Teilacher - wer? Es ist ein Wort aus dem Jiddischen und bedeutet nicht mehr und nicht weniger als Vertreter. Also ein jüdischer Handlungsreisender, der über Land zieht und Waren an den Mann, die Frau bringt. Anders: "Der Teilacher als Vertreter des Einzelhandels, das kleinste spaltbare Teilchen, das Atom der Kaufmannswelt.... Der Teilacher ist Jude. Oder er gibt sich als solcher aus..."
Ein solcher ist David Bergmann. Von ihm vor allem erzählt Michel Bergmann. Und das sehr authentisch, denn David Bergmann war sein Onkel. Ihm sollte, so der Autor, mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt werden. Dass es sich um einen Debütroman eines 65-Jährigen handelt, sei erwähnt, weil es sich um sehr beachtliches Debüt handelt.
Es ist die Geschichte einer jüdischen Familie, die Michel Bergmann erzählt. Sie handelt von Juden, ihrer Lebensweise und ihrer Gedankenwelt im Deutschland der Nachkriegszeit. Mittelpunkt dieser Familie und Held dieses Buches ist eben jener David Bergmann. Er und viele andere Familienmitglieder haben die Lager überstanden. Eigentlich wollten sie nicht mehr in Deutschland leben, im Land ihrer Peiniger. Nebbich. Jetzt sind sie also da. Und jetzt gilt es, sich mit viel Optimismus, großer Lebenskraft und unverwüstlichem Humor eine neue Existenz aufzubauen. Teilacher werden David Bergmann, Emil Verständig und Max Holzmann; sie ergreifen einen alten, traditionell jüdischen Beruf.
Vor dem Hintergrund ihrer Biografien schlagen sie sich durch das neue Leben. Klingeln an Haustüren, preisen ihre Waren an, werden mit den uralten Ressentiments gegenüber Juden konfrontiert. Das führt zu Begegnungen mit viel Situationskomik, aber auch sehr ernsten Begleiterscheinungen. Sie treffen Menschen mit schlechtem Gewissen und solche, die nichts dazu gelernt haben, und preisen ungerührt ihre Waren an. Erzählt wird pointen- und temporeich, garniert mit dem, was man gern als Chuzpe bezeichnet, und mit dem typisch jüdischen Witz. Bergmann bedient sich dabei einer Sprache, die viele Anleihen beim Jiddischen nimmt. Und das gibt dem Roman, diesem wunderbaren, trotz allem amüsanten Buch, eine besondere Klangfarbe.
Doch bleibt dem Leser manchmal das Lachen im Halse stecken. Denn zu sehr spiegeln sich in den geschilderten Erlebnissen der Schrecken und das Leid wider, das ihnen widerfahren ist.