Es geht weiter bergab. Thomas Gottschalk stimmt den Abgesang auf die klassische Musik an und jetzt nimmt sich das Zentralorgan journalistischer Proletenbeglückung der drei aktuellen Klassik-"Superstars" an. Demnächst also die "Volksoper"-Edition auf zehn DVDs. Und abgelegte Sopranistinnen im Dschungel Camp. Manchmal ist Cross Over keine gute Idee ...
Nun, tun wir einmal so, als seien all das nur Äußerlichkeiten. Was gibt es zu hören?
Vom Repertoire einen hübschen Reigen an bekannten Opern-Preziosen. Von lyrisch bis tragisch ist alles dabei. Keine Sammlung von hohem Repertoirewert also. Aber das war sicher nicht beabsichtigt und ist völlig legitim. Insgesamt eine schöne Auswahl, geeignet auch für den einen oder anderen Einsteiger.
Stimmlich sind die "Superstars der Klassik" ganz unterschiedlich in Form: Der Sopran von Netrebko ist noch etwas tiefer und dunkler geworden und gerät zusehends zum Mezzosopran. Nicht ganz dazu passt, dass Netrebko in den Höhen jetzt etwas besser zurechtkommt (entspannter und unangestrengter), in den Mittellagen aber mehr und mehr etwas beengt, verspannt und verhangen wirkt. Der Schindluder an ihrer körperlichen Konstitution scheint da erste negative Wirkungen zu zeitigen. Schade, denn zwischenzeitlich hatte sich eine recht vielversprechende Reifung ihrer Stimme angekündigt.
Jonas Kaufmann, vielbeschäftigter Star-Tenor, weiß ebenfalls nicht recht zu überzeugen. Stimmlich zwischen Domingo und Pavarotti angesiedelt, neigt Kaufmann zum Übersteuern, zum Überdramatisieren - live übrigens noch mehr als auf CD. Die saubere (und vielleicht auch einmal zurückgenommene) Höhenartikulation geht oft zugunsten reiner Lautstärke verloren. Und, als hätten sie sich verschworen, klingt auch Kaufmann in den Mittellagen nicht ganz offen und frei. Auch hier vermisst man ein wenig die Luftigkeit und Klarheit.
Der eigentliche "Gewinner" in diesem "Dreikampf" der populären Oper ist Erwin Schrott, der Lebensgefährte von Anna Netrebko. Auch wenn er gelegentlich etwas maniriert wirkt - offensichtlich hängt er historischen Assoziationen an den baritonalen Gesang nach -; ist Schrott insgesamt richtig gut bei Stimme: Kraftvoll, prägnant und ausdrucksstark interpretiert er die ihm übertragenen Beiträge. Schrott ist mit Spaß bei der Sache. Und das hört man.
In Summe also ein etwas durchwachsenes Stimmbild, eine ordentliche Aufnahmequalität und eine recht hübsche Kompilation an Opern-"Hits". Trotzdem weiß man nicht so recht, ob man dieser Produktion aus dem Hause BILD Erfolg wünschen soll. Proletenfreie Zonen nehmen immer mehr ab - da braucht es einen solchen kommerziellen Erfolg wahrlich nicht; und an den Gedanken einer Operninszenierung im Big-Brother-Container mag man sich dann doch noch nicht allzu rasch gewöhnen.