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Die Stunde des Mörders: Roman
 
 
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Die Stunde des Mörders: Roman [Taschenbuch]

Stuart MacBride , Andreas Jäger
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Die Figur des Logan McRae kann es jederzeit mit Ian Rankins Inspector Rebus aufnehmen." (The Sunday Times )

"Stuart MacBride ist einer der besten Autoren, die England in den letzten Jahren hervorgebracht hat." (Deborah Crombie )

"Die schrägen schottischen Gestalten in „Die Stunde des Mörders“ von Stuart Mac Bride sind uns in ihrer individuellen Verrücktheit ans Herz gewachsen, was uns – wie vom Verfasser geplant – gespannt auf den dritten Band der McRae-Serie warten lässt." (Krimi-Couch )

Kurzbeschreibung

Der zweite Fall für den schottischen Detective Logan McRae.

Es ist Sommer im schottischen Aberdeen, aber selbst die Sonne kann die dunklen Schatten, die sich über die Stadt legen, nicht vertreiben: Sechs Menschen sind bei einem Brand umgekommen, eingeschlossen von einem Killer, der seinen Opfern jede Überlebenschance nehmen wollte. Und das ist nicht der einzige Fall für Detective Logan McRae: Ein brutaler Mörder scheint es auf Prostituierte im Hafenviertel abgesehen zu haben, und McRae setzt alles daran, den Täter zu finden, bevor er sich das nächste Opfer sucht …



Klappentext

[Roman erschien in England erst im Mai 2006]

"Die Leser werden sofort nach weiteren Romanen mit Logan McRae und seinem Team rufen!"
Harriet Klausner

"Die Figur des Logan McRae kann es jederzeit mit Ian Rankins Inspector Rebus aufnehmen."
The Sunday Times

Über den Autor

Stuart MacBride hat bereits in einigen Berufen gearbeitet, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. „Die dunklen Wasser von Aberdeen“ war sein erster Roman mit dem Ermittler Logan McRae und sorgte in Großbritannien sofort für Furore. Der Roman wurde als bestes Krimidebüt des Jahres mit dem Barry Award ausgezeichnet. Mittlerweile liegen bereits mehrere Logan-McRae-Romane vor, die allesamt die Bestsellerlisten stürmten. Außerdem wurde die Serie als Favorit der Leser mit dem 'Dagger in the Library' ausgezeichnet. Stuart MacBride lebt mit seiner Frau im Nordosten Schottlands.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Straße war dunkel, als sie das Haus mit den vernagelten Fenstern betraten – verlotterte Gestalten in zerrissenen Jeans und Kapuzenshirts. Drei Männer und zwei Frauen, kaum zu unterscheiden mit ihren langen Haaren, ihren gepiercten Ohren, Nasen und wer weiß was noch. Alles an ihnen schrie: »Töte mich!«
Er lächelte. Sie würden noch früh genug schreien.
Das Haus lag in der Mitte einer ganzen Reihe leerstehender, zweigeschossiger Reihenhäuser – schmutzige Granitfassaden im schwachen Schein der Straßenbeleuchtung, die Fenster mit dicken Sperrholzplatten vernagelt. Bis auf das eine im Obergeschoss, wo fahles Licht durch die schmierige Scheibe sickerte, begleitet von stampfender Techno-Musik. Ansonsten war die Straße menschenleer, verlassen, verdammt wie ihre Bewohner. Keine Menschenseele weit und breit. Keine Gefahr, dass jemand ihm bei der Arbeit zusah.
