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Die Stimme: Autobiographie
 
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Die Stimme: Autobiographie [Gebundene Ausgabe]

Thomas Quasthoff
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

„Er ließ sich nicht behindern“. „Behinderter nimmt alle Hürden!“ Solche musikjournalistischen Kurzschlüsse entringen dem Sänger höchstens noch ein mattes Lächeln. Seine Klassiker lauten: „Der behinderte Zwerg Quasthoff hinkte auf die Bühne und erleuchtete ‚Paulus‘“. Und -- jenseits aller Geschmacksgrenzen: „Er sang, als ob Gott einen Betriebsunfall wieder gutmachen wollte“. Schon ein Wunder, wie souverän und selbstironisch der Contergan geschädigte Bariton Thomas Quasthoff die hilflos unverschämten Sprachverrenkungen kommentiert, die seine „unorthodoxe Erscheinung“ hervorruft. Und so geht es weiter. Also, keine Klassikstarre. Aus Quasthoffs Feder tropft es oft giftig, seine Erinnerungen sind Entertainment pur.

New York, Lincoln Center. Hier gelang mit Mahlers „Wunderhorn“-Liedern der Durchbruch auf amerikanischem Boden. In einer kraftvollen Schilderung lässt der Sänger die aufregenden Tage noch einmal vorbeiziehen. Dann wandern die Gedanken zurück zu den Tagen seiner Geburt. „Kopf hoch, auch an so einem Kind kann man viel Freude haben“. Mit diesem aufmunternden Rat legte man am 9. November 1959 Brigitte Quasthoff im Hildesheimer Bernwardskrankenhaus eines von 12.000 verkrüppelten Contergankindern in den Arm. Quasthoff findet bittere Worte zum ersten Pharmaskandal der Bundesrepublik.

Prinzenrolle, Kulenkampff und Rudolf Schock. Das quietschmuntere 60er-Jahre-Sittengemälde einer intakten Familie wird aufgeblättert. Die Behinderung wird weggelacht; einzig die Sorge, niemals mit einem Mädchen an der Hand durch die Stadt flanieren zu können, schafft Pubertäts-Blues. Im heimischen Wohnzimmer setzt sich Tommi, angeregt vom Vater, auf die Gesangsspur. Jura-Studium, Sparkassenkarriere, Sprecher beim NDR, schließlich findet Quasthoff seine Welt. Der anschließende K(r)ampf um seine Gesangsausbildung liest sich wie eine gruselige Standortbestimmung in Sachen Behindertenakzeptanz.

Die Grenzen zwischen E und U sprengt auch der Autor Quasthoff mühelos. Musiktheoretische Exkurse ins Liederfach geraten federleicht, die Kritik an der Sangestechnik des „Scorpions“-Sängers böse ätzend, der Wutanfall anlässlich der niedersächsischen Kulturpolitik unter Gabriel und Wulff bedenklich. Nur die am Rande einer Talkshow hingeworfenen Beleidigungen eines offensichtlich angetrunkenen Bernhard Brink, Sangeskollege aus dem Tiefparterre der schönen Künste, machen den Riesen von 132 Zentimetern Körpergröße immer noch sprachlos. –Ravi Unger

Kurzbeschreibung

Thomas Quasthoff ist einer der erfolgreichsten und ungewöhnlichsten Sänger der Gegenwart. Obwohl die Musikhochschule Hannover dem contergangeschädigten Bariton mit der Begründung, er könne nicht Klavier spielen, ein Gesangsstudium verwehrte, stand sein Berufswunsch fest.

Heute werden seine CD-Veröffentlichungen regelmäßig von der internationalen Fachpresse ausgezeichnet, er hat mehrere Wettbewerbe und hoch angesehene Preise gewonnen und eine Gesangsprofessur inne.

In seiner Biografie erzählt Thomas Quasthoff von seinen großen internationalen Erfolgen, von Konzertatmosphäre, Reisen und Plattenaufnahmen, aber auch von seinem Handicap, den Kämpfen, die seine Eltern mit den Behörden führen mussten, der Ausgrenzung. In der niedersächsischen Kleinstadt ist das Leben mit Behinderung nicht einfach. Doch Thomas Quasthoff panzert sich mit Witz und musischem Talent.

