Dem studierten Historiker und Philosophen Jean-Louis Fetjaine ist mit „Die Stunde der Elfen" ein magisches Finale seiner Fantasy-Trilogie gelungen. Wie schon „Vor der Elfendaemmerung" respektive „Die Nacht der Elfen" spannt er einen tiefgruendigen und phantastischen Bogen zwischen vorzeitlichen keltischen Mythen und der Artus-Legende. Dabei wendet er das Innenleben seiner Figuren - etwa der unwiderstehlich erotischen Elfenkönigin Lliane - so geschickt nach aussen, dass der Leser emotional oft in den Strudel der Geschehnisse hineingezogen wird. Was die facettenreiche Darstellung starker Frauencharaktere angeht, erinnert Fetjaines „Stunde der Elfen" an Marion Zimmer-Bradleys „Nebel von Avalon". Die epische Dichte der blutigen Schlachten braucht den Vergleich mit dem „Herr der Ringe" nicht scheuen, wenngleich Tolkiens Krieger Heroen sind, während Fetjaines Recken oft nur der Wille zum Ueberleben lenkt.
Die Rahmenhandlung dieser Trilogie machen die vier Völker der Göttin Dana aus, die Tuatha de Danann, die da sind Menschen, Elfen, Zwerge und Daemonen. Jeder dieser Rassen gab Dana einen Talisman. Dem Menschenvolk den Königsstein, den Elfen einen heiligen Kessel, den Zwergen das Schwert Excalibur und der Daemonenschar die Lanze des Lug. Verliert ein Volk seinen Talisman, ist es dem Untergang geweiht - wie dies den Zwergen durch Verrat der Menschen geschah. Im dritten Teil von Fetjaines Epos scheint es, als wuerden alle Talismane in eine Hand gegeben und alles steuert auf eine letztentscheidende Schlacht zwischen dem Menschenkönig Uther und dem Schwarzen Herrn der Daemonen hin, deren Ausgang den Lauf der Geschichte unwiderbringlich veraendert. Doch Uther ist nicht nur Kriegsherr, er ist gleichermassen der Kariad daou rouaned, der Geliebte zweier Koeniginnen. Mit der Elfe Lliane zeugte er eine Tochter, mit der Menschenkoenigin Igraine einen Sohn: Morgane und Artus - zwei Namen, die bis heute Legende sind.
Was zu bemaengeln bleibt, ist das klischeehafte Darstellen von Woelfen als blutgierigen Bestien, Verbuendeten des Boesen, bzw. das Einflechten von Papst Leo III., einer Person, die erst Jahrhunderte nach dem Beschriebenen geboren wurde. Ein Lapsus, der selbst im Fantasy-Genre störend wirkt und einem Historiker wie Fetjaine nicht unterlaufen sollte. Trotz allem ist „Die Stunde der Elfen" ein schon jetzt ein „Klassiker" mit Kult-Potential.