Inhalt:
Das Bauernmädchen Robin wird die heimliche Zeugin eines Komplotts, bei dem Gernot, der Sohn ihres eigenen Lehnsherrn, einen Überfall auf ihr Dorf plant. Sie kann den Überfall nicht verhindern und wird sogar selbst Opfer des mörderischen Plans. Mit durchschnittener Kehle wird sie vor der Komturei der Tempelritter zurückgelassen. Dort findet sie der Tuaregkrieger Salim und bringt sie zu den Templern, wo er als vermeintlicher Sklave lebt. Sie wird gerettet und gesund gepflegt und nun stellt sie eine echte Bedrohung für Gernot dar, denn sie kennt als Einzige die Wahrheit. So jagen Gernot und seine Kumpanen nach ihr und versuchen sie zu töten. Salim aber bringt ihr das Kämpfen bei und im entscheidenden Moment, retten ihre neu erworbenen Fähigkeiten ihr Leben, außerdem kann man sie bald kaum noch von einem echten Tempelritter unterscheiden. Aber wie sich herausstellt verfolgt Salim ganz eigene Pläne, denn er ist bei weitem nicht das was er vorgibt zu sein.
Hier hat sich Wolfgang Hohlbein mal auf ein ganz anderes Terrain gewagt und tatsächlich einen sehr spannenden historischen Roman im soliden Hohlbein-Stil geschrieben. Die Geschichte um Robin und Salim steckt voller fesselnder Kämpfe, voller Intrigen, Hass und obendrein gibt es noch eine sehr schön und unaufdringliche Liebesgeschichte.
Wer einen gut recherchierten und fundierten Historienroman lesen möchte, sollte aber unbedingt die Finger von diesem Buch lassen, denn dieser Roman bietet kaum historisches Hintergrundwissen und der geschichtliche Rahmen, ist ziemlich dürftig recherchiert und mit einigen kleineren Mängeln behaftet. Kurzum: Einem dogmatischen Historienfan würden die Haare zu Berge stehen.
Mich persönlich hat das nicht weiter gestört, da die Geschichte trotz ihrer kleinen Mängel alles bietet was man sich von einem Hohlbein-Buch erhoffen darf.
Einzig die Heldin Robin hätte nach meinem Geschmack etwas authentischer denken und handeln müssen, denn sie kam mir manchmal vor wie ein moderner Teenager, den es ins Mittelalter verschlagen hat und damit wirkte sie ziemlich unglaubwürdig für ein Mädchen ihrer Zeit und ihres Standes. Weder konnten ungebildete, weibliche Leibeigene damals frei über sich selbst und ihren Aufenthaltsort bestimmen, noch hatten sie eine so neuzeitliche Vorstellung davon was Freiheit für eine Frau überhaupt bedeutete. Auch hat Robin eine recht moderne und losgelöste Einstellung zum Glauben und zu Gott, wie sie in diesem Zeitalter tiefster und blinder Gläubigkeit nirgendwo anzutreffen war.
Dieses verzerrte Frauen- oder Mädchenbild, das Wolfgang Hohlbein da zeichnet, stört mich und wäre nicht nötig gewesen um Robin zu einem liebenswerten und aufregenden Charakter zu verhelfen und dafür ziehe ich einen Stern ab, so leid es mir tut.
Fazit:
Wer über geschichtliche Oberflächlichkeiten und das ziemlich abrupte Ende hinwegsehen kann, der wird mit der Templerin einen erstklassigen Hohlbein-Roman genießen. Leider erfährt diese Geschichte erst im 2. Teil, "Der Ring des Sarazenen" seine perfekte Abrundung, und obwohl man mit diesem Ende rundum zufrieden gestellt wird, ist es natürlich unerlässlich auch den 3. Teil "Die Rückkehr der Templerin" zu lesen, zumindest wenn man, so wie ich, Robin und Salim ins Herz geschlossen hat ;-).