"TELE-LOTTO" war der Titel einer wöchentlichen Lotterie, die jeweils immer am Sonntagabend zwischen 19:00 Uhr und 19:25 Uhr im 1. Programm des DFF ausgestrahlt wurde. Die allererste Ziehung der fünf Gewinnzahlen für diese gemeinsam vom DDR-Fernsehen und dem VEB Vereinigte Wettspielbetriebe entwickelten und konzipierten Lotterieform, erfolgte in der Premierensendung von "TELE-LOTTO" am 09. Januar 1972. Damit entwickelte sich "5 aus 35 - TELE-LOTTO" schon von der ersten Spielwoche an, nicht nur zu einer der populärsten Lotterie-Spielformen der ehemaligen DDR, sondern obendrein zu einer der populärsten Sendungen des DFF. Jeder Spielteilnehmer konnte auf besonderen Spielscheinen vier Tips abgeben, auf denen von 35 Zahlen jeweils 5 angekreuzt werden mussten. Eine Zusatzzahl gab es dabei nicht.
Die fünf "Richtigen" wurden in der Sendung von bekannten Künstlern und Moderatoren, unter der Beaufsichtigung von Ziehungsleitern und Aufsichtsbeamten (die im Hauptberuf Justitziare waren), nacheinander gezogen. Zu jeder Zahl gehörte ein kurzer Programmbeitrag aus zurückliegenden Sendungen des DDR-Fernsehens, aber auch eigens produzierte kurze Programmbeiträge, die im Anschluss an die Ziehung der Zahl sofort gesendet wurden.
Die 1 stand dabei für "Anekdote", die 10 für "Frecher Zeichenstift", die 14 für "Humor", die 24 für "Schlager" oder die 35 für "Zirkus". Viele Zuschriften an die Redaktion von "TELE-LOTTO" zeigten sehr bald, dass die 10, die 14 und die 35 vor allem bei den jüngsten Zuschauern am beliebtesten waren. Für die Erwachsenen war dagegen die 19 der absolute Hit unter den Gewinnzahlen, denn hinter ihr verbarg sich der eigens für "TELE-LOTTO" geschriebene und produzierte 4-6-Minuten-"Kurzkrimi".
Die Stoffe waren mit Augenzwinkern von den Regisseuren Bernd Maiwald und Ulrich Rulf umgesetzt und von vorwiegend aus dem "heiteren Fach" bekannten Schauspielern gespielt. Wegen der sehr aufwändigen und teuren Produktion wurden die Kurzkrimis 1985 eingestellt.
Im Laufe der Zeit entstanden ca. 60 solcher Kurzkrimis, von denen (laut Quelle DRA-Spezial Nr. 20: "Kriminalfilme im DDR-Fernsehen" - Eine Bestandsübersicht) bis zum 20.09.2008 im Fernsehbestand des DRA-Babelsberg lediglich noch 37 vorhanden waren. Zwischenzeitlich konnten im DRA-Archiv durch Sichtung von bis dahin noch unkatalogisierten Material, weitere 10 einst für "TELE-LOTTO" produzierte Kurzkrimis gefunden, identifiziert und damit dem DRA-Archivbestand wieder hinzugefügt werden.
Mit dieser erstmaligen DVD-Veröffentlichung aller im DRA bisher gefunden 47 Kurzkrimis gibt es nun auf jeden Fall ein Wiedersehen mit dem Kurzkrimi Nr. 1 "Tod im Kofferraum" vom 30. Januar 1972, als Kommissar Zufall zum ersten Male eine Kugel auf den Kegel mit der Nr. 19 geschossen hatte und mit dem allerletzten am 24. Februar 1985 in "TELE-LOTTO" in Erstsendung gezeigten Kurzkrimi "Röhrender Hirsch gesucht!".
Bis zum entgültigen Ende dieser Zitat: "Fernsehunterhaltungsglücksspielsendereihe" am 28. Dezember 1997 im MDR-Fernsehen, wurde "TELE-LOTTO" insgesamt 1351 Mal gesendet. Bis dahin erlebten auch einige der beliebten Kurzkrimi-Werke ihre verdiente TV-Wiederaufführung.
Inhalt:
01. "Tod im Kofferraum" 6:56 min. s/w
02. "Heiße Knacker" 7:10 min. s/w
03. "Schüsse aus dem Dunkel" 7:15 min. s/w
04. "Diamantenschneider" 7:50 min. s/w
05. "Der Täter kommt um elf Uhr" 12:40 min. s/w
06. "Der Einbruch" 11:52 min. s/w
Diese ersten sechs Kurzkrimis aus dem Jahr 1972 verdienen aus meiner Sicht eine gesonderte Erwähnung. Denn als Autor, Regisseur und einer der Hauptdarsteller (als Kommissar) war der unvergessene Hans-Joachim Preil hier gleich doppelt und dreifach beschäftigt. Hans-Joachim Preil machte mit voller Absicht anfangs aus den ersten sechs Kurzkrimis, gleich eine kleine Reihe unter dem Titel "Schmidchen klärt auf...". Als nervender Freizeitdetektiv Schmidchen ist übrigens der ebenfalls unvergessene Gerd E. Schäfer zu sehen. Es lag nahe gleich eine kleine sechsteilige Reihe zu machen, da man in Adlershof ja nicht wissen konnte, wie oft die 19 gezogen werden würde.
