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Die Stille ist ein Geräusch: Eine Fahrt durch Bosnien
 
 
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Die Stille ist ein Geräusch: Eine Fahrt durch Bosnien [Taschenbuch]

Juli Zeh
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (27 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: btb/Goldmann Vlg.; Auflage: 6. Aufl. (1. Oktober 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442731046
  • ISBN-13: 978-3442731046
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 11,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (27 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 110.518 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Juli Zeh
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wo wachsen die Melonen? Wie grün ist der Neretva-Fluss? Warum war hier Krieg? Wer hasst wen und wie sehr? Scheinbar naiv sind die Fragen, mit denen Juli Zeh im Sommer 2001 nach Bosnien-Herzegowina aufbricht, ein Staatsgebilde, das nach Abzug der Kriegsreporter nur noch selten in unseren Nachrichtensendungen auftaucht. Obwohl in den vergangenen Jahren wohl über kein anderes Land in Osteuropa mehr berichtet wurde, wissen wir über Bosnien fast nichts. Plötzlich, wenn "die Wirklichkeit andockt an den Begriffen", ist alles anders.

Während sich der Krieg auf dem Balkan in Zehs hochgelobtem Romandebüt Adler und Engel als Folie für tiefer lotende Fragen nach dem Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit anbot, verbietet sich die Autorin in ihrer fesselnden Reisebeschreibung wohlfeile politische Wertungen und Analysen. Stattdessen versucht sie, das unbekannte Land mit buchstäblich allen Sinnen aufzunehmen. In radebrechendem "Endepol", einem Pidgin aus Englisch, Deutsch und Polnisch, entlockt sie den Menschen, die ihr begegnen, Geschichte um Geschichte: Dario aus Jajce, Monsieur Pescaran, der melancholische SFOR-Minenexperte, die Bohemiens um den Buchladen "Buybook" in Sarajevo, Jasmin und die Raver-Gemeinde vom X-Café in Travnik.

Glänzte die Autorin schon in Adler und Engel mit poetisch kraftvoller Sprache, findet sie -- befreit von den Zwängen der Fiktion -- für Landschaften und Menschen erneut Bilder von betörender Schönheit. Gelegentlich eine Art Hemingway'scher Abgezocktheit, die aus der Feder einer 28-Jährigen fast verschreckt. Juli Zeh allerdings ist zu schlau, um nicht zu wissen, dass der Flirt mit Ruinen-Romantik und Morbidität hart am Kitsch gebaut ist. Am bosnischen Ufer der Drina, jenem Fluss, in dem -- es ist nicht lange her -- verstümmelte Leichen die Turbinen eines Wasserkraftwerks verstopften, der Gedanke an einen früheren Reisenden: "Da drüben auf der anderen Seite stand Peter Handke vor fünfdreiviertel Jahren, entdeckte eine schwimmende Kindersandale und wollte nicht herüberkommen."

In Zagreb endet die Reise. Zurück bleibt ein reichlich verbeulter Opel Astra; Olga, die zugelaufene Promenadenmischung, sitzt mit im Zug nach Leipzig. "Ich fühle mich, als wäre das Land durch mich gereist und kehrte nach Hause zurück, während ich übrig bleibe, mit hängenden Armen." Warum war Krieg, und welche Farbe hat die Neretva? Wir wissen es noch immer nicht, aber wir haben vielleicht etwas erfahren über einen vergessenen Fleck in Europa, die Menschen, die darauf leben, über das Schöne und das Schlimme an ihrem Zusammensein. --Niklas Feldtkamp -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Ein bemerkenswertes Stück Literatur." (Rolf Schneider, Die Welt )

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
34 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Liebesgrüße aus Mordor 16. Juni 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Am Anfang war das Gegenwort: Als ein eifriger und unerwünscht ehrlicher Freund eines Freundes der Autorin drastisch auszureden versucht, in die Republika Srpska zu fahren, zuckt sie die Schultern, läßt den Leser schnoddrig wissen: "Klingt nach Mordor" - und fährt natürlich trotzdem; der alte Dämon ist tot, aber wie erholt sich das Land von seinen Wunden? Ein getreuer, aber pazifistischer Hund begleitet sie auf ihren Streifzügen durch ein nahes Land, das uns so fern erscheint. Oder denken wir, es sei umgekehrt und wir hätten schon alles verstanden?

