"Wenn milder Regen, den April uns schenkt,
Des Märzes Dürre bis zur Wurzel tränkt,
In alle Poren süßen Saft ergießt,
Durch dessen Wunderkraft die Blume sprießt; ..."
(Geoffrey Chaucer, Prolog zu den Canterbury Tales)
Wer nun meint, es ließe sich nach diesem Buch der Garten neu bestimmen, irrt, wenn er nur an Bilder und Pflanzen denkt. Irgendwie berauscht sich ein junger Feingeist an der Natur, stellt die Dinge des Lebens in eine neue Ordnung und lässt das Paradies im großen wie im kleinen neu entstehen. Denn alles, was die Sehnsucht nach Ruhe und Natur braucht, ist eine Ordnung im Chaos. Zu wissen, dass Natur wuchert wie sie will, heißt auch zu wissen, dass derjenige, der die Schönheit in seinem Sinne sucht, ohne Arbeit nicht auskommt. Erinnern wir uns, als Candide seine Kunigunde als letzten Grund der Reise fand, war ihm auch klar, dass nichts bleibt, als die Aufgabe, den Garten zu bestellen.
So liest man diesen jungen Jakob Augstein (1963-), dem eine Leidenschaft zum Garten nicht abzusprechen ist, der aber vielmehr in den Reizen und in der Überwindung der Natur zum Schönen, man kann auch sagen zum natürlich Künstlichen, einen speziellen Blick entfaltet, der Geist, Natur und deren Gestaltung vereint. Ihn reizt, aus dem Chaos, Idylle zu machen; ihn reizt, aus dem Wilden, etwas Beherrschbares zu machen; ihn reizt, aus den wunderbaren Details, Zusammenhängendes zu zaubern. Ihm wird kein Widerstand zu groß, als dass er nicht überwunden werden könnte. Kennt er doch als die wochenendlichen Besuche in Baumärkten und Gartenmärkten, so wird er zum Mann mit Sachverstand zu den Werkzeugen, auch wenn das Knie darunter zu leiden hatte. Auch wird er zum Beobachter der Unordnung, um durch die Arbeit, eine Ordnung zu gestalten. Farbe, Licht, Wasser und Bewegung garnieren seine Ideenwelt, erhöht in der Vorstellung, realisiert im Lichte des Gartens. Und in allem versucht ein wacher Geist einen tieferen Sinn zu entdecken, zumindest zu suchen in der Verwandtschaft von Garten, Literatur und Philosophie.
Alles, was sie hier lesen, ist keinesfalls ausschließlich eine Anleitung zur Gartengestaltung. Es ist nicht die Arbeit, die hier beschrieben ist, es vielmehr eine Lust, die entsteht, wenn Blumen ihre Farbe zeigen, wenn feinster Mutterboden durch die schon schwarzen Hände rieselt und wenn im Herbst all die Setzlinge in tiefer Erde zur vorgestellten Pracht auf den Frühling warten. In allem steckt Illusion, in allem steckt Poesie, in allem steckt das Werden und Vergehen, in allem steckt der Tod als Bote des Lebens und in allem steckt der Mut, seine Gedanken auf eine Reise zu schicken, bis milder Regen des Märzes Dürre bis zur Wurzel tränkt.
Eine neue und lesenswerte Art, Natur und Garten kennenzulernen.
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