Halb zwölf, und die Musik wurde noch lauter; ein hämmernder Rhythmus, der jedes Geräusch, das er machte, mit Leichtigkeit übertönen würde. Stück für Stück arbeitete er sich am Türrahmen entlang und drehte den Schraubenzieher im Takt der Musik. Dann trat er zurück, um sein Werk zu bewundern: verzinkte Drei-Zoll-Holzschrauben um die ganze Tür herum, die sie fest mit dem Rahmen verbanden und dafür sorgten, dass sie unwiderruflich geschlossen blieb. Er grinste bis über beide Ohren. Das wird gut, dachte er. Das wird besser als alles bisher.
Er steckte den Schraubenzieher wieder in die Tasche und hielt einen Moment inne, um den kalten, harten Griff zu streicheln. Auch er selbst war hart; die kaum verhohlene Vorfreude beulte seine Hose aus. Diesen Moment liebte er ganz besonders – kurz bevor das Feuer ausbrach; wenn alles an Ort und Stelle war, wenn sie nicht mehr entkommen konnten. Wenn der Tod schon unterwegs war, um sie zu holen.
Lautlos entnahm er der Sporttasche, die er neben sich abgestellt hatte, drei Glasflaschen und einen Benzinkanister aus grünem Plastik. Gemächlich schraubte er die Flaschen auf, füllte sie mit Benzin und steckte zerrissene Lumpen als Zündschnüre hinein. Dann wandte er sich wieder der zugeschraubten Haustür zu. Den Deckel des Briefschlitzes anheben. Das restliche Benzin aus dem Kanister durch die Öffnung kippen und hören, wie es auf die kahlen Holzdielen plätschert, fast übertönt von der dröhnenden Musik. Kleine Rinnsale sickerten unter der Tür hervor, flossen über die Schwelle und sammelten sich in einer Pfütze aus Kohlenwasserstoffen. Perfekt.
Er schloss die Augen, sprach ein kurzes Gebet und ließ ein brennendes Streichholz in die Lache zu seinen Füßen fallen. Fffffuump. Eine blaue Flamme mit gelbem Rand schoss unter der Tür hindurch ins Haus. Pause – zwei, drei, vier. Gerade lange genug, um dem Feuer Gelegenheit zu geben, sich auszubreiten. Dann einen halben Backstein durch das Fenster im ersten Stock geworfen. Das Glas bricht, die pulsierende Musik quillt hervor, begleitet von Schreckensrufen und Flüchen. Und dann fliegt der erste Brandsatz. Die Flasche landet auf dem Boden und explodiert, verspritzt brennendes Benzin im Zimmer. Die Flüche gehen in Schreie über. Er grinst und schleudert die restlichen Flaschen in das Flammenmeer.
Dann rasch auf die andere Straßenseite gewechselt, wo er sich im Schatten verbarg und zusah, wie sie brannten. Er biss sich auf die Unterlippe, während er seine Erektion befreite. Wenn er schnell machte, könnte er gekommen sein und wieder verschwinden, bevor jemand auftauchte.
Er hätte sich gar nicht so beeilen müssen. Es dauerte fünfzehn Minuten, bis jemand die Feuerwehr alarmierte, und weitere zwölf, bis sie endlich eintraf.
Da waren sie schon alle tot.

