Der Autor, David Rothkopf, war als Mitglied der Clinton-Administration selbst einmal ein Vertreter der "Super-Klasse", deren Beschreibung er mit dem vorliegenden Buch abgeben möchte. Dabei muss er sich ständig zu einem sehr merkwürdigen Spagat zwingen: einerseits muss er, um das Interesse seiner Leser aufrechtzuerhalten, schildern, wie eine Schicht von vielleicht 6.000 Menschen mehr Macht ausübt, als es viele milliarden Menschen zusammengenommen könnten. Andererseits muss er, seinen Informanten verpflichtet, jeden Eindruck einer Verschwörung der Mächtigen gegen das Gemeinwohl sofort fortwischen und einschlägige Fakten herunterspielen. Und hier verschwimmen ihm tatsächlich die Maßstäbe: Denn einerseits mag er recht haben, dass es keine "geheime Weltregierung" gibt, einen Club der Super-(Einfluss)reichen, die eine gemeinsames Programm besäßen oder sich für alle Mitglieder verbindlich organisierten. Anderseits gibt der Autor aber zu, dass es eben diese Elite, die er auf kaum mehr als 6000 beziffert, ist, welche in den meisten Fällen die Macht hat, zu bestimmen, welche Nachrichten, welche Themen, den Diskurs der weltweiten Öffentlichkeit bestimmen. Ob es Aids ist, der Klimawandel, der "Kampf gegen den Terrorismus" - eine ganz kleine Clique von Leuten, dummerweise zusammengesetzt aus Vertretern der internationalen Finanzwelt, der Regierungen und der Medien (welche die Regierungen kontrollieren sollte), hat die Macht, festzulegen, mit wem sich der vor "Tagesschau" und "Bild" sitzende Bürger eigentlich beschäftigen soll. Dabei entgeht Rothkopf, dass es nur eine einzige Macht gibt, die größer ist, als zwischen gegebenen Alternativen entscheiden zu können - nämlich die Macht, vorab schon die Themen, und damit die zu "wählenden" "Alternativen", bestimmen zu können, zu definieren, was öffentlicher Diskurs ist, welche Themen gesellschaftsfähig sind und welche nicht, welche Themen von allen zu beachten sind und welche brennenden Zeitfragen durch Nichtbeachtung zu verkümmern haben. Dass solche Dinge angesichts einer Weltbevölkerung, die in die Milliarden geht, von einer "handvoll" Menschen in Davos und anderswo festgelegt werden können und dammit für hunderte Millionen bestimmen, was in deren Köpfen herumgeistert, *ist* für mich eine Verschwörung gegen das Gemeinwohl, auch wenn keiner der Akteure dies jemals intendiert haben sollte.