Irgendwo ist Einar Karason einer der Autoren, die es schaffen zu fesseln. Dabei ist es nicht die Sprache oder die Außergewöhnlichkeit seiner Geschichte, die den Leser in Bann hält. Nein, es ist schon eher die Banalität des Ganzen, die Einfachheit, und dazu noch der Charakter zwischen Soap-opera und Saga, Epos und Trivialität. Dies alles ist in Bezug auf dieses Buch keinesfalls negativ gemeint. Schließlich zeichnet sich die Einfachheit manchmal dadurch aus, dass sie die schönsten, poetischsten Werke hervorbringt. Die Geschichte zentriert sich um das Camp Thule in Rejkjavik, einem Absteigerbezirk, einem selbstgewachsenen Slum, in dem es darum geht, irgendwie zu überleben. Und Lina und Thomi gehören zu den Gewinnern. Sie haben ein großes Haus, eine Familie, die richtigen Connections. Was fasziniert sind die unterschiedlichen Charaktäre der Familienmitglieder, vom braven, lieben Enkel bis hin zu trunksüchtigen Hooligans, die nie Langeweile aufkommen lassen. Mit seiner Trilogie hat Karason ein schon fast süchtig-machendes Werk geschrieben, das zum Durchlesen einläd, zum Schmunzeln, aber auch zum Traurigsein. Doch irgendwie schwimmen die Menschen in Camp Thule doch alle wieder oben. Schließlich sind sie Meister darin, sich durchzubeißen und auf der "bright side of life" zu stehen.