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New York, Lincoln Center. Hier gelang mit Mahlers Wunderhorn-Liedern der Durchbruch auf amerikanischem Boden. In einer kraftvollen Schilderung lässt der Sänger die aufregenden Tage noch einmal vorbeiziehen. Dann wandern die Gedanken zurück zu den Tagen seiner Geburt. Kopf hoch, auch an so einem Kind kann man viel Freude haben. Mit diesem aufmunternden Rat legte man am 9. November 1959 Brigitte Quasthoff im Hildesheimer Bernwardskrankenhaus eines von 12.000 verkrüppelten Contergankindern in den Arm. Quasthoff findet bittere Worte zum ersten Pharmaskandal der Bundesrepublik.
Prinzenrolle, Kulenkampff und Rudolf Schock. Das quietschmuntere 60er-Jahre-Sittengemälde einer intakten Familie wird aufgeblättert. Die Behinderung wird weggelacht; einzig die Sorge, niemals mit einem Mädchen an der Hand durch die Stadt flanieren zu können, schafft Pubertäts-Blues. Im heimischen Wohnzimmer setzt sich Tommi, angeregt vom Vater, auf die Gesangsspur. Jura-Studium, Sparkassenkarriere, Sprecher beim NDR, schließlich findet Quasthoff seine Welt. Der anschließende K(r)ampf um seine Gesangsausbildung liest sich wie eine gruselige Standortbestimmung in Sachen Behindertenakzeptanz.
Die Grenzen zwischen E und U sprengt auch der Autor Quasthoff mühelos. Musiktheoretische Exkurse ins Liederfach geraten federleicht, die Kritik an der Sangestechnik des Scorpions-Sängers böse ätzend, der Wutanfall anlässlich der niedersächsischen Kulturpolitik unter Gabriel und Wulff bedenklich. Nur die am Rande einer Talkshow hingeworfenen Beleidigungen eines offensichtlich angetrunkenen Bernhard Brink, Sangeskollege aus dem Tiefparterre der schönen Künste, machen den Riesen von 132 Zentimetern Körpergröße immer noch sprachlos. Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Und der Leser wird nicht enttäuscht! Man kann das Buch fast nicht mehr zur Seite legen. Ich hab es in 2 Tagen verschlungen! Thomas Quasthoff (und der Co-Autor Michael Quasthoff, sein Bruder) nehmen kein Blatt vor den Mund und pflegen eine klare, kräftige und deutliche Sprache: in der Sache und im Stil. Misstände, etwa im Kulturbetrieb oder in der Zusammenarbeit mit dem Fersehen, um nur zwei Beispiele zu nennen, werden sehr deutlich und immer auch sehr humorig und launisch auf den Punkt gebracht. Ich hab unzählige Male laut und herzlich herauslachen müssen.
Und natülich erzählt Thomas Quasthoff Vieles aus seinem Leben. Von wichtigen Stationen seiner Karriere wie dem ARD Wettbewerb, seinem New York Debut oder seinem Operndebut. Dabei hat er immer auch witzige Randgeschichten und Anekdoten im Petto. Er erzählt von seiner Kunst und der Musik - da kommt er, verständlicher Weise, ins Schwärmen. Wer die paar Seiten über Schuberts Winterreise liest, kann fast nicht umhin, sofort den CD Player anzuwerfen und wieder mal reinzuhören.
Er erzählt ausgiebig und spannend, aber immer mit Witz und ohne auf die Tränendrüse zu drücken, aus seiner Kindheit und Jugend, von seiner Familie, von guten und auch von weniger guten Zeiten. Vom Kampf mit den Behörden und Schulen. Von seiner Gesangsausbildung. Von frühen und frühesten Bühnenerfahrungen. Von seiner Liebe zur Jazzmusik (ich hoffe, er macht mal ein Jazzalbum, denn er ist er sensationeller Jazzsänger!). Und er hat viele Erlebnisse und Geschichten aus seinem Konzertleben und von seinen viele Reisen auf Lager. Allein die machen das Buch schon zu einem reinen Vergnügen.
Also, liebe Musikfreunde und solche, die es werden wollen - aber auch solche, die einfach nur die spannende Geschichte eines charismatischen Zeitgenossen lesen wollen - nicht zögern: kauft Euch das Buch und lest es! Ihr werdet hoffentlich genau so viel Spass daran haben wie ich!
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