Siri Bergman ist zwar Psychotherapeutin, aber ein gebrochener Mensch. Noch immer leidet sie unter dem plötzlichen Tod ihres Mannes. Man fragt sich, wie solch eine Person überhaupt Patienten behandeln kann. Zudem wohnt sie allein am Meer, weitab der Stadt und ohne Nachbarn. Dann wird eine ihrer Patientinnen ermodert aufgefunden, und Siri hat den Eindruck, beobachtet und verfolgt zu werden. Und so ganz langsam bricht das Grauen über sie herein ...
Den beiden Autorinnen ist ein hochspannender, vielschichter und gut geschriebener Roman gelungen. Man fiebert und fühlt mit Siri mit, obwohl sie einige Dinge tut, die gegen jede Logik sind - zum Beispiel spätabends einsam im Meer schwimmen zu gehen, obwohl es Hinweise gibt, dass ein Mensch um ihr Haus streichen könnte. Aber was tut man nicht alles, damit der Leser seinen Nervenkitzel hat ...
Im Lauf der Geschichte verliert Siri immer mehr den Halt, trinkt immer mehr, und die furchtbare Erkenntnis, was es mit dem Tod ihres Mannes wirklich auf sich hatte, kommt immer näher. Aber das ist nur der Nebenplot.
Im Hauptstrang der Erzählung wird es immer dramatischer, der Mörder schlägt wieder zu, und am Ende steht Siri ihm gegenüber.
Was, in meinen Augen, die Stärke des Romans ausmacht, ihm Größe und Menschlichkeit gibt, sind die grandiosen letzten Szenen. Da ist völlig unklar, wer das Duell gewinnt, es gibt mehrere äußerst geschickte Wendungen, und der Täter wird auch als der leidende Mensch dargestellt, der er ja ist. Das ist schon großartig gemacht.
Eine kleine Schwäche des Romans ist es, dass der gewiefte Krimileser sehr schnell das Motiv des Täters kennt und ab der Mitte mit einiger Überlegung sich auch ausrechnen kann, wer er ist. Dennoch bleibt das Buch spannend bis zur letzten Seite!