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Die Target-Falle: Gefahren für unser Geld und unsere Kinder [Gebundene Ausgabe]

Hans-Werner Sinn
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

8. Oktober 2012
Im Januar 2002 wurden die neuen Euroscheine mit großen Hoffnungen verteilt – heute, nur zehn Jahre später, steckt das Europrojekt in einer tiefen Krise: Was als europäisches Friedensprojekt begann, hat zu Streit und Unwillen geführt, der nur durch den tiefen Griff in das Sparkonto der Deutschen im Zaum gehalten wird.

Manche Euroländer haben über ihre Verhältnisse gelebt, hohe Außenschulden aufgebaut und stehen heute am Rand der Staatspleite. Doch ihre Notenbanken bedienen sich einfach der Notenpresse, um die Finanzprobleme der Wirtschaft zu lösen. Mit Billigung der EZB ziehen sie die Ersparnisse der solideren Länder aus dem Kassenautomaten, den sie mit dem Beitritt zum Euro bei sich aufstellen durften. Um sie davon abzuhalten, bleibt nichts anderes übrig, als ihnen nun auch noch Geld über die offiziellen Rettungsschirme zuzuleiten. Nicht nur Deutschland sitzt in der Falle.

Wenn das Europrojekt eine Zukunft haben soll, müssen wieder härtere Budgetbeschränkungen eingeführt werden, und den Ländern, die damit nicht zurechtkommen, muss die Möglichkeit gewährt werden, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch einen temporären Austritt wiederherzustellen.

Hans-Werner Sinn meldet sich mit einer umfassenden Analyse zu Wort.

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Pressestimmen

"Dieses Buch gehört zu den wichtigsten Büchern über die Euro-Krise. […] Sinn schafft es, eine komplexe Materie auch für Laien verständlich und geradezu spannend zu erklären." Philip Plickert, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2012

"Gegen Polemik und Ignoranz setzt Sinn die Weisheit des Lehrsaals. [...] Und liefert gut 400 Seiten gegen das kollektive Verdrängen." Hans-Jürgen Jakobs, Süddeutsche Zeitung, 6./7.10.2012

"... ein zentrales Buch für jene, die den Unmut vieler deutscher Ökonomen - und zusehends der deutschen Öffentlichkeit - über die Schuldenkrise verstehen wollen." Lukas Sustala, Der Standard, 8.10.2012

"Das Buch liefert einen guten Überblick über die Wurzeln der heutigen Krise." Claudia Aebersold Szalay, Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2012

"Dieses anregende und lesenswerte Buch wird sicher eine heftige Diskussion auslösen [...]." Bert Rürup, WirtschaftsWoche, 8.10.2012

"Wer Alternativen zur Berlin-Brüsseler Schuldenpolitik sucht, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Einen einfachen und schmerzlosen Ausweg aus der verfahrenen Lagen weiß auch Sinn nicht, doch seine Vorschläge zur Euro-Rettung haben gegenüber der aktuellen Politik einen Vorzug: Sie könnten funktionieren." Mark Böschen, manager magazin, November 2012

Klappentext

Im Januar 2002 wurden die neuen Euroscheine mit großen Hoffnungen verteilt – heute, nur zehn Jahre später, steckt das Europrojekt in einer tiefen Krise: Was als europäisches Friedensprojekt begann, hat zu Streit und Unwillen geführt, der nur durch den tiefen Griff in das Sparkonto der Deutschen im Zaum gehalten wird.

Manche Euroländer haben über ihre Verhältnisse gelebt, hohe Außenschulden aufgebaut und stehen heute am Rand der Staatspleite. Doch ihre Notenbanken bedienen sich einfach der Notenpresse, um die Finanzprobleme der Wirtschaft zu lösen. Mit Billigung der EZB ziehen sie die Ersparnisse der solideren Länder aus dem Kassenautomaten, den sie mit dem Beitritt zum Euro bei sich aufstellen durften. Um sie davon abzuhalten, bleibt nichts anderes übrig, als ihnen nun auch noch Geld über die offiziellen Rettungsschirme zuzuleiten. Nicht nur Deutschland sitzt in der Falle.

Wenn das Europrojekt eine Zukunft haben soll, müssen wieder härtere Budgetbeschränkungen eingeführt werden, und den Ländern, die damit nicht zurechtkommen, muss die Möglichkeit gewährt werden, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch einen temporären Austritt wiederherzustellen.

