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Die Tage des Raben. Historischer Roman
 
 
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Die Tage des Raben. Historischer Roman [Gebundene Ausgabe]

Dagmar Trodler
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (36 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Tage des Raben sind die Tage nach der Nacht des Raben. In dieser Nacht nämlich ist Eriks Frau, der Eifelgräfin Alienor von Sassenberg, der merkwürdige Vogel am Rand der Sümpfe um das Kloster Ely aufgefallen -- jenem Ort, den der letzte Überlebende eines uralten nordischen Herrschergeschlechts gerade belagert. Seit dieser Nacht heftet sich der Rabe an Eriks Fersen. Mit dem Raben scheint sich auch das Schicksal des Thronfolgers und seiner jungen Frau zu wandeln. Immerhin werden sie am Hof eines Mannes, der sie mit offenen Armen empfangen hatte, in ein Netzwerk aus Neid, Missgunst, Lügen und Machtspiele verstrickt ...

In epischer Breite sowie mit Liebe zum historischen Detail und zur atmosphärischen Dichte erzählt die 39-jährige rheinländische Autorin Dagmar Trodler von der Odyssee Eriks und Alienors, denen nach ihrer Rückkehr zu den Normannen blanker Hass entgegenschlägt und die daraufhin beschließen, nach England zu gehen, zu Guilleaume, der Erik einst zum Ritter geschlagen hat -- und der jetzt Wilhelm der Eroberer heißt. Sie schildert die Wanderung der Protagonisten über die blutigen Schlachtfelder, die die Truppen Wilhelms in Nordengland hinterlassen haben. Erik ist beteiligt, als Wilhelm den letzten Aufständischen des Landes in die Knie zwingen will: ein Moment, der sein Leben verändert.

Die Tage des Raben haben alles, was uns schon an Trodlers historischen Romanen Die Waldgräfin und Freyas Töchter gefallen hat: Eine spannende Handlung, die eine ausgeprägte Kenntnis der damaligen Verhältnisse verrät -- und eine Lust am Erzählen, die dem Leser von der Geschichte der Zeit zudem einiges Lehrreiches vermittelt. --Stefan Kellerer

Kurzbeschreibung

Endlich - die Geschichte von Alienor und Erik wird fortgeschrieben!

Die Götter gönnen der jungen Eifelgräfin Alienor, ihrem geliebten Mann Erik und ihren Töchtern keinen Frieden. Auch Eriks Vaterland im finsteren Norden Europas kann ihnen nicht zur Heimat werden, und sie müssen sich erneut auf den Weg machen. Einen Weg, der sie zurück führt in Eriks Vergangenheit, an den Hof des Guilleaume von der Normandie, von dem Erik einst den Ritterschlag erhielt.
Ihm folgen sie nach England, und das Schicksal will es, dass sie schon bald die Willkür der normannischen Eroberer am eigenen Leib erfahren müssen. Alienors einzige Stütze in diesen dunklen Tagen ist Lionel, ein Mönch, dessen Leben eine geheimnisvolle Verbindung zu ihrem eigenen zu haben scheint...
Als Erik bei einer Belagerung König Guilleaume die Gefolgschaft verweigert und fliehen muss, ist Alienor mit ihren Töchtern in einem fremden Land ganz auf sich gestellt.

Klappentext

"Nach IM NAMEN DER ROSE, der uns in die Männerwelt der mittelalterlichen Klöster entführte, zieht uns Dagmar Trodler in das Jahr 1066 und lässt das Mittelalter aus der Sicht einer Frau sehr detailgetreu und sehr kenntnisreich erstehen."
Westdeutscher Rundfunk

"Ein fesselnder Mittelalter-Roman."
Kehler Zeitung

Über den Autor

Dagmar Trodler wurde 1965 in der Eifel geboren. Seit 1987 arbeitete sie als Krankenschwester und studierte daneben Geschichte und skandinavische Philologie. Sie beherrscht mehrere nordische Sprachen, und ihre Faszination für das Eintauchen in vergangene Zeiten führte zu dem Entschluss, ihren großartigen historischen Erstlingsroman zu schreiben,

Auszug aus Die Tage des Raben von Dagmar Trodler. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Schweigsam und besonnen sei des Königs Sohn

Und kühn im Kampf.

Heiter und wohlgemut erweise sich jeder

Bis zum Todestag.

(Hávamál 15)

England."

