Um eine lange Sache kurz zu machen: Nur wer sich gar nicht mit der Materie beschäftigt hat, wird dem Buch überhaupt etwas abgewinnen können. Man muss für diesen Eindruck noch gar keine Zeile des Buches gelesen haben. Schon auf der ersten Umschlaginnenseite befindet sich ein Stadtplan von Berlin Mitte, in dem einige „Orte der Macht" markiert sind, von denen viele nicht einmal richtig geschrieben sind. Aus dem Restaurant „Schwarzenraben" wird bei den Autoren ein „Schwarzer Rabe", aus „Monsieur Vuong" wird „Monsieur Voung" und wer die Konzernzentrale von „Vattenfall Europe" nach dieser Karte sucht, der landet wahlweise bei einer Filiale von „Balzac Coffee" oder von „Subways". Das sind natürlich zu vernachlässigende Details, aber man hat doch den Eindruck, dass den Autoren diese Orte nicht so vertraut sind, wie sie behaupten. Die Lektüre bestätigt diesen Eindruck. Man stützt sich bei ganz einfachen Sachverhalten nicht auf eigene Kenntnisse, sondern auf Artikel aus der „Süddeutschen" oder aus der „Zeit" (von 1996!). Es gibt zahlreiche ärgerliche Wiederholungen (und ewig grüsst der Russfilter...), die Thesen sind deutlich widersprüchlich (wichtig ist der Zugang zum Kanzler - der Zugang zum Kanzler ist gar nicht so wichtig) und wichtige Einflusskanäle (beispielsweise ein hohes Honorar von Unternehmen für Journalisten, die kurze Moderationen o.ä. übernehmen) werden nahezu ausgeblendet. Auch sprachlich lässt das Buch zu wünschen übrig, vollständige Sätze kann man schon gar nicht erwarten. Fazit: Wer an dem Thema wirklich interessiert ist, der muss an anderer Stelle suchen (z.B. bei Thomas Leif, Richard Meng, Rudolf Speth).