Frankfurt, 1621. Gut 100 Jahre sind vergangen, seit Bertram und Gutta durch ihre Heirat die Familie Geisenheimer gegründet haben. Im zweiten Teil von Ines Thors groß angelegter Familienchronik begnen wir deren Enkeln Arno und Andreas, Ihren Frauen Rieke und Lila, ihrer Cousine Judith sowie deren Anverwandte Marga, die zwar Tigelgeberin des Buches aber bei weitem nicht die einzige Hauptfigur ist.
Zwar sind ihre Schicksale verboben, dennoch hat jeder zudem noch mit persönlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und nicht für jeden steht am Ende das ersehnte und erträumte Lebensglück, denn für manchen erweist sich der erwählte Weg als Fluch mit traurigen Konsequenzen.
Es ist ein farbiges Bild, das Ines Thorn von Frankfurt und Leipzig zur Zeit des dreißigjährigen Krieges zeichnet. Auch an den Geisenheimers geht der Krieg mit seiner Allgegenwärtigkeit, seinen Folgen und der damit verbundenen Bedrohung ihrer Existenz nicht spurlos vorbei, ebenso wenig wie am Leser, der sich durch Ines Thorns Erzählkunst in diese Zeit zurückversetzt fühlt und mit den Protagonisten mitfühlt und mitleidet, manchmal aber auch Abneigung gegen deren Handlungsweisen verspürt. Nicht immer kann man sich identifizieren, nicht immer bringt man Verständnis auf aber immer erreicht es Ines Thorn, dass man sich mit ihren Protagnonisten auseinandersetzt, sich über sie Gedanken macht.
Ich hätte mir gewünscht, dass dieses Buch mehr Seiten hat, um den Protagonisten noch mehr Raum für ihr Schicksal zu geben. Dadurch, dass es vier - zwar verwobene - Stränge waren (Lila, Judith, Marga und Rieke) gingen mir manche Dinge zu schnell und zu glatt. Ich mag es, wenn Protagonisten über einen längeren Zeitraum kämpfen müssen und sich manche Dinge wirklich über ein komplettes Buch ziehen, so wie es auch bei der Kaufmannstochter der Fall war. Hier in diesem Buch mussten sie sich nur wenigen dramatischen Schwierigkeiten stellen, die dann aber häufig nach wenigen Seiten schon beiseite geräumt waren oder nicht wirklich Konsequenzen hatten.
Im Gegenzug kam dadurch, dass es eben nicht ein oder zwei Protagonisten sondern mehrere waren, nie Langweile beim Lesen auf, weil sich die Handlungsstränge sehr gut ergänzt bzw. abgewechselt haben und die Handlung zudem mit dem Dreißigjährigen Krieg eine wirklich interessante Rahmenhandlung hatte, sodass auch Leser, die sich für historische Ereignisse interessieren, nicht zu kurz kommen.
Ich freue mich jedenfalls auf die nächste Generation der Geisenheimers und bin gespannt, mit welchen Schwierigkeiten diese zu kämpfen haben wird.