Hans-Werner Sinn meldet sich mit einer umfassenden Analyse zu Wort.

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116 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen It's the free credit……stupid!!!! 9. Oktober 2012
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Die Target-Debatte angestoßen zu haben ist der große Verdienst von Hans-Werner Sinn. Wie immer schafft es Sinn ein sperriges Thema auch für den Laien verständlich aufzuarbeiten. Der Target-Mechanismus ist aufgrund seiner Gefahr für ein funktionierendes Geldsystem in ganz ! Europa für uns alle von Interesse. Der ehemalige Bundesbank-Chef Helmut Schlesinger hat Sinn auf einen Posten in der Bundesbankbilanz aufmerksam gemacht, der seit 2007 stetig gewachsen ist. Hans-Werner Sinn recherchierte daraufhin und der Target Mechanismus entpuppte sich schnell als Sprengsatz für das Euro-System. Bis heute sind Target-Forderungen in Höhe von ca. 700 Mrd. EUR bei der Bundesbank aufgelaufen. Nimmt man die anderen Leistungsbilanzüberschussländer wie Österreich, Finnland und die Niederlande hinzu kommt man auf 1 Billion. Ein stolzer Betrag für einen Posten in den Zentralbankbilanzen, der ehedem nur eine kleine statistische Größe war.

Was aber ist der Target-Mechanismus und wie funktioniert er?

Target ist einfach ein elektronisches Zahlungssystem in dem die EZB, die Notenbanken und die dahinter angeschlossenen Geschäftsbanken angeschlossen sind. Es regelt einfach den Zahlungsverkehr zwischen den EURO-Ländern (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System). Überweist ein Grieche also einen Betrag auf eine deutsche Bank indem er ein Auto kauft, dann stösst er eine Target-Überweisung an. Überweist dagegen ein Deutscher einen Betrag auf eine griechische Bank, weil er z.B. eine Hotel in Santorini bezahlt, dann löst er ebenfalls eine Target-Überweisung aus, da beide Überweisungen von den Geschäftsbanken über die jeweiligen Zentralbanken über die EZB in das jeweils andere Land geschleust werden. Das Target-System „nettet“ dann die beiden Überweisungen in Echtzeit. Beträgt also der Betrag für das Auto 10.000 EUR und der Betrag für das Hotel (3 Monate Vollpension) 10.000 EUR, dann ist der Target-Saldo eben Null. Und so soll das auch sein. Die Zahlungsströme sollen sich über die Zeit hinweg ausgleichen. Wir wollen ja am Ende des Tages Güter und Leistungen tauschen und nicht abstrakte Zahlungsmittel.

Wenn der Grieche nun das Auto auf Kredit kauft, dann ist der Target-Saldo ebenfalls 0, da er dann einen Kredit von der – sagen wir Autobank in München - i.H.v. 10.000 EUR erhält. Es findet also ein Überweisungsvorgang von der Autobank auf sein Konto in Griechenland statt und er überweist dann den Betrag sozusagen gleich wieder an die Autobank in Deutschland. Wir sehen also, der Target-Saldo ist immer Null, wenn es zu jedem Zahlungsstrom ein Gegenzahlungsstrom gibt. Die Zahlungsströme gleichen sich dann aus.

Was aber passiert, wenn der Grieche 10.000 EUR nimmt und einfach in Deutschland damit einkaufen geht, aber niemand in Griechenland in den Urlaub fährt? Genau! Dann fließen immer mehr Zahlungsmittel – und damit Kredit – aus Griechenland ab und es gibt keinen Gegenzahlungsstrom. Die Kaufkraft verlässt dann das Land, in welchem die Zahlungsmittel abfließen. Irgendwann haben die Griechen dann kein Geld mehr und das führt eben zu Problemen.

Jedes Land hat eine spezifische Geldmenge, die seiner umlaufenden Güter- und Dienstleistungsmenge entspricht. Der Güter- und Leistungsaustausch mit dem Ausland ändert nichts daran. Austausch mit dem Ausland kann es dauerhaft nur geben, wenn ein Leistungsaustausch (Tausch von Gütern / Dienstleistungen gegen Güter / Dienstleistungen) stattfindet oder ein Land zwar Güter und Leistungen kauft und diese eben vom Ausland vorfinanziert bekommt.
(Also: Auto gegen Urlaub oder Auto gegen Kredit (Kredit = Forderung) wie oben dargestellt.)