"England", wiederholte ich und versuchte, den merkwürdigen

Laut nachzuahmen, den mein Lehrer so perfekt beherrschte. Er

schüttelte den Kopf.

"Nein, England. Ihr müsst Eure Zunge mehr einsetzen. Englllland.

Versucht ein anderes Wort. Jorvik." Das bereitete mir

keine Schwierigkeiten, wie ich überhaupt die neue Sprache auf

unserer Reise gut gelernt hatte, aber Cedric war mit meiner Aussprache

nicht zufrieden und feilte bei jeder Gelegenheit daran herum.

An den Tagen auf See hatte mir das so manche langweilige

Stunde vertrieben, aber jetzt wurde es mir doch ein bisschen

lästig. Der Spielmann spürte, wie ich bockig wurde, und setzte

eine strenge Miene auf.

"Konzentriert Euch. Wer weiß, wofür es einmal gut ist." Ich

seufzte, zu träge, um wirklich verärgert zu sein. Es war so ein

friedlicher, sonniger Tag, und selbst die Möwen, die uns begleiteten,

kreischten nicht so laut wie sonst. Cedric scharrte mahnend

mit dem Fuß.

"Also gut. Jorvik. Jorrrrr-viiik. Und die Angelsachsen sagen

York. Yorrrrk." Irgendwie klang dieser Name finster. York...

"York. Mit runder Zunge, York. Hier" - er fummelte sich so

umständlich am Mundwinkel herum, dass ich lachen musste -

"hier muss es rund sein. York. England. Ihr lernt sehr schnell,

Alienor von Uppsala." Damit setzte er sein Spielmannsgesicht

auf und begann zu dichten.

"Eine leichte Zunge ziert ihren Mund,

Worte perlen heraus, fein und rund,

tropfen in mein Ohr,

perlen in mein Herze,

machen süßen Schmerze..."

Und mein Lehrer sah mich keck lächelnd an. Seine albernen Verse

hatten mich schon öfter aufgeheitert. Die Sonne schien warm auf

sein braunes und - wie bei Spielleuten üblich - kurz gehaltenes

Haar, das der Seewind verwirbelt hatte. Entspannt lehnte er sich

gegen die Reling, rieb sich das bartlose Gesicht und löste beiläufig

den Knoten seines Hemdverschlusses, den nächsten seiner

drolligen Verse schon auf der Zunge.

"Der Schmerz streicht mir die Brust..."

"Wenn du mit meiner Frau tändelst, werf ich dich über Bord."

Die ruhige Stimme hinter uns verjagte das Lächeln aus Cedrics

Augen. Hastig sprang er auf, stolperte über die Ruderbank, auf

der wir uns niedergelassen hatten, und entfernte sich auf allen vieren

in Richtung Laderaum, wo die Kinder mit Ringaile und Hermann

ein geschütztes Plätzchen gefunden hatten.

Ich drehte mich um. Erik stieg über die Ruderbank, und mit

einem weiteren langen Schritt stand er bei mir. Der Wind spielte

mit seinem offenen Haar, und in seinen Augen blitzte es mutwillig.

Als er besitzergreifend meine Schulter umfasste, strahlte

ich ihn an.

"Ist dieser Platz noch frei, dame chière?" Erik ließ sich so dicht

neben mir nieder, dass keine Feder mehr zwischen uns passte.

"Ich erlaube keinem Lehrer, mit meiner Frau zu tändeln",

brummte er und schob seinen Arm zielstrebig durch unsere

Mäntel hindurch, bis er meine Taille fand. "Wir brauchen keinen

Lehrer, schon gar keinen zerlumpten Verseschmied, und dieser

da hat obendrein falsche Augen."

Ich küsste ihn auf den Hals. "Hat er nicht."

"Hat er doch."

"Ich kann ihm ja sagen, er soll mich nicht anschauen." Und

damit sah ich in die himmelfarbenen Augen des Mannes, dem

ich aller Angst zum Trotz wieder auf ein Schiff und aufs Meer

gefolgt war, um Heimat in einem Land zu finden, von dem ich

nur den Namen kannte. England. Englllland.

"Du nimmst mich nicht ernst", beschwerte er sich, ein Lächeln

in den Augen, und auch um seinen Mund zuckte es verräterisch.

"Nicht immer", flüsterte ich und suchte den Platz an seiner

Schulter, wo es sich so gut träumen ließ.

