Nach dem Buch von Christopher Vogler über die 'Odyssee des Drehbuchschreibers' habe ich versucht, diesen Klassiker von Eugene Vale zu lesen. Die Bilanz: 1:0 für Vogler.
Dieses Buch führt in jeder Hinsicht in die Irre: Vale schreibt NICHT über die Technik des Drehbuchschreibens, sondern gibt einen Überblick über die Filmgeschichte. 100 Seiten schreibt er über die Requisite, die Dekoration, den Ton, das Licht usw. Langweilig und humorlos arbeitet sich Vale die Theater- und Filmgeschichte durch, bis er jenseits von Seite 200 (von 284) endlich über die GESCHICHTE zu schreiben beginnt.
Eine weitere Täuschung ist es, wenn der Verlag auf der Buchrückseite schreibt, Vale führt in diesem Buch anschauliche Beispiele der Erzählkunst an: von Citizen Kane bis Star Wars. Beides stimmt nicht. Diese und andere Filmtitel werden zwar 1-2x kurz erwähnt, aber in jeweils anderem Zusammenhang. Der dreiste Versuch, ein Buch an den Leser zu bringen, das 1944 geschrieben wurde. Bei den Bearbeitungen (1972 und 1982) hat man diese Titel auf plumpe Weise in den Text gestreut ohne weiter auf die Plots einzugehen.
In der Internet Movie Database wird der angeblich so erfolgreiche (Drehbuch-)Autor Vale erwähnt - allerdings sind von den behaupteten 60 Drehbüchern nur 7 (unbekannte) aufgezählt. So ein Genie kann dieser Vale also nicht gewesen sein! Er erklärt jedenfalls nicht, wie man ein Drehbuch schreibt.
Unter Hollywood-'Hassern' gilt dieses Werk als Klassiker. Man muss Hollywood nicht lieben, aber Geschichtenerzählen und Schreiben lernt man mit diesem Buch nicht.
Wer wissen will, wie Dramaturgie aufgebaut und Drehbucher geschrieben werden, wird wohl zu anderen Büchern greifen müssen: entweder zu Aristoteles, oder z.B. zu Christopher Vogler oder Syd Field. Deren 'Rezepte' muss niemand sklavisch befolgen, aber dort erfährt man die Grundlagen, wie man eine Geschichte erzählt.