Genau dies hat in der Finanzkrise ab 2007 nicht mehr funktioniert, als die Investoren (etwas spät) gesehen haben, dass Griechenland (und auch andere Südländer) praktisch pleite waren, da Sie die Gelder, welche sie von den Kapitalmärkten (z.B. von uns) bekommen haben, nicht investiert sondern „verfrühstückt“ haben. Investoren haben dann begonnen ihre Finanzmittel abzuziehen. Z.B. könnte es sein, dass ein Pensionsfond aus Deutschland seine Mittel abgezogen hat. Schon haben wir eine Target-Überweisung, der kein Gegenzahlungsstrom gegenübersteht. Es handelt sich – zugegebenermaßen – um eine späte, aber dennoch rationale Entscheidung, denn es handelt sich hier um Ersparnisse und die mögen es nicht verbrannt zu werden. Dieser Vorgang passiert aber auch, wenn Bürger aus den Südländern aus verständlicher und rational nachvollziehbarer Angst um ihr Erspartes ein Konto bei der - sagen wir - Volksbank München anlegen um dort ihr sauer verdientes Geld zu bunkern (sprich: zu überweisen). Das können dann einfache Bürger oder auch Superreiche sein, aber wer könnte es ihnen verübeln. Geld will immer Sicherheit und kennt keine Grenzen. Es ist somit die Kapitalflucht sowie ein einseitiger Konsumstrom gewesen, die zu einem Kapitalstrom aus den Südländern heraus geführt hat.

Ein anderer Weg war die Diskontierung von wertlosem Vermögen. Die EZB hat in 2008 entschieden, dass die Notenbanken der Südländer auch wertlose Pfänder in Zahlung nehmen und dafür frisches Geld ausreichen. Da sich in der Südzone wertloses Pfand in Billionenhöhe befindet ist der Gelddruckerei also keine Grenze gesetzt. Wenn nun ein reicher Grieche z.B. über eine Million Euro griechische Staatsanleihen verfügte, konnte er diese bei seiner Hausbank kreditieren, diese reichte die Papiere dann an die Griechische Notenbank weiter, die dafür Geld druckt. Dieses Geld schaffte er dann über den Target-Kanal z.B. nach Deutschland oder auch nach Finnland oder die Niederlande oder wo auch immer hin. Somit werden wertlose Vermögensgegenstände in wertvolle „getauscht“ und verlassen das Land ohne einen Gegenzahlungsstrom.

Da der Überweisungsvorgang dann in den oben genannten Fällen über die Hausbank des Griechen und die griechische Zentralbank und damit über die EZB zu der (in unserem Beispiel) Bank in Deutschland läuft, entsteht bei der Bundesbank ein „Überhang“ an eingehendem Geld, welches bei der Bundesbank geparkt wird. Immer mehr Zahlungsmittel fließen nun nach Deutschland. Das Kapital flüchtet also dorthin, wo es in Zukunft was wert ist. Ein Ausgleich findet nicht mehr statt. Das eine Land blutet aus, das andere saugt sich voll (und weiss nicht so recht wohin damit und bietet es dann Häuslebauern für 2,9% an, damit irgendwas damit gemacht wird).

Der gleiche Vorgang lässt sich besser erklären als die USA mit Ihren Dollars nach 1971 die BRD überflutet haben. Um den Vietnamkrieg zu finanzieren hat man die Goldbindung gelöst und einfach gedruckt, was das Zeug hielt bis die Inflationsraten zweistellig waren. Die billigen (schnell gedruckten und damit inflationierten) Dollars wurden zu einem festen Wechselkurs in DM eingetauscht und lagen somit bei der Bundesbank herum (wurden geparkt). Da der Wechselkurs fixiert war, musste die Bundesbank DM für Dollar ausreichen. Sie konnte gar nicht anders.
Die zusätzlich in den Umlauf geratenen DM-Scheine haben hier das Geldmengenvolumen aufgebläht und langfristig zu Inflation geführt. Die Bundesbank war gezwungen die Wechselkursbindung aufzulösen. Die DM hat sofort aufgewertet. Damit war das leichte Spiel für den Dollar aus. DM gab es nur noch für einen größere Menge Dollar. Die DM wurde eben somit wertvoller.