Rosie Williams starb, wie sie gelebt hatte: hässlich. Sie lag auf dem Rücken auf dem Kopfsteinpflaster der Gasse und starrte in den orangegrauen Nachthimmel hinauf. Der Nieselregen glitzerte auf ihrer Haut und wusch ihr sanft das dunkelrote Blut vom Gesicht. Sie war nackt wie am Tag ihrer Geburt.
PC Jacobs und seine Kollegin WPC Buchan waren als Erste am Tatort. Auf dem glitschigen Pflaster trat Jacobs nervös von einem Fuß auf den anderen, während Buchan einfach nur fluchte. »Scheiße.« Sie blickte auf den bleichen, kaputten Körper hinab. »Das war’s dann wohl mit der ruhigen Schicht.« Leichen bedeuteten immer Papierkram. Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Leichen bedeuteten auch Überstunden, und die konnte sie weiß Gott gebrauchen.
»Ich hole Verstärkung, ja?« PC Jacobs griff mit klammen Fingern nach seinem Funkgerät und rief die Leitstelle an, um Bescheid zu sagen, dass der anonyme Hinweis kein Scherz gewesen war.
»Augenblick mal«, antwortete der diensthabende Sergeant mit breitem Aberdeener Akzent. Eine Pause, angefüllt mit statischem Rauschen, und dann: »Ihr werdet die Stellung noch ’n Weilchen halten müssen. Die sind alle bei diesem verdammten Feuer. Ich besorg euch ’nen DI, sobald einer abkömmlich ist.«
»Was?« Buchan riss Jacobs das Funkgerät aus der Hand. Da es noch an seinem Schultergurt hing, verlor er fast das Gleichgewicht. »Was soll das heißen – ›sobald einer abkömmlich ist‹? Wir haben hier einen Mord! Nicht bloß so ein popeliges Feuer! Seit wann ist ein Feuer wichtiger als –«
Die Stimme des Diensthabenden unterbrach sie. »Nu hören Sie man zu«, sagte er. »Ich weiß ja nich’, was für Probleme Sie zu Hause haben, aber die lassen Sie gefälligst da, wo sie hingehören. Sie tun jetzt verdammt noch mal, was ich Ihnen sage, und sichern den Tatort, bis ich Ihnen einen DI schicken kann. Und wenn es die ganze Nacht dauert, dann warten Sie eben die ganze Nacht. Verstanden?«
Buchan lief feuerrot an, ehe sie die Worte hervorspie: »Jawohl, Sergeant.«
»Gut.« Und dann war das Funkgerät still.
Buchan verlegte sich wieder aufs Fluchen. Wie zum Teufel sollten sie ohne ein Team von der Spurensicherung einen Tatort sichern? Es regnete, zum Donnerwetter, sämtliche Spuren würden weggeschwemmt werden! Und wo blieb eigentlich die Kripo? Es ging hier um eine Mordermittlung, und sie hatten noch nicht mal einen Leitenden Ermittlungsbeamten!
Sie schnappte sich PC Jacobs. »Willst du dir ein bisschen die Beine vertreten?«
Er beäugte sie argwöhnisch. »Worum geht’s?«
»Wir brauchen einen Leitenden Ermittlungsbeamten. Dein ›Kumpel‹ wohnt doch hier in der Nähe, nicht wahr? Unser strahlender Polizeiheld?«
Jacobs gab zu, dass dem tatsächlich so war.
»Also, dann zisch ab und hol den Typ aus den Federn. Soll der sich doch darum kümmern.«
WPC Watson hatte die unmöglichste Sammlung von BHs und Unterhosen, die Logan je zu Gesicht bekommen hatte. Ihre Unterwäsche sah durch die Bank aus, als wäre sie im Ersten Weltkrieg von unterbeschäftigten Zeppelinkonstrukteuren entworfen worden – sackartig und uniformgrau. Nicht dass er in letzter Zeit viel von Jackies Dessous zu sehen bekommen hätte, aber wenigstens für kurze Zeit stimmten ihre Dienstzeiten überein. Mit einem schläfrigen Grinsen drehte Logan sich auf die andere Seite. Das Licht vom Flur fiel durch die offene Tür auf das zerwühlte Bett.
Er schielte nach dem Wecker: kurz vor zwei. Noch fünf Stunden, bis er sich zum Dienst melden und den nächsten Anschiss abholen musste. Fünf volle Stunden.
Klick. Das Flurlicht erlosch. Eine weiche Silhouette erschien in der Tür und kratzte sich ausgiebig, während sie zum Bett zurückschlappte. WPC Jackie Watson schlang ihren nicht gebrochenen Arm um Logans Brust und kuschelte den Kopf an seine Schulter, wobei leider die Spitzen ihrer krausen Haare in seine Nase und seinen Mund gerieten. Er spuckte sie diskret aus und küsste Jackie auf den Scheitel, spürte ihren kühlen Leib, der sich der Länge nach an den seinen schmiegte. Mit dem Finger fuhr sie das Muster aus zweieinhalb Zentimeter langen Narben nach, das sich kreuz und quer über seinen Rumpf zog, und Logan dachte nur, dass fünf Stunden vielleicht doch nicht soo lang waren …
Es wurde gerade interessant, als die...

