Bei der Steinpalme handelt es sich um eine kleine, ursprünglich aus der Sahara stammende Legende, welche sich vorallem durch ihre bildhaften und gefühlvollen Erzählungsstil kennzeichnet. Die Autorin Pet Partisch gibt die Legende aus einer neutralen Erzählerperspektive an den Leser weiter. Die Geschichte lässt uns in die Schicksale zweier Figuren eintauchen: einer kleinen verletzten Palme und einem sich zu seiner Schuld bekennenden Mann. Beide Schicksale stehen in direktem Zusammenhang.
"Es war eine eigenartig geformte Palme!"Gedrungen mit einem mächtigen Stamm und starken Fächern, die in ihren Bewegungen sichtbare Mäßigungen zu zeigen schienen und nichts von der Heiterkeit hatten, die alle anderen Palmen so weiblich machte. In einer Wüste, unter jener Palme versammelt, erzählt ein alter, weiser Mann einer Gruppe Menschen die Geschichte der Steinpalme.
Ein in der Wüste angesiedelter kleiner Palmenschössling, erlebt eine einschneidende Wendung in seinem bisher so unbekümmerten Leben, als ihm ein halberverdursteter Mann auf der Suche nach Wasser, in seinem Zorn einen schweren Stein in seine kleine, weiche Palmenkrone presst. Für die verwundete Palme beginnt ein Ringen um ihr Bestehen. Es droht der Zusammenbruch. Doch zwischen den Wellen des Schmerzes, taucht eine immer größer werdende Kraft zu Tage und lässt es den Bäumling gelingen seinen Schmerz zu überwinden, die Last des Steines anzunehmen und daran zu wachsen, so das er schließlich auf eine tief im Boden liegenden Wasserquelle stößt die ihm fortan ausreichend Nahrung spendet und ihn so zu einem großen, starken Palmenbaum heranreifen lässt. Als sich die Geschichte dem Ende neigt, bekennt sich ein Mann aus der Gruppe zu seiner Schuld und gesteht das er es war der einst der Palme diese Verletzung zugefügt hat. Er fühle Schuld.
Der alte weise Mann fordert ihn auf die Schuld anzunehmen, so wie die Palme den Stein - in der Mitte ihrer Krone tragend- mit ihren Palmenfächern festumschlossen hält. Die Erzählung beschreibt auf sehr schöne Weise, wie nah Krise und Wandlung beieinander liegen, und das Schmerz ungeahnte Kräfte entfachen kann. Sie gibt uns einen Einblick in Perspektiven und Gefühlswelten von Opfer und Täter. Ein Appell an den Leser, sich seiner eigenen Kräfte und Ressourcen bewusst zu werden und den Kampf gegen den Kleinmut aufzunehmen. Die Steinpalme als Symbol für Ausdauer, Willenstärke, Wachstum und Glaube an die eigene Kraft und Größe. Sie zeigt aber auch auf wie zerstörerisch sich unerfüllte Bedürfnisse an einem anderen unschuldigen Wesen entladen kann. Eine lohnenswerte Geschichte, die mit ganz eigener Note besticht. Eine Wohltat für jene Menschen die eintauchen möchten in ein Meer von Hoffnung und Zuversicht um danach mit Kraft und Mut wieder heraufzutauchen.