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5.0 von 5 Sternen
Beharrlichkeit gegen das Vergessen, 9. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Täter sind unter uns: Über das Schönreden der SED-Diktatur (Gebundene Ausgabe)
Das Thema ist ein finsteres. Es gilt leider allgemein eher als "political correct", der populistischen Phrase "Wir waren doch alle Täter" oder der perfiden Täter-Opfer-Umkehr zu folgen, also das Thema ruhen zu lassen, bis Gras darüber gewachsen ist. Immerhin hat uns das die Nachwende-Politik mit einer Sturheit vorgelebt, mit einer zuweilen schockierenden demonstrativen Sympathie mit z.B. medienwirksamen, "begabten, eloquenten und humorvollen" Talkshow-Dauergästen oder pragmatischen SPD-Ministerpräsidenten, IHK-Präsidenten, Sportredakteuren usw. - Genau diese Stimmungslage, das Vergessen und Verdrängen, das unglaublich großzügige Vergeben von lange zurückliegenden Verfehlungen und Stasimverwicklungen bis hin zu unstreitigen Straftaten im Interesse des totalitären SED-Staates scheinen für Knabe der Antrieb seines immensen Fleißes zu sein. Es gelingt ihm wieder, durch seine Beharrlichkeit Licht ins Dunkel des Vergessens zu bringen. Und was besonders erfreulich und absolut selten ist: Die Texte kommen in einer herrlich klaren Sprache, sind durch Aufteilung in kleine Unterkapitel angenehm zu lesen und bleiben dabei stets wissenschaftlich und in den Schlussfolgerungen streng quellenorientiert und vorsichtig, aber nicht ängstlich! Knapp 30 Seiten Anmerkungen und Quellenhinweise sowie ein Personenregister ergänzen den Text. "Die Täter sind unter uns" stellt derzeit eine konkurrenzlose Publikation zu diesem Thema dar, die das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Recherchen gut lesbar, spannend und dadurch auch unterhaltsam darbietet. - Wer Bücher liebt, die Sätze liefern, die man mit Freude anstreichen und behalten möchte, wird hier garantiert fündig. Abschließend ein Beispiel, wie Knabe komplizierte Sachverhalte ohne Vereinfachungen elegant auf den Punkt bringen kann: Unterkapitel "Das wundersame Überleben der SED", S. 31: "Clevere Funktionäre nutzten damals die Toleranz der Bürgerrechtler, die Gleichgültigkeit der westlichen Eliten und die Naivität vieler Demokraten, um ungeniert das Überleben der SED zu sichern." Leseempfehlung!
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43 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schokierend aber leider wahr, 3. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Täter sind unter uns: Über das Schönreden der SED-Diktatur (Gebundene Ausgabe)
Dem Autor danke ich für den von ihm aufgebrachten Mut, dieses Buch zu scheiben und zu veröffentlichen. Leider versuchen viele dieses Thema zu verdrängen oder nach dem Motto: "So schlimm war es doch gar nicht", alles unter dem Gras der Geschichte verschwinden zu lassen. Es war der größte Fehler der Wiedervereinigung, nicht konsequent mit der menschenverachteten Diktatur und ihren Helfershelfern abzurechnen, wie man es nach dem 2. Weltkrieg mit den Kriesverbrechern getan hat. Umsomehr gilt meine Bewunderung Herrn Knabe und seinem Engagement für die Gedenkstätte Hohenschönhausen. Dieses Buch sollte allen deutschen Staatsbürgern eine Pflichtlektüre sein. Gerade in der heutigen Zeit wo viele der Verantwortlichen wieder gut untergekommen sind und versuchen die Freiheit und Demokratie Deutschlands zu unterwandern. Wer dieses Buch gelesen hat, erfährt, dass die Partei Der Spitzel nicht tot ist, und Leute wie Gysi und Bisky Wölfe im Schafspelz sind deren Machenschaften aufzdecken und zu verhindern es gilt. Leider sind unsere Gerichte nicht nur auf dem rechten Auge blind. Durch ihre Urteile geht es den Opfern heute schlechter als den Tätern.
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71 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein notwendiges Buch, 23. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Täter sind unter uns: Über das Schönreden der SED-Diktatur (Gebundene Ausgabe)
Viele scheinen es bereits vergessen zu haben: Die DDR war ein Unterdrückungsstaat, die SED-Herrschaft ein Unrechtsregime. Dies wieder in Erinnerung zu rufen inmitten von Ostalgie und Stolz auf "DDR-Identität" und den Opfern der SED-Willkür die verdiente Beachtung zu schenken, ist das Verdienst dieses wichtigen Werkes von Hubertus Knabe, dem Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen.
Die Darstellung ist in sich schlüssig, inhaltlich überzeugend und durch vielerlei Beispiele und Quellen solide belegt. Natürlich hat sie auch etwas von einer Anklageschrift und ist entsprechend einseitig geraten. Selbst wenn man also aus gutem Grund den Standpunkt des Autors teilt, so wendet sich doch der Instinkt des Wissenschaftlers gegen die Höchstwertung, sprich volle 5 Sterne für dieses Buch.
Die Gliederung in vier große Kapitel reflektiert auch schon die Hauptanliegen des Autors:
1) Die schöne Welt der Diktatur: Verharmlosung und Verklärung des DDR-Regimes aus ideologischen Interessen oder Unwissenheit bzw. schlechtem Gedächtnis.
2) Täter ohne Strafe: Milde Strafen bzw. weitgehende Straffreiheit für SED-Funktionäre, Richter, Gefängniswärter, West-Spione, Mauerschützen und Stasi-Mitarbeiter.
3) Opfer ohne Lobby: Die Verfolgten des DDR-Regimes als vergessene Helden, die um Haftentschädigung und Rehabilitierung in beschämender Weise kämpfen müssen.
4) Die Stasi lebt: Alte Kader und Stasi-Obristen verbringen ihren Lebensabend nicht etwa zurückgezogen in Reue und Beschämung, sondern werden immer selbstbewusster, suchen sogar die Öffentlichkeit und verhöhnen heute noch ihre Opfer wie auch die Gedenkstätten und propagieren ihr Geschichtsbild durch ständige Wiederholung der Unwahrheit.
Am Ende steht immer wieder die alte Streitfrage: Warum werden, so fragt auch Knabe, "die beiden Spielarten totalitärer Herrschaft in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen"? Nun, einen gewichtigen Grund dafür sollte der Autor verstehen können: Im Gegensatz zum Nationalsozialismus gehörten bei den DDR-Kommunisten Massenmord und verbrecherischer Rassismus nicht zum Instrumentarium der Regierungspolitik. Den zweite immer noch populäre Erklärung sollte man zusammen mit Knabe allerdings nicht hinnehmen: Die Idee des Marxismus-Leninismus sei doch eigentlich gut und unschuldig und nur die Ausführung schlecht gewesen. Der Sozialismus also immer noch als verheißungsvolle Utopie, so wie es sich ja auch die PDS bis heute vorstellt. Jedoch: Man erkennt die Bäume an ihren Früchten, und ein gesunder Baum bringt keine kranken Früchte hervor! Die Welt des real existierenden Sozialismus ist politisch, wirtschaftlich und moralisch bankrott gegangen. Bereits die Idee des Sozialismus basiert auf Unfreiheit und Gleichmacherei; wie kann da ihre Umsetzung mit Freiheit und Gerechtigkeit vereinbar sein?
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