Die Bedeutung der Behandlung von Atemproblemen in der Tinnitus-Therapie ist nicht zu unterschätzen. Durch eine unbewusste leichte aber ständige (chronische) Hyperventilation kommt es auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen (siehe Buteyko, Bradley).
Ebenso die Arbeit mit Meridianen, da in diesem Fall der gesamte Körper (entlang des Verlaufs des Meridians) und nicht nur lokal behandelt wird.
Durch falsche Atmung wird auf Dauer die Atemhilfsmuskulatur überlastet, was zu Triggerpunkten und deren Folgeproblemen führt wie z.B. Ohrgeräusche und Schmerzen. Sind die Ohrgeräusche erst mal da, verschlimmert die Panik/Angst vor den Ohrgeräusche die Atmung und Verspannungen noch weiter und damit kommt es zu einem Teufelskreis.
Ausgehend von einem typischen Profil eines Tinnituspatienten hat die Autor ein umfangreiches Übungs- und Erfahrungsprogramm zusammengestellt. Jede Einheit soll etwa 4 Wochen durchgeführt werden. Schon nach den ersten beiden Einheiten hat man sehr wichtige Übungen erlernt, z.B. die "Idiotenübung" für den Kiefer, Atmung erspüren oder Übungen für die Beweglichkeit von Hüfte/Gesäß und zur Lösung von Verspannung ein den Füßen.
Die Autorin weist dem Gallenblasenmeridian eine wichtige Bedeutung in der Tinnitusbehandung zu. Das ist richtig. An dem Verlauf der Meridiane kann auch sehr schön sehen, dass der gesamte Körper von Kopf bis Guß behandlt werden muss. Der Nierenmedian sollte ebenfalls in Betracht gezeigen werden.
Im Buch "
Meridian Dehnübungen" von Shizuto Masunaga finden sie weitere empfohlene Übungen zur Behandlung des Gallenblasenmeridians.
Um den Meridian zwischen bzw. an den Schulterblättern zu behandeln, legt man sich auf den Boden und positioniert einen Tennisball im Bereich der Schulterblätter und baut mit dem Körpergweicht Druck auf. An den schmerzhaften Stellen bleibt man ein bisschen darauf liegen und versucht weiter ruhig zu atmen und zu entspannen. Dann geht es zur nächsten schmerzhaften Stelle.
Diese Trigger/Druckmassage kann man auch mit der Schulter/Nacken und dem Becken durchführen. Alternativ führt man die Übung im stehen gegen eine Wand aus. Dazu Tennisball in eine Socke packen und über die Schulter herablassen. Siehe auch im Buch von Davies.
Die Autorin hat beobachtet, dass Tinnitus Patienten oft Probleme/Schmerzen in der Umgebung der Achillesferse haben. Ich empfehle zusätzlich die (Triggerpunkt-)Massage der Wadenmuskulatur und die Akkupressur des Punktes KI-3. Außerdem sanftes (! und langes) Dehnen.
Zum Lösungen von Verspannungen in Wade, Gesäß und Rücken empfehle ich die sog. Blackroll, sie ermöglicht die Selbstbehandlung von Verspannungen auf einfache Weise.
Geniessen sie in ihrer Freizeit die Natur beim Wandern, Spazieren oder Fahrrad fahren.
An der Art und Weise wie dieses Buch geschrieben wurde, erkennt man die umfangreiche Erfahrung der Autor im Umgang mit Tinnitus-Patienten. Ich lege jede Tinnitus-Patienten, insbesondere wenn der Tinnitus durch Stress ausgelöst wurde, dieses Buch ans Herzen. Führen sie das Programm durch und beobachten sie ganz genau wie ihr Körper reagiert (er wurde vorher zu lang überhört). Sie selbst sind ihr bester Arzt bzw. sollten ihr bester Arzt werden.
Zum weiterlesen empfehle ich:
- von Dinah Bradley "
Unter Kontrolle!: Hyperventilation - der Ratgeber zur Selbsthilfe" oder ähnlich die Buteyko Methode (z.B.
Leben ohne Asthma: Die Buteyko-Methode)
- von Astrid Schünemann "
Das Atem-Übungsbuch nach Middendorf". Unbedingt vorher einen Atemkurs besuchen. Sehr ausführlich ist das Buch von Norbert Faller
Atem und Bewegung: Theorie und 111 Übungen. Wen berufliche Ängste quälen, dem hilft das Buch
Atem: Stressabbau und -bewältigung im beruflichen Alltag.
- von Clair und Amber Davies "
Arbeitsbuch Triggerpunkt-Therapie: Die bewährte Methode zur Linderung von Muskelschmerzen" für weitere Anleitungen zur Muskelentspannung
- von Robert O. Uppgaard "
Taking Control of Tmj: Your Total Wellness Program for Recovering from Temporomandibular Joint Pain" für alle die Kieferprobleme haben, z.B. CMD
Heilungschancen:
Wenn die auf die eine Tablette/Spritze*/OP/Bewegung warten, die sie sofort heilt, vergessen sie es.
Wenn sie bereit sind sich täglich mindestens 30 Minuten täglich sportlich zu betätigen, wenn sie bereit sich auf ungewöhnliche Übungen und Ansichten einzulassen und wenn sie bereit sind Rücksicht auf die Bedürfnisse ihres Körpers zu nehmen und ihn nicht zu überfordern, dann können sie es schaffen.
* im Buch von Davies ist ja erwähnt, wie man durch eine Spritze (sog. Triggerpunktinjektion), Patienten von Tinnitus geheilt hat. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, sofern ihr Tinnitus durch Stress verursacht wurde. Sollte die Wirkung nicht von Dauer sein, dann ist der Auslöser noch aktiv und sie müssen sich auf die Suche nach der Ursache für ihren Tinnitus machen (z.B. Stress -> Hyperventilation)