Auch bei dieser Kurzgeschichte von Süßkind kommt sein Hang zum Außergewöhnlichen zum Vorschein. Ganz trocken und todernst beschreibt er uns die Geschichte eines Mannes, der sein ganzes Leben lang das Gleiche tut bis zu dem einen Tag, an dem eine Taube sein Leben völlig verändert und ihn aus der Bahn wirft.
Süßkind liebt es, uns Leser in seine eigene Welt hinein zu tauchen und uns für einen kurzen Moment selbst an uns zweifeln zu lassen. Er pickt sich Alltagsgeschichten heraus und macht daraus einen "Thriller" der Extraklasse, wie ihn der Protagonist wohl durcherlebt. Die Taube steht für Höhe, Freiheit, aber auch für Aufdringlichkeit und Schmutz. Sie sind die "Ratten der Lüfte", wie man sie oft nennt. Für den Protagonisten jedoch waren so etwas wie Tiere oder auch andere Menschen, die plötzlich in sein Leben treten, alles andere als normal. Plötzlich sitzt eine Taube vor seiner Tür und starrt ihn auch noch so dumm an! Ein Schock für ihn, damit hatte er nicht gerechnet. Und sie verschwindet einfach nicht! Der Protagonist wird in seinem tiefsten Inneren durcheinander gebracht und zerstört, seine alltäglichen Rituale von einem Tier gestört. Das zerreist ihn innerlich. Er wird aus seinem Alltagstrott heraus gerissen und muss sich nun unabwendbaren Gefahren stellen. Das ist zu viel für ihn. Er denkt über Selbstmord nach. Er weiß, dass er diesen Veränderungen nicht standhalten kann und merkt, dass solche Gefahren wohl noch öfters auf ihn zukommen werden. Wie soll er das alles schaffen?
Gut erzählt und mit dem kleinen Wink, immer auf der Hut zu sein.