Ein intelligenter und humorvoller Einblick in die Welt eines Ausnahmekünstlers.

Der Verlag über das Buch

Ein Mann mit Humor, Präzision und beseelter Stimme

Über den Autor

Thomas Quasthoff, 1959 geboren, machte so manchen Umweg, bevor er seiner Berufung folgte und Sänger wurde. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit drei Grammys. Seit 1996 ist er Professor für Gesang, seit 2004 an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Seine Autobiographie Die Stimme war ein Bestseller. Thomas Quasthoff lebt mit seiner Familie in Hannover und Berlin.

Auszug aus Die Stimme von Thomas Quasthoff. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Südstadt
Hannovers Südstadt, Februar, die Gastwirtschaft Taverne. Die Bierstube mit Speisebetrieb ist gut gefüllt. Am Tresen parlieren die Wirte Armin und Gerrit mit Stammgästen, gerahmt von der Weihnachtsdeko, die hier bis Ostern an den Wänden kleben wird. Hinten rechts am Stammtisch hocken die Brüder Quasthoff, vor sich wuchtige Mettwurstbrote und zwei Gläser Bier. Michael, der große, kaut. Thomas, der kleine, spricht:
TQ: "... und dann sage ich, warum soll ich meine Autobiografie schreiben. Mit geht's doch gut. Ich bin kein berühmter Alkoholiker, ich hab mir mein Geld nicht ergaunert, ich schlafe nicht mit prominenten Damen und ans Sterben denk ich eigentlich auch noch nicht."
MQ (nimmt einen großen Schluck Bier): "Nicht?"
TQ: "Definitiv nicht."
MQ: "Dann bestellen wir noch zwei." (Er winkt Richtung Tresen.) "Armin, Gerrit, bitte noch zwei Pils." TQ: "Jedenfalls hat sich die Literaturagentin nicht beirren lassen und insistiert, das Leben von berühmten Leuten wäre immer interessant, und ich sei ja ein sehr berühmter Sänger ..."
MQ: "Stimmt. Aber die meisten Promis schreiben ihre Autobiografie, weil sie nicht mehr berühmt sind."
TQ: "Hab ich ja auch gesagt. Aber sie sagt, meine Geschichte ist etwas ganz Besonderes ..."
MQ: "Das Argument würde ich tatsächlich gelten lassen. Conterganopfer, dem die Musikhochschule das Studium verwehrt, singt sich aus dem Streckverband zum Grammy hoch. Super Story, alles drin: schwere Kindheit, Kampf gegen die Krake Bürokratie, Drama, Liebe, Wahnsinn. AmENDe Triumph in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Republik kann Erfolgsgeschichten brauchen." Gerrit, ein hünenhafter Exilholländer, bringt zwei frische Biere.
Gerrit: "Bittesssehr, die Herrren."
MQ: "Besten Dank, Gerrit. Hör mal, Tommi soll seine Biografie schreiben. Würdest du die gerne lesen?"
Gerrit: "Na klaaarrr, isss doch irrre interrressant. Die Gesssichten von der Sssingerei, den Reisssen, von berühmten Dirigenten und sssönen Tenören. (Im Weggehen.) Ach, herrrlich."
MQ: "Da hast du's."
TQ: "Selbst wenn ich wollte, hätte ich gar keine Zeit, ein Buch zu schreiben."
MQ: "Das machen die wenigsten Prominenten selber. Die erzählen alles einem Ghostwriter und der schreibt es dann auf."
TQ: "Und was kommt dabei heraus? Halbwahrheiten und geschönter Edelkitsch."
MQ: "›Erlaubt ist, was gefällt.‹"
TQ: "Komm mir nicht mit Goethe."
MQ: "Dann eben mit Herrn Frisch: ›Wahrheit lässt sich nicht zeigen, nur erfinden.‹"