Auszug aus Die Stunde des Mörders. von Stuart MacBride, Stuart McBride, Andreas Jäger. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Straße war dunkel, als sie das Haus mit den vernagelten Fenstern betraten - verlotterte Gestalten in zerrissenen Jeans und Kapuzenshirts. Drei Männer und zwei Frauen, kaum zu unterscheiden mit ihren langen Haaren, ihren gepiercten Ohren, Nasen und wer weiß was noch. Alles an ihnen schrie: »Töte mich!«
Er lächelte. Sie würden noch früh genug schreien.
Das Haus lag in der Mitte einer ganzen Reihe leerstehender, zweigeschossiger Reihenhäuser - schmutzige Granitfassaden im schwachen Schein der Straßenbeleuchtung, die Fenster mit dicken Sperrholzplatten vernagelt. Bis auf das eine im Obergeschoss, wo fahles Licht durch die schmierige Scheibe sickerte, begleitet von stampfender Techno-Musik. Ansonsten war die Straße menschenleer, verlassen, verdammt wie ihre Bewohner. Keine Menschenseele weit und breit. Keine Gefahr, dass jemand ihm bei der Arbeit zusah.
Halb zwölf, und die Musik wurde noch lauter; ein hämmernder Rhythmus, der jedes Geräusch, das er machte, mit Leichtigkeit übertönen würde. Stück für Stück arbeitete er sich am Türrahmen entlang und drehte den Schraubenzieher im Takt der Musik. Dann trat er zurück, um sein Werk zu bewundern: verzinkte Drei-Zoll-Holzschrauben um die ganze Tür herum, die sie fest mit dem Rahmen verbanden und dafür sorgten, dass sie unwiderruflich geschlossen blieb. Er grinste bis über beide Ohren. Das wird gut, dachte er. Das wird besser als alles bisher.
Er steckte den Schraubenzieher wieder in die Tasche und hielt einen Moment inne, um den kalten, harten Griff zu streicheln. Auch er selbst war hart; die kaum verhohlene Vorfreude beulte seine Hose aus. Diesen Moment liebte er ganz besonders - kurz bevor das Feuer ausbrach; wenn alles an Ort und Stelle war, wenn sie nicht mehr entkommen konnten. Wenn der Tod schon unterwegs war, um sie zu holen.
Lautlos entnahm er der Sporttasche, die er neben sich abgestellt hatte, drei Glasflaschen und einen Benzinkanister aus grünem Plastik. Gemächlich schraubte er die Flaschen auf, füllte sie mit Benzin und steckte zerrissene Lumpen als Zündschnüre hinein. Dann wandte er sich wieder der zugeschraubten Haustür zu. Den Deckel des Briefschlitzes anheben. Das restliche Benzin aus dem Kanister durch die Öffnung kippen und hören, wie es auf die kahlen Holzdielen plätschert, fast übertönt von der dröhnenden Musik. Kleine Rinnsale sickerten unter der Tür hervor, flossen über die Schwelle und sammelten sich in einer Pfütze aus Kohlenwasserstoffen. Perfekt.
Er schloss die Augen, sprach ein kurzes Gebet und ließ ein brennendes Streichholz in die Lache zu seinen Füßen fallen. Fffffuump. Eine blaue Flamme mit gelbem Rand schoss unter der Tür hindurch ins Haus. Pause - zwei, drei, vier. Gerade lange genug, um dem Feuer Gelegenheit zu geben, sich auszubreiten. Dann einen halben Backstein durch das Fenster im ersten Stock geworfen. Das Glas bricht, die pulsierende Musik quillt hervor, begleitet von Schreckensrufen und Flüchen. Und dann fliegt der erste Brandsatz. Die Flasche landet auf dem Boden und explodiert, verspritzt brennendes Benzin im Zimmer. Die Flüche gehen in Schreie über. Er grinst und schleudert die restlichen Flaschen in das Flammenmeer.
Dann rasch auf die andere Straßenseite gewechselt, wo er sich im Schatten verbarg und zusah, wie sie brannten. Er biss sich auf die Unterlippe, während er seine Erektion befreite. Wenn er schnell machte, könnte er gekommen sein und wieder verschwinden, bevor jemand auftauchte.
Er hätte sich gar nicht so beeilen müssen. Es dauerte fünfzehn Minuten, bis jemand die Feuerwehr alarmierte, und weitere zwölf, bis sie endlich eintraf.
Da waren sie schon alle tot.