Und genau hier liegt das Problem: Es gibt keinen DEURO und auch keinen GEURO. Es gibt nur den EURO. Aber das heißt nicht, dass es keinen Wechselkurs mehr gibt. Er ist nur unsichtbar. Nominal ist der Wechselkurs zwar 1:1, aber in der Wirklichkeit fällt der Wert eines in Griechenland „produzierten“ Euros anders aus als in Deutschland. In dem Wert einer Währung zeigt sich ja, was eine Nation so alles produziert und was nicht. Die Griechen verfügen daher über eine Währung, der tragischerweise in ihrem Land nicht "sehr viel wert" ist, da Sie sich dafür nicht viel kaufen können, bzw. nicht das kaufen können, was sie sich kaufen wollen (u.a. deutsche Maschinen, VW, Mercedes, IPhones, Modeartikel, etc....). Aber der Euro, der über die griechische Notenbank emittiert wird, entfaltet in Deutschland eine weitaus größere Kaufkraft, weil hier u.a. die begehrten Produkte zu kaufen sind. Daher werden nun große Mengen EUROs u.a. nach Deutschland, Finnland, Österreich und die Niederlande geschleust, wo sie Kaufkraft entfalten. Neben den "Konsum-Euro" fließen aber auch die "Ersparnis-Euros" und „gedruckte Euros“ sowie die „Rettungsgelder-Euros“ aus diesen Ländern. Dem Hineinpumpen und Durchschleusen von Kaufkraft sind keine Grenzen gesetzt.

Die Kapitalflucht ist es ja, die die Banken, Versicherungen und Unternehmen ausbluten lässt und damit bei der normalen Bevölkerung Arbeitslosigkeit und Verzweiflung produziert. Wir schieben dann das Geld nach um die Lücken zu stopfen, damit dort das Bankensystem nicht zusammenbricht, aber das Geld rutscht immer unten durch. Der Kreislauf wird erst gestoppt, wenn das Rettungsbemühen endet und wenn die Target-Druckerei aufhört. Dann aber ist der Euro wahrscheinlich nicht mehr interessant für diese Länder. Sie würden sofort austreten, da der Nutzen einer eigenen Währung sofort größer wäre. Lesen Sie weiter... ›
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51 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Georges de Gueule TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Marktschreierische Titel wie "Rettet unser Geld! Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet" oder "Europa braucht den Euro nicht" stoßen mich ein bißchen ab. Wie harmlos mutet da Hans-Werner Sinns "Die Target Falle - Gefahren für unser Geld und unsere Kinder" an. Regelrecht langweilig und um was für ein Ziel (target) geht es da überhaupt?

Nachdem Herr Sinn diesem Thema schon seit über einem Jahr nachspürt, wollte ich es nun genauer wissen.

Viele europäische Länder beneideten Deutschland lange um seine niedrigeren Zinsen, die es seiner Industrie zur Zeit der DMark erlaubten, sich billiger zu finanzieren. Durch die Schaffung des Euro wurde für diese Länder ein Traum wahr. Und wie Ausgehungerte gaben einige Länder sich der Völlerei hin. Nahmen Kredite -die andere ihnen gerne gewährten- auf und konsumierten, bzw. investierten in Immobilien. Auch nutzten die profitierenden Länder das billige Geld um ihre Staatsdiener besser zu bezahlen und dem in Westeuropa vorherrschenden Gehaltsniveau anzunähern.

Weil in diesen Ländern aber leider die Produktivität nicht im gleichen Maße anstieg, verloren deren Wirtschaftssektoren zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit. Sinn schätzt, daß die Produktivität von Griechenland und Portugal eher der der Türkei entspricht. Um ihre Waren wieder wettbewerbsfähig anzubieten, müßten diese beiden Länder ihre Währung (sofern sie noch eine eigene hätten) um ca. 40 Prozent abwerten. Nachdem dies aber im Euro-Währungsbund nicht geht, müßten die Preise um diesen Betrag gesenkt werden. Stellen Sie sich vor, Sie müßten von heute auf morgen auf 40 Prozent Ihres letzten Einkommens verzichten!