TQ: "Dann schreib du das Buch, im Erfinden bist du ja Profi."
MQ: "Ich bestelle lieber noch ein Pils." (Er hält sein Glas hoch.) "Willst du auch noch eins?"
TQ: "Bitte."
MQ: "Armin, Gerrit, zwei ..."
Dietrich zur Nedden: "Drei bitte." Zur Nedden, stadtbekannter Publizist und Spezi der Brüder, klopft auf den Tisch und lässt sich auf die Sitzbank plumpsen.
DZN: "Na, was gibt's Neues?"
TQ (grinst): "Micha schreibt mein Leben auf. Ein Verlag will daraus ein Buch machen."
MQ: "Quatsch mit Soße."
DZN: "Wieso? Ist nicht die schlechteste Idee. Tommi hat viel zu erzählen und meistens ist es urkomisch. Da gibt es bestimmt einige Leute, die das mit Kusshand lesen. Außerdem werdet ihr es ja nicht umsonst machen."
MQ: "Das hört die Publizistengilde gern."
DZN: "Es ist sowieso besser, wenn ihr selbst schreibt. Tommi hat doch schon zwei Angebote von Verlagen abgelehnt. Spätestens nach dem dritten Grammy fragt euch keiner mehr, sondern lässt einfach schreiben. Und du weißt nicht, wer sich dann durch dein Leben wühlt."
TQ: "Da ist was dran. Ich darf gar nicht dran denken, was für ein Blödsinn über mich schon in der Zeitung stand."
MQ (trinkt sein Glas leer und atmet tief durch): "Nur mal angenommen, wir schreiben das Buch wirklich, dann machen wir es richtig. Das heißt, realistisch. Das sind wir schon Mama und Vater schuldig."
TQ: "Genau. Keine Gefangenen. Jeder kriegt, was er verdient. Im Guten wie im Schlechten."
DZN: "Na, das kann ja heiter werden."
MQ: "Sehr heiter. Aber ich kenne welche, die werden nichts zu lachen haben."
DZN: "Wenn es keine Promis sind, ändert halt die Namen. "
TQ: "Deinen?"
DZN: "Bloß nicht. Ich bin ein durch und durch integrer Charakter. Das soll die Welt ruhig wissen." MQ: "Wo er Recht hat, hat er Recht. Darum spendiert Didi auch noch eine Runde."
DZN: "Überredet." (Er hebt den Arm.) Wirt Armin (zeigt ihm drei Finger): "Ich hab's gesehen. Komme sofort."
MQ: "Und womit sollen wir anfangen?"
TQ: "Wie wäre es mit meinem ersten Auftritt 1996 in New York. Da bist du doch mitgefahren. Weißt du noch, wie viel Spaß wir hatten? Wir sind zum Cape Cod gefahren. Wir haben Felicitas getroffen, die im Goethe-Institut von Boston gerade eine Lesung hatte ..."
MQ: "... der verrückte Tony war dabei ..."
DZN: "... nicht zu vergessen dein Renatchen."
MQ: "Stimmt. Schön war's. Vor allem wie der merkwürdige Mensch von deiner Konzertagentur in der Bar..."
TQ: "So könnten wir es machen."
MQ: "Dann kommt dein Martyrium in der Gipsschale, die Jahre im Annastift, Schule ..."
TQ: "... die ersten Gesangstunden."
MQ: "... nicht zu vergessen Vaters Gesangseinlage bei Peter Frankenfeld ..."
TQ: "ARD-Wettbewerb, Grammy, Oper, ein paar Wahrheiten über den Musikbetrieb, die schönsten Reiseabenteuer. Fertig."
DZN: "Na also. Das Buch schreibt sich doch von allein."
MQ: "Nach vier großen Pils geht alles wie von selbst."
Wirt Armin (stellt das Tablett ab): "So ist es. Bitte sehr die Herren. Drei frische Fünf-Minuten-Biere. Wohl bekomms. "
MQ (brummt): "Der Wahn ist kurz, die Reue lang."
TQ: "Schiller."
DZN: "Die Glocke." (Er hebt das Glas.) "Wir sehen uns auf der Buchmesse."
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