Gleich vorweg: Ich wusste nicht, dass "Die Tochter der Hexe" ein Zweitband ist und bin deshalb vielleicht etwas unvoreingenommener an das Buch rangegangen als diejenigen, die den 1. Teil auch schon gelesen hatten.
Nachdem ich anfänglich befürchtet hatte, dass dieses Buch ein schnelles Runtergeratter wird, da es auf den ersten Seiten tatsächlich recht knapp gehalten ist, war ich dann doch froh als die Geschichte ein paar Gänge zurück schaltete sobald Marthe-Marie und ihre Tochter sich den Gauklern anschlossen. Ich weiß nicht ob alle Details stimmen, aber zumindest macht es auf mich den Eindruck, als hätte die Autorin sehr intensiv recherchiert. Viele Kleinigkeiten, die dem unbedarften Leser vielleicht nicht auffallen, sind mir angenehm und als richtig aufgefallen, da ich mir selbst auch schon viel Hintergrundwissen über die frühe Neuzeit angelesen habe.
Marthe-Marie, Marusch, Diego und wie sie alle hießen empfand ich als angenehme, sympathische Charaktäre, deren Handlungsweise für mich völlig nachvollziehbar war. Es waren nicht nur Abziehbilder von Menschen sondern sie waren aus Fleisch und Blut und recht tiefgründig.
Ich finde, dieser Roman hat eine Seele - so sollte ein gutes Buch sein. Und der Erzählstil ist sehr angenehm und eingängig.
Ich habe, während ich das Buch las, gern immer wieder danach gegriffen und war doch recht aufgeregt zu erfahren, was denn nun alles geschehen und wie es den Menschen ergehen würde. Es fehlte mir nur irgendwie das i-Tüpfelchen, weshalb ich nur 4 Sterne gebe.
Ach ja: Da sich einige meiner Vorschreiber darüber beschweren, dass die Suche nach Marthe-Maries Vater ein wenig im Sande verläuft, erklärt sie selbst in einer Passage: Sie hat die Hoffnung aufgegeben ihn zu finden. Deshalb investiert sie keine Mühe mehr in diese Sache. Also: Erst richtig lesen, dann nörgeln.