Ab 2008 hätten die Kreditgeber der nicht mehr wettbewerbsfähigen Länder erkannt, daß es so nicht weitergehen könne und ihre Kredite aus diesen Ländern abgezogen, was sich dann zur Eurokrise auswuchs. Statt sich nun einzuschränken und nach Lösungen zu suchen, seien die reichen Euroländer dazu "überredet" worden, für die ausgefallenen Kreditgeber einzuspringen. Das Leben in Saus und Braus habe weitergehen können. So weit so verständlich für jemanden mit passablen Wirtschaftskenntnissen, der regelmäßig auch einen Blick in den Wirtschaftsteil seiner Zeitung wirft.

Hans-Werner Sinn weist in seinem Buch darauf hin, daß es aber ein noch viel größeres und bisher kaum diskutiertes -weil auch schwer zu erklärendes- Problem gebe: Die Target Falle!

Man stelle sich vor, daß ein Grieche das Fahrzeug eines deutschen Autoherstellers erwirbt. Vom Kunden wandert das Geld über den Händler an die Niederlassung dieses Autoherstellers in Griechenland. Dieser weist seine Bank an, das Geld nach Deutschland zu transferieren. Hierzu erteilt die Hausbank der griechischen Zentralbank (die für Geldtransaktionen ins Ausland zuständig ist) den Auftrag, das Geld an die Bundesbank weiterzuleiten, von der es dann an die Hausbank des Autoherstellers weitergeleitet wird.

Nicht hartes Gold sondern nur elektrische Impulse wandern von der griechischen Zentralbank an die Bundesbank. Die Geldscheine mit denen das Auto in Griechenland bezahlt wurde, verbleiben in Griechenland. Bei der Zentralbank wird eine Schuld gegenüber der Bundesbank vermerkt. Die Bundesbank verbucht eine Forderung gegenüber der griechischen Zentralbank.

Würden in ungefähr gleichem Maße Produkte aus Griechenland in Deutschland gekauft, könnten die Guthaben- und Schuldensalden bei den beiden Zentralbanken miteinander verrechnet werden. Nachdem die griechische Industrie aber nicht wettbewerbsfähig ist, kauft kaum einer Waren von dort und die Schulden gegenüber den Zentralbanken der Länder aus denen die Griechen munter Waren beziehen, steigen immer weiter an. Die Firmen einer Unternehmensgruppe sorgen zum Ende eines Geschäftsjahres dafür, daß die Konten untereinander ausgeglichen (auf Null gestellt) werden. Weil das aufgrund eines Konstruktionsfehlers bei der Schaffung des Euro für Transaktionen zwischen den Zentralbanken der Euroländer nicht vorgesehen sei, geschieht das, was für einen Konzern das Normalste der Welt ist, auf Zentralbankebene leider nicht.

Sinn argumentiert, daß die gigantischen Verbindlichkeiten, die die Krisenländer den Geberländern (und hier insbesondere Deutschland) gegenüber aufgebaut haben, dann ein immenses Problem darstellen, wenn eines der Krisenländer seine Zahlungsunfähigkeit erklärt bzw. aus dem Euro ausscheiden muß. Die Bundesbank müßte die aufgelaufenen griechischen Verbindlichkeiten aus dem Target-System abschreiben. Nachdem die Summe an allen Target-Verbindlichkeiten gegenüber der Bundesbank sich einer Billion Euro nähert, stelle dies eine riesige Gefahr für die Ersparnisse der Deutschen (bei Banken, in Lebens- und Rentenversicherungen etc.) dar. Diese würden vernichtet und bei der Vorsorge für den Lebensabend sehe es dann mau aus.

Die Darstellung von Sinn erscheint mir plausibel. Die Thematik ist sehr komplex und wohl nicht mit sehr einfachen Worten zu erklären, aber der Autor gibt sich redliche Mühe, ein breites Publikum zu erreichen. In der Einleitung weist er darauf hin, daß insbesondere die Kapitel 6,7 und 8 eine hohe Konzentration vom Leser verlangen und empfiehlt im Ernstfall diese Kapitel zu überfliegen. In der Tat ist die Schilderung der Zusammenhänge für den volkswirtschaftlichen Laien schwer zu erfassen und überschauen. Ich möchte jedem Interessierten anraten, durchzuhalten und das Buch bis zur letzten Seite zu lesen. Was Sinn schreibt ist geradezu unerhört und das Phlegma unserer Politiker am ehesten mit deren fachlich-intellektueller Überforderung zu erklären; wieviel VWL wird eigentlich im Jurastudium unterrichtet?

