Die Zutaten klingen vertraut. Junge, liebenswürdige Frau wird durch Schicksalschlag (Ermordung des Ehemanns) aus geordneten (gut bürgerlichen bzw. patriarchalischen) Verhältnissen geworfen. Nach schweren Prüfungen findet sie zuletzt ihr Happyend mit Mr. Right. Aber wie bereits in früheren Büchern, hat Merkle-Riley diese Schablone gegen den Strich gebürstet und belebt. Ihre Heldin ist Malerin, ihre Berufsausübung ist Thema des Romans und wird ausführlich beschrieben, ohne daß deshalb die Handlung aufgehalten wird. Sie ist aktiv, selbstbewußt und einfallsreich und behauptet sich im 16. Jahrhundert trotz männlicher Einflußnahme. Man gönnt ihr aber, daß sie zuletzt Mr. Right findet, zum Glück kein strahlender Held aus dem Bilderbuch, sondern ein liebenswürdiger und lernfähiger Schwerenöter. Besonders gut hat mir gefallen, daß Susanna nicht etwa als Ausnahmefrau dargestellt wird. Ganz im Gegenteil, es gibt noch eine Reihe weiterer weiblicher Figuren, die ob historisch oder fiktiv innerhalb ihres Umfelds ebenfalls agierten: von der Nachbarin bis zur künftigen Königinmutter. Zwar wird das 16. Jahrhundert keineswegs als Zeit dargestellt, die für Frauen günstig war, aber es entsteht doch der Eindruck, daß Frauen ihre subjektiven Chancen hatten. Der historische Hintergrund wirkt weiters plausibel und in sich schlüssig, somit auch glaubwürdig. Die historischen Personen entsprechen der Vorstellung des/der Durchschnittslesers/in, wirken aber nicht monumental. Die Darstellung der übernatürlichen Wesen (Engel, Teufel etc.) ist erfrischend respektlos und humorvoll, wenn auch an einigen (wenigen) Stellen (z.B. Hadriels Besuch bei der Krämerswitwe) die Grenze des Peinlichen gestreift wird. Da die abenteuerliche Geschichte lebhaft und mit Humor erzählt wird, und das Schicksal der Heldin sowie sie als Charakter interessant sind, kann ich das Buch ohne Einschränkung empfehlen.