Der Autor über sein Buch
Philosophie, Vernunft in Moral und MetaphysikIn der öffentlichen Diskussion wird Rationalität noch immer mit unkontrollierten Verstandeskräften verwechselt. Vor allem die ideologisch beeinflusste Vorstellung, Vernunft wolle unter Verwendung von Wissenschaft und Technik nichts anderes als die Herrschaft über andere Menschen und über die Natur, hat lange Zeit Anhänger gefunden und lebt nun fort, nachdem die geistigen Quellen längst versiegt sind. Die daraus resultierende zwiespältige Haltung gegenüber Vernunft ist nicht ungefährlich. Was würden wir denn an die Stelle der Vernunft setzen wollen? Sinnvoller als die Vernunft als zweckrational, wissenschaftlich, interessegeleitet und dergleichen verdächtig zu machen, kann man das Wort "vernünftig" auch für eine ganz andere Geisteshaltung reservieren: Im Sinne des kritischen Rationalismus ist vernünftig, wer sich entschließen kann, Probleme zu lösen, und zwar so, daß sich nicht nur für ihn selbst, sondern für alle Betroffenen die Lage verbessert wird. Vernünftig ist, wer bereit ist, aus möglichst vielen Alternativen die für alle Beteiligten akzeptabelste Lösung auszuwählen. Dieses Problemlösungsverhalten hat sich letztlich als der methodische Kern einer Rationalität erwiesen, die nun auch auf den nichtwissenschaftlichen Gebieten der Metaphysik und Moral zu objektiv nachvollziehbaren Entscheidungen kommt. Wo ein Ziel erkennbar ist, und das ist bei metaphysischen Theorien und ethischen Prinzipien in der Regel der Fall, kann man auch prüfen, ob das Ziel erreicht wird und ob es besser erreicht wird als mit irgend einem alternativen Vorgehen. Kritischer Rationalismus erweist sich auch in Moral und Metaphysik als resistent gegen Relativismus und postmoderne Entscheidungsunfähigkeit. Hans-Joachim Niemann
Umschlagtext
Vernünftiges Handeln ist tägliche Aufgabe und nie endender Streitpunkt der Philosophie. Hier wird Vernunft als ein Problemlösungsverfahren gedeutet, das alle Betroffenen berücksichtigt. Dieses Konzept bringt die Rationalitätstheorie des kritischen Rationalismus Karl Poppers und Hans Alberts auf den Punkt. Dem modernen und postmodernen Relativismus wird ein universalistisches Vernunftkonzept entgegengestellt: Mit der gleichen Vernunft, die in der Erkenntnis über "richtig" und "falsch" entscheidet, sind auch in der Moral und sogar in der Metaphysik objektiv nachvollziehbare Entscheidungen möglich. Moralische Werte sind Problemlösungsstrategien. Das gilt es in der Philosophie, im Alltagsdenken sowie in den aktuellen politischen Debatten zu bedenken.