Spanien 1944 in der tiefsten Francodiktatur. Der Lehrer Oriol Fontelles kommt, zusammen mit seiner Frau, in den Pyrenäenort Torena, um die Stelle des Dorfschullehrers anzunehmen und wird zur tragischen Figur.
Spanien 2002. Die Lehrerin Tina Bros findet in seiner Schule, kurz vor deren Abriß, die Aufzeichnungen Fontelles - ein langer Brief an seine Tochter, die er nie kennengelernt hat. Fasziniert von der Frage über die Hintergründe, macht sie sich auf den Weg in seine Vergangenheit, die eng mit der Vergangenheit des Ortes verknüpft ist.
"Auf den Friedhöfen finden Sie die Geschichte der Dörfer, wie eingefroren", sagt der Steinmetz Serralac zu ihr, und Jaume Cabré, der Schöpfer dieses großartigen Romans, taut die Geschichte auf und erweckt ihre Personen zum Leben. Und diese Geschichte, die im Kleinen ein Bild der spanischen Gesellschaft während der Francozeit malt, wird von Cabré absolut faszinierend erzählt. Virtuos wechselt er die Zeitebenen und Erzählperspektiven. Wie ein Marionettenspieler hält er die Fäden der einzelnen Erzählstränge in der Hand, läßt sie fallen, hebt sie wieder auf, läßt sie scheinbar ganz verschwinden, aber nichts geht verloren, alles fügt sich zusammen.
Dieser Roman ist nichts für Schnellleser, erfordert eine gewisse Aufmerksamkeit und liest sich dennoch wunderbar leicht. Und je mehr man als Leser bereit ist, sich auf den Roman und Cabrés Erzählkunst einzulassen, umso mehr versteht man und wird wie auf einer Welle durch die Geschichte getragen. Wenn man diesen Roman nicht als Bettlektüre mißbraucht, sondern ihn als literarisches Kunstwerk betrachtet, das mit Ruhe genossen werden will, wird man reich belohnt.