Wie dem Backcover zu entnehmen ist, wagt sich der Autor Jack Whyte hier (nicht ganz) zufällig an eins meiner kirchengeschichtlichen Lieblingsthemen - nämlich den Orden der armen Ritter Christi vom Tempel Salomon - heran, doch wer jetzt denkt, einfach nur ein weiteren Templerroman mit den üblichen Veschwörungstheorien vor sich zu haben, irrt!
Die Geschichte des Ordens ist mindestens so aufregend wie mysteriös, in den fast zwei Jahrhunderten seiner Existenz waren die Templer der militärische Arm der Kirche und führten unter anderem heutige Standards wie Geldwechsel oder das Kreditwesen ein - eigentlich Grund genug für einen weiteren Abenteuerroman, wenn - ja wenn! - Jack Whyte nicht komplett auf historische Fakten aufbauen würde, um aus der Sicht der Protagonisten Hugues des Payens, Payen de Montdidier und Geoffroi des St. Omer die Entstehung des Templerordens zu schildern!
600 Seiten lang wird der Leser in die Welt des späten elften Jahrhunderts und dessen Folgejahre gezogen, in denen unter anderem der erste Kreuzzug und die Eroberung von Jerusalem fielen und in dessen Nachwirren Hugues des Payens und seine acht Mitstreiter den "Orden der armen Ritter Christi vom Tempel Salomon" gründeten. Gepaart mit den Intrigen am Hofe Balduins II. , seines Zeichens König von Jerusalem, und der ersten Annäherung an die einheimischen Sarazenen - dem eigentlichen Todfeind - spinnt sich von der ersten Seite bis zum Schluss dieses Werkes ein roter Faden, der den Leser dazu bewegt, dieses Buch einfach weiterzulesen, komme, was wolle.
Sieht man mal von dem Fauxpas der Verleger ab, diesen historischen Roman mit dem reisserischen Untertitel "Der Schatz des Blutes" zu belegen (das Original heisst übrigens '"Knights of the Black and White"'), hat Jack Whyte es auf eine besondere und präzise Art geschafft, Unterhaltung und Geschichte miteinander zu verbinden, so das der Leser nach und nach verstehen MUSS, was sich die ersten Tempelritter damals wohl gedacht haben und was die Intention hinter der Gründung des wohl mächtigsten Orden des Mittelalters war. "Die Templer" ist schlichtweg lebendige Geschichte, die einfach erzählt wird, ohne nennenswert von den eigentlichen geschichtlichen Fakten abzudriften. Dieses Werk ist für all die, die sich bereits mit der Geschichte des Ordens beschäftigt haben oder dies tun möchten, ein absoluter Pflichtkauf - und auch all jene, die einfach nur Unterhaltung suchen und die geschichtlichen und religiösen Aspekte aussen vor lassen wollen, sollten den Weg zu diesem Meisterwerk suchen, welches Zeitgleich der Auftakt zu Jack Whyte's Templertrilogie darstellt!