Dafür ist jetzt keine Zeit" oder "Ihr entglitt das Bild...".
Punktabzug gibt es für das schlampige Lektorat. Wenn Charaktere Dinge nicht mehr wissen, die man ihnen zwanzig Seiten zuvor gesagt hat (Beispiel: Katharina erzählt Vera zu Beginn der Schiffsreise, dass sie nicht schwimmen kann - Vera ist 20 Seiten später völlig überrascht, dass Katharina Nichtschwimmer ist), ein Baron plötzlich als Graf angesprochen wird oder sich Charaktere auf Dinge beziehen, die nie gesagt worden sind (Edith: "Danke deinem Gott!" - Katharina: "Sie weiß Bescheid, sie hat Götter gesagt."), fragt man sich, wer für das Lektorat verantwortlich ist. Dazu kommen noch zahlreiche Rechtschreib- und Kommafehler.
Historische Ungenauigkeiten verhindern ebenfalls die Höchstpunktzahl. Der Autor verweist des öfteren auf Katahrinas religiöse Ansichten, um ihr mittelalterliches Weltbild darzustellen. Dann sollte man aber darauf achten, dass die ganze Figur aus einem Guss wirkt, denn ansonsten benimmt sich Katharina doch sehr modern - Ironie, Aufsässigkeit und Sarkasmus passen irgendwie nicht zu einem mittelalterlichen Bauernmädchen. Und es dürfte sich mittlerweile auch bis zu Wolfgang Hohlbein herumgesprochen haben, dass Wikinger keine Hörnerhelme getragen haben.
Wer mit diesen kleinen Fehlern leben kann, historische Romane mag und sich nicht daran stört, wenn Fakten der Dramaturgie untergeordnet werden, kann bei diesem Buch ohne weiteres zugreifen.