7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannungsreiche Familienforschung!, 20. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Tochter der Geliebten (Gebundene Ausgabe)
A. M. Homes Die Tochter der Geliebten Kiepenheuer&Witsch
ISBN 3462040340
< Ihr Päckchen ist angekommen, und es hat eine rosa Schleife >. Mit diesen Worten wird den Adoptiveltern von A. M. Homes die Geburt ihrer Adoptivtochter angekündigt.
A. M. Homes selber ist das Päckchen, von dem hier die Rede ist, und wie ein Päckchen fühlt sie sich, als sie im Alter von 31 Jahren ihrer Herkunft auf die Spur kommt.
Sie fährt zu Weihnachten 1992 nach Hause, und geheimnisvoll vertraut ihr die Mutter an, dass ihre leibliche Mutter sich gemeldet hat und sie treffen möchte! Für Homes beginnt eine unruhige Zeit. Sie lässt sich nur zögerlich auf den neuen Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter ein, denn bald danach meldet sich auch der leibliche Vater.
A. M. Homes ist im Buch wie im wirklichen Leben bereits eine erfolgreiche Schriftstellerin, als sie sich mit ihren biologischen Eltern konfrontiert sieht. Ihre Kontaktaufnahme wird zu einem für sie höchst kritischen emotionalen Erlebnis.
Nun erfährt sie, wer und wie ihre Eltern wirklich sind. Sie macht Erfahrungen, von denen sie sich nichts träumen ließ!
Im Hintergrund bleiben die stabilen Adoptiveltern, die ihr eine gute Kindheit beschert haben und sie herzlich lieben.
Ihre Erlebnisse mit den neuen Eltern sind eher sehr ernüchternd.
A.M. Homes schreibt mit einem klaren, emotional eher unterkühlten Ton über ihr Leben. Hinter der nüchternen Bestandaufnahme spürt man eine hoch sensible, tief berührte Frau, die nicht glauben kann, wie ihr Leben durch äußere Umstände in Bahnen gelenkt wurde, auf die sie keinen Einfluss hatte. Umso mehr bemüht sie sich jetzt im Erwachsenenalter darum, ihr Geschick nicht von anderen bestimmen zu lassen. Das fällt schwer angesichts einer Mutter, die sich ihr drängend an den Hals hängt und eines Vaters, der in seiner robusten und unsensiblen Art jovial herablassend bei seinen Treffen mit ihr eine Schmuddelatmosphäre aufkommen lässt, in der sie sich wie ihre Mutter als junges Mädchen von ihm benutzt fühlt.
Die Suche nach ihren Wurzeln führt Homes tiefer und tiefer in die Vergangenheit. Es tun sich Abgründe auf, die sie auf ihrem Weg der Wahrheitssuche findet. Dabei offenbart sie tiefste Gefühle der Verlassenheit, gerät in Wut, Auflehnung und einen Nachforschungszwang, der an Besessenheit grenzt. Immer drängender werden für sie die Fragen, wer sie wirklich ist, von wem sie welche Eigenschaften hat und welche Krankheiten oder Abartigkeiten es in den Familien gab. Sie fühlt sich hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach noch mehr Wahrheit und der Sehnsucht nach Ruhe.
In einer fast fanatischen Überaktivität erforscht sie ganze Familienzweige über Generationen zurück und sieht sich selbst als Erzählerin, die aus ihren vielen Suchergebnissen ihre Romane zusammensetzt.
Selten liest man eine so spannende und aufrichtige Vergangenheitsaufklärung wie bei A.M. Homes. Atemlos schlägt einen die Lebensgeschichte in Bann und man kann nicht von ihr lassen. Einmal mehr zeigt sich, dass das Leben die spannendsten Romane schreibt!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Wo bleiben die Gefühle?, 19. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Tochter der Geliebten (Gebundene Ausgabe)
A.M.Homes schreibt von sich, ihrer Suche, dem überfallartigen Hereinstürmen ihrer leiblichen Mutter in ihr Leben. Als Aussenstehender, sprich Nicht Adoptiertem, scheint der Roman als spannend, mitreissend, sogar zu Tränen rührend. Für mich, als erwachsene Adoptierte, mit fast gleichem Jahrgang wie Holmes, mit abgeschlossener Suche nach den Wurzeln, mit Aufs und Abs die dazu gehören war ich ziemlich enttäuscht von dem Buch. Wo sind die Gefühle? Wo sind die Emotionen? Immer, wenn man erwartet, dass sie nun ans Eingemachte geht, verfällt sie in Umschreibungen und flüchtet vor der Realität. Vor dem Schmerz, der Enttäuschung, der Unglaublichkeit des Neins, was zu einem Adoptierten gesagt wurde war nichts zu lesen. Schade, aber ich hatte mir von dem Buch mehr erhofft.
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