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Alle anderen Bands sahen einfach uralt aus, sagt Charlie Watts, damals noch Zuschauer. Ein androgyner Brian Jones, bei dem die Mädchen dahinschmolzen, Keith Richards blechdünne gemeine Rhythm & Blues-Riffs, die die Luft zersägten -- über allem thronend Mick Jagger, schon früh der bekannte Narziss mit Schmollmund. Englands Musikszene kochte. Yardbirds, Kinks, The Who -- man befruchtete sich gegenseitig. Ausgerechnet die Beatles lieferten dem anfänglich wenig begnadeten Songwriter-Team Jagger/Richards Starthilfe mit "I Wanna Be Your Man", einer maßgeschneiderten Single. 1965 war die Schreibhemmung beendet, "Satisfaction" hieß der Song, der den Durchbruch brachte. "Get Off Of My Cloud", "As Tears Go By", Stones-Hits begannen nun wie Schneeflocken zu fallen. Brian, bislang kreativer Motor, verfiel immer mehr den Drogen, dokumentiert in Godards schrägem Film One Plus One, der einen apathischen Brian bei den Aufnahmen zu Sympathy For The Devil zeigte.
Sex, Drugs and...? Drogen und Orgien nahmen überhand. Razzien folgten, den Stones drohte der Knast. Die Polizei ertappte Mick und Dauermistress Marianne Faithful zugeknallt auf dem Lotterbett -- der berühmte Marsriegel an einer Stelle, wo man ihn nicht vermutet hätte, zergeht noch heute auf der Zunge. Dann das Wunder, mit den Klassikern Beggars Banquet, Let It Bleed und Sticky Fingers entstieg die Band dem Chaos wie ein Phönix aus der Asche. Brian Jones aber war tot (und Stephen Davis fühlt sich verpflichtet, einen möglichen (inzwischen verstorbenen) Täter zu präsentieren).
Viel Neues hat Stephen Davis der Stones-Geschichte nicht hinzuzufügen. Die ersten zehn Jahre der Band jedoch sind ein solch Schwindel erregendes Happening, gespickt mit Interna, dass die Lektüre mehr als spannend ausfällt. Deshalb verzeiht man dem Autor auch die wenigen Patzer, die ihm unterliefen. Mitnichten tauchten die Bilder der Stones z. B. auf dem Sgt. Pepper-Cover auf, lediglich eine schlaffe Puppe kündete von ihrer Existenz. Auch der Selbstmord des Beatles-Managers Brian Epstein ist keineswegs verifiziert, da es sich wohl eindeutig um einen Tablettenunfall handelte.
Mit dem Horror-Festival von Altamont und dem Mord an Meredith Hunter unter den Augen der Stones endete die Flower-Power-Ära und damit auch der wesentliche Teil des Buches. Anfang der 70er-Jahre, nach dem exzellenten Exile On Main St, drifteten die Stones in musikalische Bedeutungslosigkeit ab. Was blieb, war der Hype. Ron Wood kam (ursprünglich schon als Brian Jones-Ersatz im Gespräch), Bill Wyman ging, Chaletbesitzer, Dauer-Erotomane und Kunstfreund Jagger saß sein Dauerabo in der Regenbogenpresse ab und alle paar Jahre wurde ein neues Stones-Album ächzend in die Charts gewuchtet, denn schließlich -- erneut Keith, der wider Erwarten überlebte, ein letztes Mal: "Warum in aller Welt sollte man aufhören zu tun, was man gerne tut?" Richtig so! Oder? --Ravi Unger
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Die Illustrierung ist so unspektakulär wie das Titelbild. Dort, wo sie Sinn machte fehlt sie ganz. So muss man sich an die gigantischen Bühnenaufbauten des letzten Jahrzehnts schon gut erinnern können, um die Beschreibung zu einem Bild zusammenzusetzen. Ohnehin lebt dieses Buch von der Erinnerung an bekannte Geschichten und wenigen neuen Details.
Skurril der Kulturclash ausgerechnet mit dem Süden der USA, immer wieder erschreckend die fragmentarischen Einblicke in Keiths exzessive und zutiefst asoziale Drogensucht und neu für mich die zunehmende Debilität von Spaßvogel Ronnie. Ich habe mich beim Lesen gefragt, warum ausgerechnet Micks gesellschaftliche Ambitionen ständig im Kreuzfeuer der Kritik lagen. Den Bestand der Band haben wohl eher die Drogeneskapaden gefährdet.
Der Leser fragt sich manchmal, wie aus dem anschaulich geschilderten Chaos das Ding in seinem CD-Rack werden konnte, auch wenn es vielleicht nur eins der Recyclingwerke ist. Etwas öde ist die Beschreibung der Musiktitel auf den veröffentlichten Alben geraten. Wer hat mit wem in welchem Studio die Bassline zur wievielten Version welches Songs aufgenommen, die Keith im Wahn wieder löschte und wer will das wirklich wissen? Andere Episoden sind wiederum geist- und kenntnisreich geschrieben.
Zu den Highlights zähle ich John Lennons Zitat:"In einer Band zu sein, ist eine tolle Sache, wenn man ein bestimmtes Alter hat. Wenn man aber in den 40ern noch eine Band hat, heißt das schlicht und einfach, dass man in geistiger Hinsicht noch immer 18 ist."(Zitatende) Also, warum sind die Typen noch zusammen UND was machen wir eigentlich da?? 18 'til I die?
Es sollte dem Leser klar sein, dass er sich auf Seite 500 von 658 immer noch in den Siebzigern und auf Seite 600 immer noch in den Achtzigern befindet. Der zweiten Hälfte des Bestehens der Rolling Stones sind 120 Seiten gewidmet. Das entspricht dem Konzertprogramm.
Dieses Buch wird aber mitnichten dem im Umschlagtext formulierten Anspruch gerecht, „ein Gesellschaftspanorama der letzten vier Jahrzehnte" vor dem Betrachter auszubreiten. No, Sir. Dazu langt es nicht.
Es ist ein weitgehend unterhaltsamer, chronologischer Einblick in eine wilde Zeit mit alten Freunden, den man teuflisch grinsend konsumiert: Girls&Drugs&Lawyers&Money&Guns&Noise. Guter Stoff. Drei Sterne. That's it.
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