Dieses Buch handelt von der Co-Abhängigkeit. Hierbei geht es um Menschen, die von Alkohlikern und anderen Suchtkranken abgängig sind. Menschen, die ohne das Leid des Anderen nicht leben können. Menschen, die sich erst wohlfühlen, wenn sie helfen können, wenn sie retten können. Bis vor kurzem wusste ich selbst noch nicht, dass es sich hierbei um ein gewisses Schema handelt.
Den Einstieg in das Buch gestaltet die Autorin, selbst trockene Alkohlikerin, sehr packend. Sie beschreibt Co-Abhängige als Personen, die Süchtige kontrollieren wollen, beeinflussen wollen und sich für die ganze Welt verantwortlich fühlen. Sie geht gedanklich in die Zeit Ihrer Alkohol-Sucht zurück, in der sie Co-Abhängige als Menschen sah, die manipulieren, statt sich um sich selbst zu kümmern, als lästige Anhängsel. Nach den ersten Seiten war ich erschüttert, aus dieser Sicht hatte ich den Sachverhalt noch gar nicht betrachtet.
Die erste Hälfte des Buches ist sehr interessant, es gibt sehr viele Denkanstöße. Vermutungen und Erklärungen, warum sich die Freunde und Partner der Alkohliker so verhalten. Durch die vielen Fallbeispiele fällt es sehr leicht, sich dem Thema zu nähern. Aufschlussreich waren hier auch die Ausführungen zum Drama-Dreieck, in das sich Co-Abhängige häufig begeben.
Den zweiten Teil des Buches fand ich ziemlich langatmig und eintönig. Seitenweise gibt die Autorin messias-ähnliche Anweisungen: "Lassen Sie los!", "Sie können selbst denken!", "Setzen Sie sich Ziele!" Vielleicht muss man so reden, um Co-Abhängigen zu helfen, aus ihrer verstrickten Situation auszubrechen.
Ich gebe dennoch 4 Sterne, da ich einige Kapitel sehr erleuchtend fand. Und womöglich hilft dieses Buch Menschen, die unglücklich mit einem Alkohliker zusammenleben, weiter. Ich wünsche es ihnen!