Rosie Williams starb, wie sie gelebt hatte: hässlich. Sie lag auf dem Rücken auf dem Kopfsteinpflaster der Gasse und starrte in den orangegrauen Nachthimmel hinauf. Der Nieselregen glitzerte auf ihrer Haut und wusch ihr sanft das dunkelrote Blut vom Gesicht. Sie war nackt wie am Tag ihrer Geburt.
PC Jacobs und seine Kollegin WPC Buchan waren als Erste am Tatort. Auf dem glitschigen Pflaster trat Jacobs nervös von einem Fuß auf den anderen, während Buchan einfach nur fluchte. »Scheiße.« Sie blickte auf den bleichen, kaputten Körper hinab. »Das war's dann wohl mit der ruhigen Schicht.« Leichen bedeuteten immer Papierkram. Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Leichen bedeuteten auch Überstunden, und die konnte sie weiß Gott gebrauchen.
»Ich hole Verstärkung, ja?« PC Jacobs griff mit klammen Fingern nach seinem Funkgerät und rief die Leitstelle an, um Bescheid zu sagen, dass der anonyme Hinweis kein Scherz gewesen war.
»Augenblick mal«, antwortete der diensthabende Sergeant mit breitem Aberdeener Akzent. Eine Pause, angefüllt mit statischem Rauschen, und dann: »Ihr werdet die Stellung noch 'n Weilchen halten müssen. Die sind alle bei diesem verdammten Feuer. Ich besorg euch 'nen DI, sobald einer abkömmlich ist.«
»Was?« Buchan riss Jacobs das Funkgerät aus der Hand. Da es noch an seinem Schultergurt hing, verlor er fast das Gleichgewicht. »Was soll das heißen - »sobald einer abkömmlich ist«? Wir haben hier einen Mord! Nicht bloß so ein popeliges Feuer! Seit wann ist ein Feuer wichtiger als -«
Die Stimme des Diensthabenden unterbrach sie. »Nu hören Sie man zu«, sagte er. »Ich weiß ja nich', was für Probleme Sie zu Hause haben, aber die lassen Sie gefälligst da, wo sie hingehören. Sie tun jetzt verdammt noch mal, was ich Ihnen sage, und sichern den Tatort, bis ich Ihnen einen DI schicken kann. Und wenn es die ganze Nacht dauert, dann warten Sie eben die ganze Nacht. Verstanden?«
Buchan lief feuerrot an, ehe sie die Worte hervorspie: »Jawohl, Sergeant.«
»Gut.« Und dann war das Funkgerät still.
Buchan verlegte sich wieder aufs Fluchen. Wie zum Teufel sollten sie ohne ein Team von der Spurensicherung einen Tatort sichern? Es regnete, zum Donnerwetter, sämtliche Spuren würden weggeschwemmt werden! Und wo blieb eigentlich die Kripo? Es ging hier um eine Mordermittlung, und sie hatten noch nicht mal einen Leitenden Ermittlungsbeamten!
Sie schnappte sich PC Jacobs. »Willst du dir ein bisschen die Beine vertreten?«
Er beäugte sie argwöhnisch. »Worum geht's?«
»Wir brauchen einen Leitenden Ermittlungsbeamten. Dein »Kumpel« wohnt doch hier in der Nähe, nicht wahr? Unser strahlender Polizeiheld?«
Jacobs gab zu, dass dem tatsächlich so war.
»Also, dann zisch ab und hol den Typ aus den Federn. Soll der sich doch darum kümmern.«
WPC Watson hatte die unmöglichste Sammlung von BHs und Unterhosen, die Logan je zu Gesicht bekommen hatte. Ihre Unterwäsche sah durch die Bank aus, als wäre sie im Ersten Weltkrieg von unterbeschäftigten Zeppelinkonstrukteuren entworfen worden - sackartig und uniformgrau. Nicht dass er in letzter Zeit viel von Jackies Dessous zu sehen bekommen hätte, aber wenigstens für kurze Zeit stimmten ihre Dienstzeiten überein. Mit einem schläfrigen Grinsen drehte Logan sich auf die andere Seite. Das Licht vom Flur fiel durch die offene Tür auf das zerwühlte Bett.
Er schielte nach dem Wecker: kurz vor zwei. Noch fünf Stunden, bis er sich zum Dienst melden und den nächsten Anschiss abholen musste. Fünf volle Stunden.
