Zunächst einmal: Ich habe den Vorgänger dieses Romans nicht gelesen - einfach, weil ich nicht wusste, dass einer existiert. Dennopch war es mir möglich in die Geschichte einzusteigen, ohne verwirrt Vermutungen anstellen zu müssen.
Normalerweise lese ich ja lieber Romane zur englischen Geschichte, aber es war sicherlich kein Fehler dieses Buch zu lesen, selbst wenn es in Brügge und nicht in London spielt. Man möchte meinen, das Thema Handel gibt vielleicht nicht so viel her, was Spannung und Romantik betrifft, aber das traf dann doch nicht zu. Die Autorin schafft es, der Stadt Brügge des 14. Jahrhunderts Leben einzuhauchen und die Figuren in einem realistischen Licht darzustellen.
Aimée war mir zunächst etwas zu "gefühlslos", aber wie das so oft ist, erkennt man den Charme eines Charakters erst, wenn man etwas mehr über sein Leben und seine Gedankengänge gelesen hat. Sowohl Aimée als auch Domenico Contarini sind sympathisch und man fiebert richtig mit, wie sich ihre Beziehung weiterentwickelt. Es ist keine Liebesgeschichte, die durch kitschige Klischees zum Ausdruck kommt. Eher in sanften Tönen gehalten, lässt sich die Entwicklung der Beziehung der beiden Protagonisten gut mitverfolgen. Auch die anderen Charaktere werden authentisch dargestellt und selbst wenn manchen nicht so viel Aufmerksamkeit zuteil wird, wirken sie nicht so flach und einfallslos, wie es in manch anderen Büchern der Fall ist.
Um das Ganze herum gibt es dann natürlich noch ein paar Intrigen, die für Spannung sorgen, und wie ich finde nicht übertrieben aufgeschaukelt werden. Das soll nicht heißen, dass manche Maßnahmen nicht extrem sind, aber die Autorin schafft es, sie mit einfachen Worten zu schildern, ohne dabei übertrieben dick aufzutragen.
Insgesamt kann ich dieses Buch eigentlich nur loben, denn es gehört definitiv zu der Art von Büchern, an die man sich gerne zurückerinnert, beziehungsweise die man auch nochmal lesen kann/mächte. Ein wirklich lesenswertes Buch, das ich gerne weiterempfehle.