Das erste Kapitel über die Geschichte der Türkei ist sehr interessant. Ich wusste nicht, dass die Türkei schon vor 600.000 Jahren besiedelt wurde. Auf etwa 100 Seiten beschreibt der Autor die Geschichte des Landes, was sehr aufschlussreich ist. Auch das Kapitel über die Wirtschaft des Landes war sehr interessant. Darüber hätte man noch mehr schreiben können. Die Türkei ist zwar eine Demokratie, sie hat aber Demokratiedefizite. Zum Beispiel gibt es den Paragraphen über das Verbot der Beleidigung der türkischen Nation, das viele ausnutzen, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Die kurdische Sprache war lange Zeit verboten. Seit etwa 2004 kann man kurdisch wieder im Fernsehen sehen und hören. Der Krieg gegen die PKK finde ich persönlich etwas übertrieben, denn die türkischen Soldaten wissen gar nicht so richtig, wo sich die PKK befindet. Sie bombardieren kurdische Dörfer im Irak und töten dabei Unschuldige. Vor ein paar Monaten wurde einigen Männern die Kehle durchgeschnitten, weil sie es gewagt haben, Bibeln in der Türkei zu verteilen. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn christliche Missionare versuchen, in muslimischen Ländern Menschen zu ihrer Ideologie zu verführen. Allerdings, es ist auch übertrieben, Christen die Kehle durch zu schneiden, die Bibeln verteilen. Das ist finsteres Mittelalter. Ein Armenier wurde vor ein paar Jahren auf offener Straße erschossen, weil er es gewagt hat, den Völkermord an den Armeniern zum Thema zu machen. Griechisch-Orthodoxen Priestern wird verboten, Priester auszubilden. Obwohl Religionen für mich Volksverblödungen sind, glaube ich doch an den Grundsatz der Religionsfreiheit. Christliche Kirchen bekommen in der Türkei nicht die Erlaubnis, Kirchen zu bauen. Überhaupt werden Minderheiten geleugnet und unterdrückt. Lediglich die jüdische Minderheit hat erfreulicherweise keine Probleme mit der Türkei. Was die Wirtschaftspolitik angeht, so ist zu kritisieren, dass der türkische Staat die Steuererhebung bei Selbständigen zu lasch angeht. Dadurch bleibt er selber arm und kann auch kein Arbeitslosengeld zahlen. Deshalb geht es auch vielen armen Menschen in der Türkei richtig schlecht, weil es keine staatliche Unterstützung gibt. Auch die freie Meinungsäußerung ist eingeschränkt. Kritische Stimmen wie Orhan Pamuk werden verklagt. Ihnen droht Gefängnisstrafe. Wenn die Türkei in die EU will, dann muss sie noch einiges dafür tun. Die EU ist kein exklusiver Christenclub, sondern achtet auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.