Klick. Das Flurlicht erlosch. Eine weiche Silhouette erschien in der Tür und kratzte sich ausgiebig, während sie zum Bett zurückschlappte. WPC Jackie Watson schlang ihren nicht gebrochenen Arm um Logans Brust und kuschelte den Kopf an seine Schulter, wobei leider die Spitzen ihrer krausen Haare in seine Nase und seinen Mund gerieten. Er spuckte sie diskret aus und küsste Jackie auf den Scheitel, spürte ihren kühlen Leib, der sich der Länge nach an den seinen schmiegte. Mit dem Finger fuhr sie das Muster aus zweieinhalb Zentimeter langen Narben nach, das sich kreuz und quer über seinen Rumpf zog, und Logan dachte nur, dass fünf Stunden vielleicht doch nicht soo lang waren ...
Es wurde gerade interessant, als die Türklingel ertönte.
»Verdammt«, brummte Logan.
»Ignorier es einfach. Sind wahrscheinlich nur Betrunkene.« Es läutete wieder, beharrlicher diesmal. Als ob der Typ da draußen sich mit dem Daumen durch die Hauswand bohren wollte.
»Verpiss dich!«, rief Logan in die Dunkelheit hinaus, was bei Jackie einen Lachanfall auslöste, den mysteriösen Klingler aber keineswegs abschreckte. Und dann stimmte auch noch Logans Handy in die liebliche Serenade ein. »Himmel, Arsch und Zwirn!« Er wälzte sich von ihr herunter, was ein missmutiges Stöhnen auslöste, und schnappte sich das Handy vom Nachttisch. »WAS?«
»Hallo, Sir? DS McRae?« PC Steve Jacobs: Der legendäre Nackte Schwertkämpfer von Alt-Aberdeen.
Logan ließ den Kopf mit dem Gesicht nach unten aufs Kissen fallen, ohne das Telefon vom Ohr zu nehmen. »Was kann ich für Sie tun, Constable?«, fragte er und dachte sich, dass es schon etwas verdammt Wichtiges sein müsste, wenn er sich dafür von einer nackten WPC Watson losreißen sollte.
»Äh ... Sir ... Wir haben da so eine Leiche ... eine -«
»Ich bin nicht im Dienst.«
WPC Watson gab einen Laut von sich, der besagte, dass er sehr wohl im Dienst sei - allerdings nicht im Auftrag der Grampian Police.
»Ich weiß, aber alle anderen sind bei irgend so einem Feuer, und wir haben keinen Einsatzleiter, keine Spurensicherung und nichts!«
Logan fluchte in sein Kissen hinein. »Okay«, sagte er schließlich. »Wo sind Sie?«
Die Türklingel schrillte wieder.
»Äh ... das war ich.«
Verdammter Bockmist.
Ächzend und fluchend wälzte Logan sich aus dem Bett und zog sich etwas über, um dann, zerknautscht und unrasiert, wie er war, zur Tür hinauszustolpern und die Treppe hinunter zur Haustür zu tappen. Draußen stand PC Steve Jacobs, berüchtigt für seine Striptease-Version von Queens A Kind of Magic.
»Tut mir leid, Sir«, sagte er mit betretener Miene. »Es ist gleich da drüben. Nackte Frau. Sieht aus, als wäre sie zu Tode geprügelt worden ...« Und damit entschwand auch Logans letzte Hoffnung, die frühen Morgenstunden auf angenehmere Art verbringen zu können.
Um Viertel nach zwei am Dienstagmorgen war das Hafenviertel die reinste Geisterstadt. Im Schein der Straßenbeleuchtung wirkten die grauen Granitbauten unnatürlich und abweisend, ihre Silhouetten im Nieselregen verschwommen. Ein riesiges, knallorange gestrichenes Versorgungsschiff lag in Verlängerung der Marischal Street vor Anker, und seine grellen, von Dunstschleiern umgebenen Lichter blendeten Logan und PC Jacobs, als sie in die Shore Lane einbogen. Es war eine enge Einbahnstraße im Herzen von Aberdeens Rotlichtviertel: auf der einen Seite eine fünf Stockwerke hohe Fassade aus schmutzigem Granit mit abgedunkelten Fenstern, auf der anderen eine Ansammlung willkürlich zusammengewürfelter Gebäude verschiedener Größe. Selbst um diese nachtschlafende Zeit war die Geruchskulisse bemerkenswert. Nach drei Tagen mit sintflutartigen Regenfällen und einer Woche mit strahlendem Sonnenschein war die Kanalisation voll von ersoffenen Ratten, die aromatisch vor sich hin gammelten. An den Häusern waren Natriumdampflampen montiert, aber die meisten hatten längst den Geist aufgegeben, sodass nur kleine Inseln gelblichen Lichts das Meer der Dunkelheit aufhellten. Das Kopfsteinpflaster unter ihren Sohlen war glitschig, als Logan hinter PC Steve auf eine dunkle Pfütze in der Mitte der Straße zusteuerte. Eine Polizistin kauerte vor einem weißen Etwas, das quer auf der Fahrbahn lag. Die Leiche.
