In den Fünfzigerjahren begleitete Elias Canetti, damals in London lebend, ein britisches Filmteam nach Marrakesch. 1968 schrieb er einen Reisebericht darüber - aber was für einen!
Natürlich gibt es diese Welt, die Canetti schildert, in dieser Form nicht mehr - die Reise liegt immerhin etwa 50 Jahre zurück.
Unterteilt in einzelne Kapitel, vermittelt der Autor dem Leser meisterhaft die Stimmen, Gerüche, Menschen, Gesichter, Plätze, Bezirke, Häuser.... von Marrakesch. Besonders liebt er aber die Frauen - ich habe selten einen erotischeren, aber gleichzeitig so dezenten Text wie "Die Brotwahl" gelesen.
Summa summarum:Eine Entdeckung, die es in sich hat - wer würde das Buch noch lesen, wenn es nicht in der Reihe der SZ erschienen wäre? Man wünscht ihm jedenfalls viele faszinierte Leser - und wundert sich nicht, dass Canetti 1981 den Literaturnobelpreis erhielt.