Wer erwartet, seine vorgefertigten Meinungen über Land und Leute in Marmor gemeißelt zu sehen, hat bei diesem Buch schon verloren. Juli Zeh scheint sich entschlossen zu haben, sämtliche anderen und eigenen Ansichten einer strengen Prüfung mit dem neugierigen Augen eines Kindes zu unterziehen, was ihr grandios gelingt. Wer einmal mit dem ersten Chemiekasten zwei Explosionen und endlose Ermahnungen der Eltern hervorgerufen und dennoch grinsend den nächsten Kolben geschwenkt hat, bekommt eine leise Ahnung, mit welcher Intention und Intensität dieser Roman geschrieben ist.

Es ist sehr schwer, dem bissigen Charme, dem fröhlich-sarkastischem Humor, der schieren Lebensfreude (auch wenn man keine Feigen mag) und den interessanten Menschen dieses Werks zu entziehen. Den Sirenenrufen einzelner Sätze kann man ohnehin nicht entkommen.
Die romantischen Szenen sind so hauchzart, daß man Angst hat, das Umblättern der Seiten könne sie fortwehen - wirklich großartig wie das Leben selbst. Und doch jederzeit ein überaus ehrliches Buch mit Ecken und Kanten.

Man kann natürlich mehr Betroffenheit von einem Roman über Bosnien fordern, aber ist dieser Roman ohne Szenen der Betroffenheit, dem Rückzug ins eigene Schmerzkontinuum geschrieben? Verheimlicht er etwas oder geht er ohne Respekt an die Menschen heran? Durchaus nicht, aber er bewertet nicht, er regt zum Nachdenken, zum Überdenken an.

Schmerz ist wertvoll für den Körper, denn er zeigt Fehlentwicklungen auf - aber dem chronischen Schmerz haftet etwas sinnloses an... Jeder Krieg endet einmal und im Gegensatz zur bleiernen Zeit der 50er und frühen 60er Jahre in Deutschland scheint sich in Bosnien die Freude auf die Zukunft einzustellen: "Liebt euch, um zu vergessen - aber vergeßt nicht, euch zu lieben", so ein Mantra aus den hinteren Kapiteln (jugendfreie Übersetzung!) und eine gute Zusammenfassung eines besseren Lebensgefühls. Dieses Buch ist keine Adler und Engel-Fortsetzung, was auch nicht schlecht gewesen wäre, aber die Autorin will wohl kein Opfer eines eigenen Mainstreams werden.

Im Gegensatz zu Äußerungen anderer JuLis also ein positiver Tabubruch von Juli Zeh - eben ein Aufruf, über die hohen Hürden eigener Vorurteile zu springen, sich Gedanken zu machen. Jugend forscht at its best.

Vielleicht habe ich aber auch alles falsch verstanden und das Buch ist total schlecht (man soll sich selbst ja nicht zu sehr trauen, wie wir nun gelernt haben...) - für diesen Fall war es jedoch ein überaus angenehmer Fehler...

