Ein wunderbares Buch! Zum Einen ist es die Geschichte von Elsa. Die ist 27, müsste also im Nachkriegsitalien schon längst verheiratet sein - meint jedenfalls ihre Mutter, die es an hohler Geschwätzigkeit durchaus mit den Müttern aus den Jane Austen-Romanen aufnehmen kann. Elsa hängt aber durchaus einer heimlichen Liebe nach: Sie trifft sich mit dem Fabrikantensohn Tommasino.
Die Geschichte von Tommasinos Familie macht den anderen Teil des Buches aus. In knappen, genauen Sätzen lässt Natalia Ginzburg auf wenigen Seiten die Lebensgeschichten von Tommasinos Vater und von seinen unglücklichen Geschwistern aufscheinen. Dabei hat sie einen wunderbaren Blick für das entscheidende Detail; so kann ein Trinkbecher die Tragik eines ganzen Lebens ausdrücken.
Obwohl Elsa die Erzählerin ist, spricht sie nie von ihren Gefühlen. Stattdessen bildet das hohle Geschwätz der Mutter und ihrer Freundinnen eine Art Grundbass zu allen Ereignissen; das eigene Leben und die Gefühle Elsas drohen darin zu versinken. Von Jane Austen unterscheidet sich Natalia Ginzburg eben durch ihre Melancholie: Elsa weiß, dass es für das Glück nicht ausreicht, einen schönen kultivierten Mann zu heiraten. Damit ist sie wohl näher an einer Realität, in der die meisten Lebensläufe mit enttäuschten Hoffnungen gepflastert sind. Natalia Ginzburg erzählt von diesen enttäuschten Hoffnungen, und sie tut das auf eine liebevolle Art, die den Figuren in ihrem Buch ihre Würde zurückgibt.