Achtung, Spoilerrezi!
Mein Empfinden auf diesen -mit äußerster Spannung erwartenden- Film ist ambivalent.
Klar, muss man sich auf den Fantasieplot von vornherein einlassen, denn ein Realitätsfanatiker vergibt wohl nach den ersten fünf Minuten den Amazon-Todesstern, wenn Bondbösewicht Mikkelsen die Parallelwelt erklimmt, seinem "Double" gegenübersteht.
Ergo: Der Zuschauer sollte schon gefallen, oder zumindest faires Verständnis, an dieser Art Geschichte finden (ähnlich wie bei Bullocks "Das Haus am See" oder "Die Vorahnung"), bevor er die Playtaste drückt.
Die allesamt deutschen Darsteller sind durch die Bank gut gecastet, glänzen aber nicht wirklich. Ausnahme, und allen voran mit seiner Internationalität und geschlagen Professionalität, natürlich dieser (synchronisierte) Däne, der mit seinem Schauspielstil (spielt ähnlich bravourös den zurückhaltenden Charakter wie in "Nach der Hochzeit") die ganze Story mehr als stützt.
Das "Kammerspiel" funktionierte daher bei mir auch bestens, bis zum zweiten "Mord", an meinem Liebling Tim Seyfi (Kadir in "Zeit der Wünsche"). Ab da herrschte der ein oder andere Logikbruch, was dem erzähltem Drama -bei mir- Abbruch tat. Z.B. der Nachbar: lebt er in der Paralellwelt von Sportwetten, ist aber auch in der "realen" Welt, als meckernder Nachbar, zu sehen. Pendelt er in den Welten? Wenn ja, warum? Auch verrät David Max, dass er -in der Parallelwelt- erfolgreich und Vater wird, doch würde dann die Zukunft durch den Eingriff nicht anders laufen? Leben allesamt die "doppelten Personen" ja in zwei nebenherlaufenden Welten und nicht in einer Zeitreise, wie beispielsweise in "Zurück in die Zukunft". Also, würden in diesen Parallelwelten zwar die Doppelgänger existieren, aber doch vollkommen andere Karrieren/Paarbildungen usw. mit sich bringen.
Das dies so ist, zeigt der Film ja am Mord des eigenen Doubles. In einer Zeitreise könnte man den "halbes Jahr vorherlebenden" Zwilling nicht töten, man würde sich ja selbst töten (ähnlich wie in "Zurück in die Zukunft", wenn die abgebildeten Personen auf den Bildern verschwinden).
Ergo: zeigt der Film eine Parallelwelt mit Doppelgänger, die aber mit Bestimmtheit andere Lebensläufe hätten.
Würde die Story einem also nicht diese gezeigte Welt real verkaufen wollen, wäre es z.B. schlussendlich nur ein Traum von Hauptprotagonisten gewesen, wäre die ernst gemeinte (Film)Geschichte -für mich jedenfalls- logisch erklärbar und täte so der eigentliche Aussage des Films, die über Schuld und Sühne handelt, keinen Abbruch; würde mich dramaturgisch mehr fesseln. Das hätte mir weitaus besser gefallen! Aber ..., hätte, wäre, wenn, .... die Geschichte ist nun mal so verfilmt worden und den Roman kenne ich nicht.
Wie gesagt, der ganze Film zeigt Unlogisches, was ich aber wiederum bei der Art Unterhaltung nicht abwegig finde. Sollte aber wenigsten in diesem "abwegigen Filmuniversum" immer eine gewisse Logik, oder wie es George Lucas bezeichnet: eine "physikalische Gesetzmäßigkeit" herrschen, die die Menschen auch in der erzählten Geschichte nicht umgehen können und so, bei aller Abwegigkeit einen realen Bezugspunkt bieten.
Die zuspitzende, konfuse Story verhedderte sich daher zum Ende hin zusehends in ihrer eigenen Dramaturgie, die sie auf unsere reale Welt als Gleichnis werfen will. Dieser Abgleich, zum realen Leben, konnte die Regie -oder der Schreiber- eben nicht perfekt umsetzen und "Die Tür" glitt daher zusehends aus den Angeln.
Alles in allem aber trotzdem ein sehenswertes Stück Kino aus der deutschen Filmküche, mit einem glänzendem -aber diesmal nicht einäugigspielenden- Mads Mikkelsen, der sich durch sein internationales (Bond)Image bisher nicht festnageln lässt und so immer wieder in künstlerisch lohnenswerten Rollen, und "Kleinproduktionen" wie "Adams Äpfel", sein Bestes gibt. Bravo!, denn dies sind die eigentlichen Superstars der Kunstform Kino!
3,5 Sterne