Was mir an Sinns Buch gefällt ist, daß er sich sehr vorsichtig ausdrückt und keineswegs die Abschaffung des Euro oder die ewige Vertreibung der Krisenländer aus dem Eurosystem fordert. Gegen Ende des Buchs empfiehlt er uns Europäern eine Orientierung am US-amerikanischen Zentralbankensystem, das sich über 150 Jahre evolutionär entwickelt habe. Ich bin bestimmt kein Fan amerikanischer Konzepte, aber was Sinn über das US-System schreibt, scheint mir vernünftig.

Natürlich ist an manchen Stellen Kritik an unseren Politikern herauszulesen (Erinnert sich noch jemand an Bundeskanzler Schröder, der einen ständigen Sitz in der UNO für Deutschland forderte?). Und Hans-Werner Sinn ist offensichtlich frustriert über die Zugeständnisse deutscher Politiker an unsere europäischen Partner. Wenn man sich die möglichen Folgen eines Zusammenbruchs des Systems für deutsche Sparer und Renter vor Augen führt, so ist das sehr gut nachzuvollziehen.

Meine Kenntnisse in VWL reichen bei weitem nicht aus, um mir ein Urteil zu erlauben, ob Herr Sinn alles richtig sieht und darstellt. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 4. März 2012fand ich folgende Aussage: "Doch ein Hans-Werner Sinn lässt sich nicht abspeisen. Im Gegenteil: Wenn er auf Widerstände stößt, nimmt seine Energie noch zu. Innerhalb seines Forschungsinstituts stellte Sinn vier Hypothesen auf, was hinter den geheimnisvollen Salden stecken könnte: Seine Kollegen bat er, alle Argumente vorzutragen, die eine dieser Hypothesen falsifizieren könnte" Dieses Zitat macht mich glauben, daß Herr Sinn recht hat. Viel zu viele versuchen ihre Hypothesen ausschließlich zu verifizieren und sehen deshalb selten alles; wenn aber eine Hypothese nicht falsifiziert werden kann, dann muß sie stimmen. Charles Darwin, der Entdecker der Evolutionstheorie (siehe meine Bemerkung zur Entwicklung der amerikanischen Zentralbanken), ist übrigens genauso vorgegangen.

Norbert Häring stellte am 11.10.2012 im Handelsblatt die Frage, ob Hans-Werner Sinn ein Stammtischökonom sei und kam zu einem eindeutigen Ja: "Ökonomen müssen ... sich zu den Themen ...zu Wort melden... mit Worten, die der normale Mensch versteht ..."

Genau das beweist Hans-Werner Sinn in der Target Falle. Ich empfehle dieses wichtige Buch uneingeschränkt, sollte Herr Sinn das Gefahrenpotential überschätzt haben, umso besser!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwarzes Loch im europäischen Finanzsystem 5. November 2012
Von FMA
Format:Gebundene Ausgabe
Sinn klingt in seinem neuen Buch alarmistisch: Unser aller Vermögen sowie das Geld unserer Kinder stehe auf dem Spiel. Ein schwarzes Loch im europäischen Finanzsystem ließe das wirtschaftlich starke Deutschland allmählich ausbluten.

Worum geht es? TARGET (Transeuropean Automated Realtime Gross Settlement Express Transfersystem) wurde als System entwickelt, dass einen Liquiditätsausgleich der Nationalbanken in der Euro-Zone ermöglicht. Seit 2007 wurde es erweitert und zu einem übernationalen Zahlungssystem, zudem alle Banken Zugang haben (TARGET2). Kredite werden dabei gewissermaßen transferiert. Kauft bspw. Firma A in Italien Zulieferungen der Firma B in Deutschland per Kredit ein, lässt die Geschäftsbank des ersten Unternehmens ihr Guthaben bei der italienischen Zentralbank um den entsprechenden Betrag reduzieren.