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28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zwiespältig 21. März 2004
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Meine Meinung über dieses Buch ist sehr zwiespältig.
Es mag daran liegen, dass ich genau zur selben Zeit, wie die Autorin, das erste Mal in Bosnien war oder auch weil ich dort eine Weile lebte und arbeitete. Möglicherweise weiß ich aber auch einfach zu viel über die Menschen, die Geschichte des Landes und die Hintergründe, als dass ich mich völlig unbefangen auf die Lektüre dieses Buches einlassen könnte. Ich bin hin und hergerissen zwischen der Bewunderung für ihr unglaubliches Talent Stimmungen wiederzugeben und der Tatsache, dass mich ihre einseitige Betrachtungsweise des Konflikts, die doch recht deutlich wird, abstößt. Das hatten wir schon oft genug, die deutsche Berichterstattung war voll davon, da erwartet man doch von jemandem, der in dieses Land gereist ist, dass er mehr sieht, dass er hinter diese Fassade blickt und erkennt, dass nichts so ist, wie man dachte, dass alles wesentlich komplizierter, verworrener ist. Gerade in Bosnien wird einem schmerzlich bewusst, es gibt keine strikte Trennung zwischen Gut und Böse, zwischen Schwarz und Weiß. Die Autorin hat sich nicht wirklich auf das Land eingelassen, hat vorher schon eine feste Meinung über die Geschehnisse und die Menschen, auch wenn sie vorgibt, offen zu sein. Das Buch würde ich trotzdem jedem empfehlen, der sich für Bosnien interessiert oder mal eine Reise in dieses wunderschöne Land machen möchte. Ich habe es allen meinen Bekannten, die mich während meines Aufenthaltes dort besuchten, zum Lesen gegeben. Es ist, trotz meiner persönlichen Kritikpunkte, eine gute Einführung. Es bleibt dann jedem selber überlassen, ob er noch weitergehen möchte, als die Autorin und es zulässt, hinter das „Offensichtliche", zu blicken. Auf dem Weg dorthin ist „Die Stille ist ein Geräusch" auf jeden Fall ein guter Begleiter!
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39 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Als ich viele der teilweise bitter erbosten Rezensionen über "Die Stille ist ein Geräusch" las, war ich doch zunächst sehr unschlüssig. Eigentlich war ich zu dieser Zeit auf der Suche nach Büchern, die sich mit dem Bosnien nach dem Krieg beschäftigten, die also nach dem Punkt entstanden, an dem ich mein geliebtes Bosnien in früher Kindheit verlassen musste. Gerade das geschriebene Wort, das gefühlvolle, nachdenkliche, reflektierte vermag es einem nämlich die ferne Heimat im Herzen zu erhalten. Auch deshalb meine ich weit genug zwischen den Stühlen zu sitzen, um das Werk von Julia Zeh von beiden Seiten, der emotional-bosnischen und der literarisch-"nicht bosnischen" beurteilen zu können.

Die literarische Qualität dieses Buches ist dabei leichter und eindeutiger zu beurteilen: Für jeden anspruchsvollen Leser stellt "Die Stille ist ein Geräusch" eine Zumutung auf dem Niveau hiesiger Groschenhefte dar. Der Schreibstil bleibt oberflächlich, schließt Hintergründe oder gar wirkliche Reflektion und Nachdenklichkeit aus. Stattdessen verströmt er den Geruch von fauler Abenteuerromantik und dilettantisch zusammengeschusterte Reisenotizen, was auch durch zeitweise gelungene Stimmungsbildern nicht im Ansatz übertüncht werden kann.

Was nun die moralisch-emotionale Seite dieses Buches angeht, so war ich wohl selten in meinem Leben so bestürzt und entsetzt über die Dreistigkeit, die Menschenverachtung und den arroganten Voyeurismus einer Autorin. Besonders erschreckend war dabei das Niveau auf dem Zeh ihre "Eindrücke" schilderte. Einige Beispiele will ich an dieser Stelle anführen:

Die Autorin beschreibt so zum Beispiel eine kleine Ortschaft namens Gacko als "Drecksnest", das wie "ausgefranste Vogelscheiße" aussieht. Jeder Leser sollte sich nun fragen, wie ein kleines Dorf in einem vom Krieg zerschundenen, armen Land sich so eine Betitelung verdient hat und ob nicht ein grundlegenes humanes Verständnis für die Leiden der Bevölkerung und die Situation des Landes angebracht wäre.

Noch weitaus penetranter urteilt Zeh über die bosnische Bevölkerung, der sie unterstellt, dass sie sich parfümieren müsste, weil es typisch bosnisch sei nach "moderner Großmutter" zu stinken. Kaum jemand wird verleugnen können, dass dieses ein penetrantes, unwissendes und beleidigendes Vorurteil ist, das sich etwa auf dem Niveau von "Alle Amerikaner sind fett und hochnäsig" befindet.

Das es aber noch ein Niveau tiefer geht, beweist Zeh nun in Bezug auf die Serben. Zunächst bezeichnet sie alle Serben als "Cetniks", was sich in der Dimension recht gut mit dem Ausspruch, alle Deutschen seien Nazis, vergleichen lässt. Dazu kommen dann noch entsprechende Folgebehauptungen wie das Serben (man beachte immer die Verallgemeinerung) gerne auch militaristisch, korrupt und gewaltbereit sind. Dass dies reine ethnische Diskriminierungen sind, kann eigentlich nicht übersehen werden. Welchen Dienst Zeh damit außerdem der Verständigung zwischen Serben und Bosniaken leistet, kann sich jeder denken.

"Die Stille ist ein Geräusch" ist eine Beleidigung in Papierform: Unreflektiert, menschenverachtend, arrogant, naiv und ohne jedes Gefühl für Anstand und Moral.
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