In den 41 anderen Kurzkrimis auf dieser DVD gibt es ein Wiedersehen mit vielen weiteren bekannten Gesichtern des ehemaligen Schauspielerensembles des ostdeutschen Fernsehens. Neben Hans-Joachim Preil und Gerd E. Schäfer sind u.a. Paul Arenkens, Ingeborg Krabbe, Peter Dommisch, Sylvia Schüler, Horst Torka, Evamaria Bath, Hans-Joachim Hanisch, Jessy Rameik, Axel Triebel, Marion van de Kamp, Jürgen Frohriep, Margot Ebert, Heinz Behrens, Marina Krogull, Alfred Struwe, Agnes Kraus, Heinz Rennhack, Genia Lapuhs, Fred Delmare, Ingeborg Naß und Ezard Hausmann zu sehen.
Mitunter wurde so mancher Kurzkrimi erst durch die Mitwirkung einiger der hier genannten Schauspieler zu einem echten Kabinettstückchen. Aber davon wird sich jeder interessierte Zuschauer dank dieser DVD nun leicht selbst überzeugen können.
Bildbewertung:
Alle hier enthaltenen 47 Kurzkrimis wurden auf die beiden in dieser DVD-Veröffentlichung enthaltenen Silberscheiben, mit einer Gesamtspielzeit von ca. 294 Minuten, im Bildformat 4:3 von originalen Film und MAZ-Videobändern in schwarz/weiß und Farbe übernommen.
Das Alter des ältesten Ausgangsmaterials liegt mittlerweile bei 39 Jahren und das des jüngsten bei 27 Jahren.
Manche der historischen Aufnahmen sind in besserer und andere in schlechterer Bild und Tonqualität erhalten.
Streng genommen müsste man sogar jeden einzelnen der 47 Kurzkrimis diesbezüglich gesondert beurteilen.
Eine solche umfassende Beurteilung ist an dieser Stelle natürlich leider nicht möglich.
Dass es die Firma ICESTORM für diese DVD-Veröffentlichung wirklich einmal geschafft hat, keine einzige der Vorlagen (insbesondere die MAZ-Vorlagen), in irgendeiner Form einer "verschlimmbessernten" Bildbearbeitung zu unterziehen, ist äusserst positiv zu werten.
Der eigens für diese DVD produzierte Bonusbeitrag "TELE-LOTTO - das rollende Glück" rundet diese Veröffentlichung ab.
In einem Gespräch zur meistgespielten Lottoart in der ehemaligen DDR vermittelt Klaus Fischer, der als Redakteur und Autor ab 1982 rund 300 "TELE-LOTTO"-Sendungen betreute, u.a. interessantes Hintergrundwissen zu den drei "TELE-LOTTO" Ziehungsgeräten, den Ziehungsleitern und Aufsichtsbeamten und natürlich der teilweise spannenden Suche nach verschollen geglaubten Kurzkrimis. Ergänzt wird das Gespräch mit Ausschnitten aus "TELE-LOTTO"-Sendungen und Kurzkrimis.
Der Beitrag wurde im Mai 2011 in der Geschäftstelle von Lotto-Brandenburg in Potsdam-Babelsberg aufgezeichnet und im Format 16:9 in einer Länge von 28:00 Minuten, von der bfg filmproductions (der Schülerfirma am Babelsberger Filmgymnasium) im Auftrag von ICESTORM Entertainment GmbH, Berlin und Telepool GmbH, München hergestellt.
Ein 6-seitiges Booklet enthält unter dem Titel: "Kriminalfall im DDR TV-Archiv: Der Fall TELE-LOTTO" weitere wissenswerte Informationen zur Sendung und Inhaltsangaben zu allen 47 Kurzkrimis.
Tonbewertung:
Die Tonaufnahmen wurden sauber und klar verständlich von den im DRA-Archiv vorhandenen historischen Ausgangsmaterialien im Format Dolby Digital 2.0 übernommen.
Gravierende Mängel waren bezüglich der Tonqualität beim Ansehen der beiden DVDs nicht feststellbar.
Gesamturteil:
Wenn Sie als Zuschauer die besondere Mischung eines kurzen spannenden Rätselkrimis mit humorvoll-skurillen Elementen (inklusive der obligatorischen überraschenden Auflösung) mögen, dann ist diese DVD-Veröffentlichung die perfekte Kaufempfehlung für Sie.
Fazit:
Diese Doppel-DVD bietet ihnen die Gelegenheit zu einer kurzweiligen und unterhaltsamen Zeitreise durch 13 Jahre Kurzkrimi von 1972 bis 1985 in "5 aus 35 - TELE-LOTTO".