"Es gibt weit mehr Dinge zwischen Himmel und Hölle,
als sich der Normalsterbliche vorstellen kann".
(Bran MacPhail)
In den Jahren 1644 - 1645 kämpfen in Schottland Königstreue gegen presbyterianische Covenanters. Während die Royalisten den englisch-schottisch-irischen König Charles I. unterstützen, haben die seit 1639 in Schottland regierenden Covenanters Partei für das englische Parlament ergriffen.Unter seinem Oberhaupt Archibald Campbell, 1. Marquess of Argyll schlägt sich der größte Highlandclanauf der Campbells auf die Seite der Covenanter. Rivalisierende Clans, allen voran die MacDonalds, schließen sich deshalb der Gegenseite an. Trotz anfänglicher Erfolge mit Unterstützung durch irische Truppen werden die Royalisten schließlich von den Covenanters besiegt. Da das englische Parlament zuvor getroffene politische und religiöse Vereinbarungen (wie die Einführung des Presbyterianismus als offizielle Staatsreligion) nicht zu erfüllen gedenkt, befürchten viele Covenanter, dass Oliver Cromwell Schottland seine Unabhängigkeit rauben will und wechseln daher auf die Seite des König Charles I.....
......die politischen-religiösen Wirren und Rivalitäten der schottischen Clans im sogenannten "Krieg der drei Königreiche" dienen der Autorin als Kulisse für die erste Hälfte ihres Romans. John Cameron, der auf Seiten der unterlegenen Royalisten gekämpft hat, verdingt sich als Hafenarbeiter in Leith. In Edinburgh trifft er Madlen Eleonore MacDonald, die er bereits seit seiner Jugend in den Highlands kannte. Sie verlieben sich ineinander und geraten dadurch Lord Chester Cuninghame of Berwick upon Tweed in die Quere, der Madlen als sein Eigentum ansieht. Im Namen des schottischen Parlaments lässt der "Schwarze Lord" John, seinen irischen Freund Padday Hamlock deren Kollegen verhaften, um sie den alchemistischen Experimenten des luziferischen Mercurius und seiner Bruderschaft der Panaceaer zuzuführen.....
.....361 Jahre später wird Dough Weir, ein Nachtwächter von "Cameron Security Systems", auf dem Gelände der "Cuninghame Ldt." im Hafen von Edinburgh Zeuge, wie ein Mann von mehreren Personen angegriffen und mit einem Schwert enthauptet wird. Einer der Angreifer sprach mit Highlandakzent, ein zweiter sei offenbar irischer Abstammung gewesen. Da es weder Spuren noch andere Zeugen gibt, schenkt zunächst niemand Dough Weir Glauben. Die in Edinburgh lebende Molekularbiologin Lilian von Stahl, erhält von ihrem Bruder Alex, einem Studenten der Biochemie eine rätselhafte Schamanendroge: "Der aus südamerikanischen Pflanzenextrakten hergestellte Stoff, enthält eine Art Neurotransmitter, der eine energetische Verbindung zwischen der Zellen-DNA und den neuronalen Netzwerken des menschlichen Gehirns herzustellen kann. Da neben biologischen Informationen auch psychologischen Erfahrungen genetisch weitergegeben werden, ermöglicht "Ayanasca", über eine Art Vision einen direkten Kontakt zu belebten Bildern aus der Vergangenheit der biologischen Vorfahren herzustellen". Nachdem Lilian die Amazonasdroge in einem Versuch bei sich selbst getestet hat, eröffnet sich der Molekularbiologin ihre Vergangenheit und Zukunft.....
Nach "Die Gegenpäpstin", "Das Rätsel der Templer" (2007) und "Schamanenfeuer - Das Geheimnis von Tunguska" (2008) ist Martina André erneut ein spannender Thriller gelungen, dessen Zutaten sich aus den unterschiedlichsten Genres und originellen Ideen speisen.Während der Romantitel an die vierteilige TV-Serie "The Devil's Whore", die im Spätherbst im britischen Channel 4 ausgestrahlt wurde, angelehnt ist, lassen einige Ingredienzen zwar an die "Highlander"- und "Starwars-" und "Frankenstein-Filme" erinnern.....
.....was jedoch längst nicht alles ist. Die Autorin hat eine Vielzahl historischer Ereignisse eingebaut, wie z. B. Sieg der Royalisten am Hügel von Banbury, Niederlage der Covenanters unter Lord Elcho bei Tippermuir, Eroberung Aberdeens für die Royalisten durch Montrose und MacColla undCromwells Einzug Cromwells in Edinburgh und die Hinrichtung von Montrose usw. Das Zeitalter der englisch-schottischen Bürgerkriege war auch die hohe Zeit der Hexenverfolgung und Alchemie, in der mancher nach dem "Lapis Philosophorum" suchte. Originell ist Andrés Bruderschaft der Panaceaer ("Alles Heilende"), die nach Panacea, der Tochter Aesculaps benannt wurden. Auch der Name Mercurius hat einen tieferen Sinn, denn als Synonym für Quecksilber diente es den Alchemisten als Grundstoff, den es zu wandeln galt. Am Ende des Buches erfährt der Leser schließlich auch, wer Mercurius (gewesen) ist. Auch der von André gewählte Begriff "caput mortuum" hat neben seiner alchemistischen noch eine weitere mystische Bedeutung, die in Relation zum Roman steht. In ihrem Nachwort schreibt Martina André, dass auch Ideen aus Jeremy Narbys "Die kosmische Schlange" schöpfte. Von ihm stammt die Theorie, dass alle Lebewesen über die DNA miteinander in Verbindung stehen und Schamanen mit Hilfe von Halluzinogenen (Ayahuasca!) diese Verbindungen bewusst machen und nutzen können. Die Schlange deute auf eine Beziehung zur Doppelhelix der DNA hin und Schamanen hätten schon lange vor der westlichen Welt von den Zusammenhängen der Molekulargenetik gewusst.
Detaillierte Ortskenntnisse machen deutlich, dass die Autorin nicht nur in Edingburgh, sondern auch in den Highlands recherchiert hat. Ihre Liebe zur schottisch-gälischen Sprache lässt sie an einigen Stellen einfließen, wenn sie z. B. den Leser den kompletten Namen ihres Protagonisten John Cameron wissen lässt: "Iain Mhic Dhonnchaidh Cloinn Camshron Loch Iol à Blàr mac Faoltaich" Daneben beweist sie auch Humor, wenn sie Bran MacPhail das Eingangszitat sprechen lässt oder den Kater von Lilians Freundin, Jenna MacKay den Namen "Watson" (nach James Watson und Francis Crick, den Entdeckern der DNA) verpasst.
Der Roman zeichnet wieder einmal durch eine sorgfältige Recherche aus und dem aufbau Verlag ist diesmal auch das Cover gelungen. Mit ihrer eigentümlichen Mischung aus Geschichte, Mystik, moderner (Bio)Technologie und Liebesgeschichte braucht sich Martina André nicht hinter internationalen Bestsellern eines Michael Cordy zu verstecken.
5 Amazonsterne.