Der ehemalige Agentur-Journalist Ulf G. Stuberger legt seine persönliche Erinnerungen an die 'bleierne Zeit' vor, angefangen bei seiner Korrespondententätigkeit beim Prozess gegen die Baader-Meinhof-Gruppe, seine Erlebnisse während des Deutschen Herbstes, seine persönlichen Erfahrungen mit der Terrorismushysterie in den 1970ern. Am Ende teilt man ihm mit, dass er aufgrund seiner objektiven Position auf einer Liste der RAF steht. Er kommt unter Polizeischutz und entschließt sich auszuwandern.
,Die Tage von Stammheim' ist eigentlich kein schlechtes Buch. Stuberger ist ein neutraler und kühler Prozessbeobachter, sieht Fehler beim Staat ohne auf RAF-Legenden hereinzufallen oder gar Baader, Meinhof, Rapse und Ensslin zu Märtyrern zu machen. Trefflich sind seine Beschreibungen der von Hysterie getriebenen Sicherheitsvorkehrungen bei Prozessbeginn. Auch seine Ausführungen über das Rechtssystem sind für den Laien nicht uninteressant. Das im Anhang beigefügte Interview mit dem mittlerweile verschollenen ,Kronzeugen' Gerhard Müller ist lesenswert.
Was einem beim Lesen ärgert: Durchweg ziehen sich durch das eigentlich ernste Buch merkwürdige Absätze, die den Lesefluss empfindlich stören. Was er an Tag Y gekocht hat, was Kollege X für Angewohnheiten hatte...
Letzten Endes ist das Buch aber - trotz des Untertitels! - keine Abhandlung über den Stammheim-Prozess, sondern eine Sammlung an Erinnerungen des Autors. Abschnittsweise erschließen sie einem die Zeit, teils sind sie schlicht und einfach irrelevant. Wer Zeitgeistbeschreibungen sucht, könnte an dem Buch gefallen finden. Wer ein Werk über den Prozess selbst lesen will, sollte lieber anderweitig suchen.
Die eher unterdurchschnittlichen Bewertung ergibt sich aus zwei Gründen: Stubergers unpassende Detailbeigaben und die Tatsache, dass der Titel m.E. etwas verspricht, was das Buch nur teilweise hält.
P.S. Natürlich weiß ich, dass der Autor noch ein anderes, sich mehr auf den Prozess beziehendes Buch geschrieben hat. Aber hätte der Verlag da keinen treffenderen Titel wählen können?