Entertainment Weekly hat "Die Straße" 2008 zum besten Buch der letzten 25 Jahre gekürt. Nun behaupte ich nicht, sämtliche Literatur dieses Zeitraums zu kennen, aber ich bin geneigt, dieser Bewertung zuzustimmen. Noch niemals hat mich ein Buch derart berührt, ja geradezu mein Herz zerrissen! Der Roman ist nicht rührselig oder gar schnulzig, aber in seiner Eindringlichkeit und Konsequenz nicht zu überbieten. Die Bedingungslosigkeit, mit welcher der Mann seinen Sohn liebt und versucht "das Feuer", also ihre Würde als Menschen zu bewahren geht einem nahe. Von der ersten Sekunde an fühlt man intensiv mit Vater und Sohn. Spätestens, wenn nach dem ersten Drittel des Buches im Leser die Erkenntnis reift, dass in dieser trostlosen, verkommenen Welt nicht mit Rettung oder gar einem kitschigen Happy End zu rechnen ist, beginnt man den Hunger, die Kälte und die Hoffnungslosigkeit schmerzhaft mit den Protagonisten zu fühlen. Nahezu verzweifelt begleitet man die beiden auf ihrer Reise und immer dann, wenn ihnen das kleine Glück vergönnt ist, etwas zu essen oder einen halbwegs sicheren Unterschlupf für ein paar Tage zu finden, geht einem das Herz auf. Und doch bangt man bei jedem Umblättern in der Ahnung, dass das Glück nicht von Dauer sein wird. Der Vater verschleißt sich selbst, um seinen über alles geliebten Sohn vor den marodierenden Kannibalen und Sklavenhaltern zu retten. Er will "das Feuer bewahren" und droht darüber seine eigene Menschlichkeit zu verlieren. Es ist der Junge, der das irgendwann nicht mehr erträgt und ein Mindestmaß an Moral in diese Welt zurückbringt, die sonst nur noch den nackten Kampf ums physische Überleben kennt. Die ständigen Fragen des Sohnes, ob sie noch "die Guten" seien sind auch eigentlich an den Leser gerichtet: Vater und Sohn in der Geschichte können angesichts der Tragik einer untergegangenen Welt eigentlich nichts entbehren und tun es dennoch. Für uns Leser würde etwas mehr Menschlichkeit ein bedeutend geringeres Opfer darstellen.
Ich bin nicht religiös, aber als der Vater den Gedanken formuliert "wenn [der Junge] nicht das Wort Gottes ist, dann hat Gott nie gesprochen", hatte ich - selbst Vater eines Sohnes - einen Kloß im Hals. Das tragische Ende ist unausweichlich. Es bricht einem das Herz und rührt zu Tränen. Zum Glück gönnt uns Autor McCarthy wenigstens einen kleinen Hoffnungsschimmer zum Abschluss - das Feuer ist noch nicht erloschen.
Mein Eindruck ist noch frisch. Ich habe das Buch in den letzten beiden Tagen gelesen und erst gestern nacht mit Tränen in den Augen zugeklappt. Doch ich bin sicher, dass mich diese Geschichte auf lange Zeit nicht loslassen wird. Ich vergebe zum allerersten mal 5 Sterne.