Die Polizistin richtete sich auf, als sie die beiden kommen hörte, und leuchtete ihnen mit ihrer Taschenlampe voll ins Gesicht. »Oh«, sagte sie ohne jede Begeisterung. »Sie sind's.« Sie trat zurück und ließ den Lichtkegel der Lampe über die nackte Leiche huschen.
Das Gesicht der Frau war blutig und zerschlagen, ein Auge fast zugeschwollen, die Nase plattgequetscht, Jochbein und Unterkiefer gebrochen, die Zähne ausgeschlagen. Sie trug ein Halsband aus dunkelroten Blutergüssen - und sonst nichts.
Sie war kein junger Hüpfer mehr: die fleischigen weißen Oberschenkel eine einzige Kraterlandschaft von Orangenhaut; der Bauch gefurcht von Schwangerschaftsstreifen wie Dünen im Wüstensand - und dazwischen kurze, raue Stoppeln: Die letzte Do-it-yourself-Intimrasur lag wohl schon eine Weile zurück. Knapp über ihrer linken Brust prangte auf der milchig weißen Haut eine Rose mit einem blutigen Dolch. Dem tätowierten Blut konnte auch der hartnäckigste Regen nichts anhaben.
»Mein Gott, Rosie«, sagte Logan, als er sich vorsichtig mit einem Knie auf das kalte, nasse Pflaster niederließ, um die Tote genauer in Augenschein zu nehmen. »Welches Schwein hat dich so zugerichtet?«
»Sie kennen sie?« Die Frage kam von der unfreundlichen Polizistin. »Waren wohl Stammkunde bei ihr?«
Logan ignorierte sie. »Rosie Williams. Geht schon anschaffen, seit ich mich erinnern kann. Der Himmel weiß, wie oft sie schon wegen Aufforderung zur Unzucht verknackt worden ist.« Er streckte die Hand aus und fühlte an ihrem Hals nach einem Puls.
»Ob Sie's glauben oder nicht, das haben wir auch schon gemacht«, sagte die Polizistin. »Mausetot, ich sag's Ihnen.«
Der dichte Regen dämpfte die trunkenen Stimmen, deren grölende Gesänge und Rufe aus der Gegend der Docks zu hören waren. Logan richtete sich auf und blickte die Straße hinauf und hinunter. »Spurensicherung? Staatsanwältin? Bereitschaftsarzt?«
Die Polizistin schnaubte. »Sie machen wohl Witze. Die hängen alle noch bei diesem Feuer rum. Ist ja auch viel wichtiger als so ein armes Ding, dem irgendjemand die Seele aus dem Leib geprügelt hat.« Sie verschränkte die Arme. »Nicht mal einen richtigen Leitenden Ermittlungsbeamten haben sie uns geschickt, also mussten wir mit Ihnen vorliebnehmen.«
Logan knirschte mit den Zähnen. »Wollten Sie noch irgendwas loswerden, Constable?« Er trat so dicht an sie heran, dass er ihren nach Zigarettenrauch stinkenden Atem riechen konnte. Sie starrte ihn verdrossen an, die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepresst.
»Wie geht's eigentlich PC Maitland?«, fragte sie. Ihre Stimme war so kalt wie die Leiche zu ihren Füßen. »Lebt er noch?«
Logan verkniff sich eine Erwiderung. Er war ihr Vorgesetzter: Die Verantwortung gebot es, dass er sich wie ein erwachsener Mensch benahm. Aber wozu er in diesem Moment wirklich Lust gehabt hätte, das war, einen dieser schmierigen, fauligen, aufgedunsenen Rattenkadaver zu nehmen und ihn dieser Tussi ungespitzt in -
Vom anderen Ende der Straße, wo sie auf den Regent Quay stieß, waren Rufe zu hören. Drei Männer kamen um die Ecke gewankt, rumpelten ineinander, fummelten an ihren Reißverschlüssen herum und lachten, während dampfende Urinstrahlen gegen die Hauswände der Gasse rauschten. Logan wandte sich wieder zu der selbstgefälligen, aufsässigen Polizistin um. »Constable«, sagte er mit dünnem Lächeln, »Sie sollten doch den Tatort sichern. Wieso sehe ich dann drei Männer, die hier alles vollpissen?«
