USA in den frühen 60iger Jahren: Es ist eine eisige Winternacht, der Ort ist total verschneit, als bei Norah Henry die Wehen einsetzen. Ihr Mann, David Henry bringt sie in das örtliche Krankenhaus, in dem er als Orthopäde arbeitet. Der Gynäkologe schafft es aufgrund der winterlichen Bedingungen nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus und so sind bei der Geburt nur David Henry und die Krankenschwester Caroline Gill anwesend. Nachdem Norah einen gesunden kleinen Jungen (Paul) geboren hat, kommt - die pränatale Diagnostik im heutigen Sinne gab es damals nicht - überraschender Weise noch ein kleines Mädchen (Phoebe) zur Welt. David Henry erkennt sofort, dass das kleine Mädchen genau wie seine Schwester June, die im Teenageralter an einem Herzfehler gestorben war, am Down-Syndrom leidet. Er übergibt das kleine Mädchen der Krankenschwester mit der Bitte, das Kind in ein Heim für behinderte Kinder zu bringen; seiner Frau Norah sagt er, dass die kleine Phoebe bei der Geburt gestorben sei.
Caroline fährt mit dem kleinen Bündel Mensch durch die Winternacht und bringt es letztendlich, nachdem sie das Heim gesehen hat, nicht übers Herz, das kleine Mädchen dort zu lassen. Sie verlässt ihre Wohnung und fängt in einer anderen Stadt ein neues Leben an, mit Phoebe als ihrer Tochter. Sie zieht sie groß und kämpft dafür, dass sie eine Schule besuchen kann, eine Arbeit finden kann ...
Norah Henry und ihr Sohn Paul trauern zeitlebens um die "verstorbene" Tochter bzw. Zwillingsschwester und David Henry um die Lüge, auf die sein Leben aufgebaut ist.
Ich finde den Familienroman sehr lesenswert, wenngleich er m.E. kleinere Schwächen hat. Manchmal ist die Autorin etwas zu detailverliebt und die Handlung schleppt sich so dahin. Ich fand jedoch, dass der Roman gegen Ende besser wurde. Der eigentliche Handlungsstrang sehr nachvollziehbar, wenngleich ich die Ausarbeitung der Charaktere manchmal etwas zu konstruiert, zu überzogen fand. David litt zeitlebens unter den ärmlichen Verhältnissen, unter denen er aufwuchs; es war kein Geld da, seiner Schwester June med. Hilfe zukommen zu lassen; daher resultierte auch sein Wunsch, Arzt zu werden und den Menschen zu helfen. Dass dann auch noch herauskam, dass die Möglichkeit ein College zu besuchen, aufgrund einer "Namensverwechslung" basierte, hätte nicht sein müssen.
Auch das Auftauchen von Rosemary, einer 16jährigen Schwangeren, die David in seinem leer stehenden, schon halb verfallenen Elternhaus vorfindet, die er dann aufnimmt und mit der er dann ein Haus teilt und sich ihrer annimmt, ist doch ein bisschen konstruiert.
Aber alles in allem: lesenswert, rührig, unterhaltsam