Der Ausgleich erfolgt dann durch die Bundesbank. Bis zum Beginn der internationalen Finanzkrise war die Bilanz des Zahlungsverkehrs auf dieser Ebene in etwa ausgeglichen. Dann erfolgte aber allmählich eine immer stärkere Belastung der Bundesbank durch Kredite der Krisenländer. Der Saldo - so Sinn - sei hier mittlerweile auf ein Volumen von ca. 700 Mrd. Euro angewachsen. Insgesamt hätten die Südländer durch das System zu Ungunsten der starken Partner sogar in einer Größenordnung von 971 Mrd. profitiert. Dies komme einem gigantischen Rettungsprogramm gleich, dass alles was die Politik bisher mit Finanzhilfen und Rettungsschirmen unternommen habe, in den Schatten stellt.

Sinn macht deutlich, dass die private Verschuldung somit eigentlich eine bisher unterbelichtete Dimension hat und im Vergleich mit den Staatsschulden das eigentlich größere Problem darstelle. In ganz besonderem Maße gelte dies im Zusammenhang mit der spanischen Immobilienblase.

Was ist von dieser Analyse zu halten? Kritiker von Sinns Theorie beruhigen: Sinn würde das System missverstehen. Es wäre keineswegs so, dass hier die Bundesbank als Kreditgeber fungiere. Auch diese selbst lässt verlautbaren, dass ein Saltenausgleich unter den Nationalbanken durch die EZB anhand festgeschriebener Paritäten erfolgt. Sinn stellt das anders dar. Für ihn sind TARGET-Verbindlichkeiten vergleichbar mit Eurobonds. Für die Rückzahlung seien letztlich die Steuerzahler der Nationen, deren Notenbanken als Gläubiger fungieren, in der Pflicht.

"Der Unterschied zu echten Eurobonds", so Sinn, "ist nur, dass die Zentralbanken der GIPS-Länder nach eigenem Gustus über diesen Kredit verfügen können, sofern sie Sicherheiten bieten, und dass die Bundesbank den Kauf der impliziten Eurobonds nicht ablehnen kann. Die Möglichkeit, TARGET-Kredite aufzunehmen, lädt zur Selbstbedienung ein."

Seitens der Fachleute gibt es insgesamt divergierende Aussagen. Wer nicht tief genug in der Materie steht, hat es schwer, sich hier ein Urteil zu bilden. Sinn hält jedenfalls ein kontinuierliches Zurückfahren der Salden für unbedingt nötig. Auch die Staaten müssten im EU-Konsens entwickelte Budget-Auflagen streng befolgen. Andernfalls müsse zumindest eine temporäre Ausgliederung aus dem Euro möglich sein.

Die TARGET-Problematik bildet "nur" das zentrale Thema des Buches. Eingebettet ist es - wie man es von Sinn gewohnt ist - in eine sehr umfassende und detaillierte Darstellung der Eurokrise, die in vielem an Thilo Sarazins Buch zum Thema erinnert. Sarazin hatte seinerseits bereits die Brisanz der TARGET-Kredite angesprochen und auf Sinns Analyse verwiesen.
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Vor 8 Tagen von Hans Roos veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Auch für Nichtvolkswirte
Besonders hervorzuheben ist die Verständlichkeit der Ausführungen. Zahlreiche Grafiken unterstützen. Lesen Sie weiter...
Vor 1 Monat von Carpe Diem veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Interessantes Buch
Ich habe mir dieses Buch zugelegt, weil ich - ergänzend der Tagespresse - ein Bild von der aktuellen Situation der Euro-Zone machen wollte. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von Fußball veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für jeden EURO-Kritiker
Das Buch erklärt auf einfache Weise das Zustandekommen des EURO und die Europaweiten Geldströme- und Geldnöte der meist südlichen Schuldenländer. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von Michael Kaiser veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Sehr kompetent
Der Inhalt des Buches is sehr kompetent, sowie alle andere Buecher vom Professor Sinn die ich besitze. Lesen Sie weiter...
Vor 3 Monaten von Hartmut Helmke veröffentlicht
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Vor 3 Monaten von Bücherwurm veröffentlicht
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Vor 4 Monaten von PST veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Spannend wie ein Krimi
Target - "Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System". Ich hätte nie gedacht, daß man über ein so langweilig klingendes Thema ein... Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Bernhard veröffentlicht
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