Ohne Groll oder gar Anklage gegen Deutsches und uns Deutsche und ohne sein Familienschicksal zu beklagen oder sich mit dem Erfolg und der Berühmtheit vieler seiner Ahnen zu brüsten erzählt uns der amerikanische Autor Wolfgang Paul Strassmann, vormals Professor für Volkswirtschaft an der Michigan State University, in wissenschaftlicher Manier nüchtern den Werdegang seiner bekannten jüdischen Berliner Ärztefamilie. Rasch ins deutsche Bildungsbürgertum aufgestiegen hatte sich seine Familie bis zu deren Vertreibung durch die Nazis ums deutsche Vaterland über ein Jahrhundert hinweg mehr als verdient gemacht, w.z.B. Paul Ferdinand Straßmann (1866-1938) um die Geburtshilfe oder Wolfgang Straßmann (1821 - 1885), der Gründer des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. Der Autor versteht es, die Einzelschicksale seiner Verwandten aus unterschiedlichen Epochen anschaulich in die geschichtlichen Wirren Deutschlands bis hin zur Neuzeit einzubinden und zu einem Ganzen interessant zu verweben. Mittels zahlreichen Auszügen aus Tagebüchern, Briefen u.ä. verleiht er seinen Kurzbiographien Intimität und Authentizität; mittels Auswertungen von Statistiken zum damaligen Beitrag der Juden am deutschen Gemeinwesen seinem Buch eine über eine Familienchronik hinausgehende Dimension. Gewollt oder ungewollt zeigt W. Paul Strassmann nebenbei auf, dass ein ausgeprägtes Familienbewusstsein es stets vermag, das Vaterland der Vorfahren selbst dann zur eigenen alten Heimat werden zu lassen, wenn diese der Familie undankbar himmelschreiendes Unrecht zugefügt und sie von allem aus- und verstoßen hatte.