Es zieht sich, es zieht sich. Ich gebe es zu: ich bin erst bei der Hälfte des Buches. Aber ich weiß nicht, ob ich bis zum Ende durchbeiße.
Das Thema Kirchenverschwörung ist zwar mittlerweile abgelutscht, aber die Autoren haben wenigstens versucht, dem Ganzen neue Facetten abzugewinnen, indem sie die kirchlichen Verschwörer mit Neonazis in ein Boot setzen - was aber durch die schwache Story ziemlich in die Hose ging.
Dabei, ich glaube, es ist gar nicht so sehr die Story, die mich stört. Viel schlimmer sind die oberflächlichen Charaktere, wie zB der Held Torsten Renk, bei dem man nie genau weiß, ob er nun über den Tod seiner Freundin traurig ist oder nicht, oder auch die anderen sehr eindimensional gezeichneten Charaktere. Mit den "Guten" identifiziert man sich nicht - mir ist es in diesem Fall völlig egal, wie es mit einem gewissen Entführungsopfer weitergeht - und die "Bösen" sind nicht wirklich furchteinflößend, vielleicht auch, weil sie einfach zu bizarr sind (die Kampfmaschine, der Italiener - molto potente - im Hawaii-Hemd, der dünne, bleiche Geistliche,...). Und dass die Polizei und die Vorgesetzten des Heldes gegen ihn arbeiten bzw ihn nicht ernst nehmen, ist nun wirklich ein tausend Mal gelesenes Stilmittel (und immer wieder ärgerlich).
Außerdem ist das Buch von einem irritierenden Schreibstil geprägt. Es finden sich auf beinahe jeder Seite eigenartige Ausschmückungen der Marke "die vorbeilaufenden Jogger achteten mehr auf ihre Pulsuhren als auf ihn".
Wie gesagt, ich bin erst bei der Hälfte - aber das Buch ist nicht mehr zu retten.
EDIT: ich habe mich durch das Buch bis zum Ende durchgekämpft.
Ich hatte mit meiner Vermutung Recht: es wird nicht mehr besser. Bis zum Schluss findet man keine Identifikationsfigur, zu simpel gestrickt sind die Charaktere, die allesamt nur aus Hüllen zu bestehen scheinen. Man nehme zum Vergleich Stieg Larssons "Verblendung": die Akteure, und zwar sämtliche, haben eine Geschichte und scheinen aus Fleisch und Blut zu sein. Man kann sich identifizieren und versteht deren Handlungen. Im Gegensatz dazu bleiben in der "Tallinn-Verschwörung" die Motive der Personen oft schleierhaft und komplett irrational.
Außerdem hat man das Gefühl, dass die Autoren das Bedürfnis hatten, die Handlung zu strecken. Warum wird über mehrere Seiten geschildert, wie sich die Helden der Geschichte mit einem Paar um reservierte Sitzplätze im Zug streiten? Soll das für mehr Realismus sorgen? Ging daneben.
Oder die Art, wie sich Torsten Renk eine Genehmigung für das Mitführen einer Waffe im Flugzeug holt und dann vom Flughafenpolizisten gleich spontan als Skymarshall angeheuert wird (was aber mit der Handlung gar nichts mehr zu tun hat). Mir kann bitte keiner erzählen, dass ein Flughafenpolizist die Kompetenz hat, so eine Genehmigung spontan auszustellen und das schnell macht, weil er in Ruhe sein Pornoheft lesen will. Einfach blödsinnig und eigentlich ärgerlich.
Klar, ein Roman ist nicht unbedingt ein Tatsachenbericht, aber so offensichtlich realitätsfern, wie hier agiert wird, stößt mir das sauer auf.
Fazit: die Tallinn Verschwörung ist für mich auch als leichte Urlaubslektüre nicht lesenswert.