Welch unermessliches Glück, dort liegen zu dürfen! Ich ließ

meine Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Es hatte eine
Zeit gegeben, da war Erik mein Stallknecht gewesen und ich die

junge Gräfin von Sassenberg, und derartige Vertraulichkeiten

waren undenkbar gewesen. Damals, in dem Jahr, welches die

Klosterschreiber 1065 nannten, hatte mein Vater, der Freigraf zu

Sassenberg in der Eifel, ihn als Wilderer auf der Jagd gefangen

und in den Kerker gesperrt. Als alle peinlichen Verhöre nach

seiner Herkunft nichts ergaben, hatte er ihn mir als Knecht geschenkt

in der Hoffnung, dass ich herausfand, woher der

Fremde kam. Zärtlich strich ich über seinen Arm.

"Du willst dich also entschuldigen?", flüsterte er.

"Wofür?", fragte ich zurück.

"Naaa, für... hm, dafür, dass du anderen Männern erlaubst,

mit dir zu tändeln. Ich werf ihn über Bord." Er hatte den Arm

so selbstverständlich um meine Hüfte geschlungen, dass mein

Herz hüpfte vor Glück. Ja, ich hatte am Ende herausgefunden,

wer der schöne Fremde war - ein Prinz aus schwedischem Königsgeschlecht.

Doch da war es schon zu spät gewesen, ich hatte

ihm das Leben gerettet und mich in ihn verliebt... das eine so

unstandesgemäß wie das andere: Man verliebt sich nicht in einen

Reitknecht. Man verliebt sich auch nicht in einen Prinzen. Doch

der Prinz hatte mich mitgenommen - entführt, kurz vor meiner

vom Vater arrangierten Hochzeit mit einem seiner Vasallen. Und

so war ich ihm ins Land seiner Ahnen gefolgt, nach Schweden,

wo die Winternächte lang und dunkel sind und wo man heidnische

Götter unter Bäumen und an Hausaltären verehrt.

Schwermut durchflutete mein Herz, als ich den Kopf drehte

und sein edles Profil betrachtete. Alles hatte so vielversprechend

begonnen. Man hatte ihn begeistert willkommen geheißen, und

auch der König der Svear, Stenkil Ragnavaldsson, hatte ihn sogleich

in seine Runde aufgenommen. Einzig seine Mutter hatte

sich geweigert, mich in ihrem Haus zu begrüßen. Damit hatte das

Schicksal seinen Lauf genommen, denn der Grund dafür war eine

vor Jahren vereinbarte Verlobung, die für Erik längst ihre Gültigkeit

verloren hatte. Inzwischen teilte er ja mit mir sein Leben.

Die Intrigen, die gegen ihn gesponnen wurden, gipfelten nach

dem Tod König Stenkils in einem Kampf um Thron und Ehre, den

er verlor. Eine Orgie von Blut und Gewalt schwappte über das

Land, stolze und tapfere Männer verloren ihr Leben, Christen

wurden nach Jahren des Friedens wieder verfolgt und sogar ein

Bischof des Landes verwiesen. Mit den beiden Kindern, die ich

im Svearland geboren hatte, war ich nach Norden in eine Berghütte

der Familie geflohen, wo wir uns beinahe drei Jahre lang

versteckt hielten, während Erik in die Verbannung gegangen war

- in dem Glauben, ich hätte sie ihm eingebrockt. Das hatte ich in

gewisser Weise auch - und Schuldgefühle plagten mich ob meiner

unüberlegten Handlungen bis heute. Die Jahre seiner Verbannung

waren die schwersten meines Lebens gewesen...

Ich schlang die Hand um seinen Unterarm, wo die tätowierten

schwarzen Schlangen immer noch auf der Haut saßen und

wachten. Manchmal, wenn wir beieinander lagen, erwachten sie

zum Leben... Möwen umkreisten schreiend den hohen Mast,

und das Segel knatterte geschwätzig im Wind. Die Schwermut

wich ein wenig. Meine dritte Schiffsreise war friedlich verlaufen.

Viele sonnige Tage waren an uns vorübergezogen, auf einem

friedlichen Nordmeer, das spielerisch seine Wellen gegen den gewergten

Bug unseres Schiffes klatschen ließ und kein einziges

Mal die Finger nach einem von uns ausstreckte. Trotzdem vermied

ich es, zu oft über die Reling zu blicken. Immerhin hatte

ich das Meer auch schon anders erlebt, damals, als wir ins Land

der Svear gezogen waren.

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