Als Petronius 15 Jahre alt ist, herrschen im Staat Egalia die Frauen, die entrechteten Männer können nur durch die Überlassung eines Vaterschaftspatronat (Ehe) zu einigermaßen Sicherheit kommen. Petronius fühlt sich in seiner Rolle sehr unwohl: warum kann er nicht Seefrau werden? Dann der PH, in dem jeder Mann ab einem bestimmten Altern seinen Penis ausserhalb des Hemdes zu tragen hat, und -als beste Chance auf ein Vaterschaftspatronat- der Einführungsball, auf dem jeder junge Mann erste sexuelle Erfahrungen machen soll. Seine Bekanntschaft mit Herrlein Uglemose (ein verspotter "Übriggebliebener", den keine heiraten wollte) ermöglicht es ihm und einigen Schulkameraden, sich zu treffen und zu diskutieren: z.B. über vergangene Gesellschaften, in denen nicht das Matriarchat herrschte, oder über die Willkür, mit der der Staat für die bestehende Ordnung argumentiert. Dies wächst sich langsam zu einer Männerbewegung aus, die sich für gleiche Rechte für Männer einsetzt.
Die beschriebene Gesellschaft ist in verschiedener Hinsicht keine einfache Umkehrung der bestehenden Gesellschaft. Die Machtverhältnisse sind sehr stark polarisiert, ungefähr wie vor Einführung des Wahlrechts für Frauen. Einiges ist übertrieben und kam wohl in der Geschichte so nicht vor z.B. Menstruationsfestspiele. Trotzdem bietet der Roman viele Denkanstöße zur heutigen Gesellschaft: muß alles so sein, wie es ist? Wäre es richtiger, einiges anders zu machen? Nicht nur in Bezug auf des Verhältnis der Geschlechter, sondern auf diskriminierende Merkmale allgemein. Daher eignet sich der Roman gut als Schullektüre oder für Referate.
Die Handlung bietet Abwechslung: die politischen Aktivitäten von Petronius und seiner Freunden sind nur die Früchte verschiedener Ereignisse z.B. der Lebensgeschichten seiner Eltern, seines Lehrers, seiner Geliebten. Außerdem werden wichtige Stationen und die damit verbundenen, teils abstrus anmutenden Zeremonien im Leben einer Tochter Egalias an Familienereignissen beschrieben.
Die Figuren fand ich nicht so stark herausgearbeitet. Allerdings halte ich dies legitim, um Parteilichkeit des Lesers mit der sympathischen Seite zu vermeiden.
Etwas schwierig ist die Sprache: konsequent werden eigentlich männliche Wörter, die nun eine anscheinend geschlechtsneutrale Bedeutung haben z.B. man, Mensch, herrschen, gegen ein weibliches Synonym ausgetauscht: dam, Wibsche, frauschen. Das ist manchmal etwas anstrengend, aber das soll es wohl auch sein, um zu zeigen, wie verfestigt die Vorherrschaft des Männlichen in unserer Sprache ist.
Das Buch hat neugierig gemacht auf andere Werke von Gerd Brantenberg - 5 Sterne!