Einen Augenblick lang sah es so aus, als würde sie ihm Kontra geben, doch dann stapfte sie auf die drei Männer zu und brüllte: »He, Sie da! Was glauben Sie eigentlich, was Sie da machen?«
Logan blieb mit PC Steve und den übel zugerichteten sterblichen Überresten von Rosie Williams zurück. Er fischte sein Handy aus der Tasche und rief die Leitstelle an, um zu fragen, wo eigentlich Bereitschaftsarzt, Spurensicherung, Rechtsmediziner und Staatsanwältin blieben, und überhaupt der ganze Wanderzirkus, der immer anzurollen hatte, wenn irgendwo ein verdächtiger Todesfall gemeldet wurde. Aber er hatte kein Glück: Alle waren noch mit dem Großbrand in Northfield beschäftigt. DI McPherson würde aber so bald wie möglich zu ihnen stoßen. Bis dahin sollte Logan bleiben, wo er war, und dafür sorgen, dass es nicht noch mehr Tote gab.
Eine Stunde später war von DI McPherson und der Spurensicherung noch immer weit und breit nichts zu sehen, aber immerhin war der Bereitschaftsarzt inzwischen eingetrudelt, und es hatte aufgehört zu regnen. Der Doktor zwängte sich mühsam in einen weißen Papier-Schutzanzug und stapfte dann die Shore Lane hinunter, um unter dem blauen Band mit der Aufschrift POLIZEI hindurchzuschlüpfen, das WPC Buchan widerwillig über die Straße gespannt hatte.
Um halb vier Uhr morgens war Doc Wilson nicht gerade auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit; eine Tatsache, die er überdeutlich demonstrierte, indem er seine Arzttasche in einer stinkigen Pfütze abstellte und daraufhin höchst unflätig fluchte. Die Ringe unter seinen Augen hatten den Durchmesser von Herdplatten, seine Nase war rot und wund von einer hartnäckigen Sommergrippe.
»Morgen, Doc«, sagte Logan und bekam nur ein Knurren als Erwiderung, als der Arzt vor der Leiche in die Hocke ging und ihr den Puls fühlte.
»Die is' tot«, sagte er, richtete sich auf und wollte zu seinem Wagen zurückgehen.
»Augenblick mal.« Logan packte ihn am Arm. »Ist das alles - »Die is' tot«? Wir wissen, dass sie tot ist - möchten Sie nicht vielleicht mal eine Vermutung hinsichtlich Todeszeitpunkt und -ursache riskieren?«
Die Miene des Arztes verfinsterte sich. »Das is' nich' mein Job, da müssen Sie schon die von der Rechtsmedizin fragen.«
Überrascht ließ Logan den Arm des alten Mannes los. »Schweren Tag gehabt?«
Doc Wilson fuhr sich erschöpft mit der Hand übers Gesicht, wobei seine Bartstoppeln ein kratzendes Geräusch machten. »Tut mir leid. Ich bin einfach nur hundemüde ...« Er warf einen Blick über die Schulter auf Rosies nackten Körper und seufzte. »Ich tippe auf stumpfes Trauma. Die Blutergüsse sind nicht sehr ausgeprägt, das heißt, dass der Herzschlag recht bald ausgesetzt haben muss. Nach den Totenflecken zu urteilen, würde ich schätzen, dass es so drei bis vier Stunden her ist.« Er unterdrückte ein Gähnen. »Zu Tode geprügelt.«
Es war zwanzig nach vier, ehe wieder jemand aufkreuzte, und da war Doc Wilson längst wieder verschwunden. Die Sonne lugte schon über den Horizont, ein blassgelber Fleck, überzogen von grauen Schlieren, doch die Shore Lane war noch immer in tiefe Finsternis gehüllt.
Der verdreckte weiße Lieferwagen der Spurensicherung setzte von der vierspurigen Straße in die Gasse zurück, eingewiesen von einem einsamen Spusi im weißen Schutzanzug. Beide Hecktüren wurden aufgestoßen, und dann begann der rituelle Kampf mit dem Schutzzelt.

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