Ferdinand von Saar erzählt in seiner Novelle "Die Steinklopfer" eine fiktive Geschichte, die vor einem realem Hintergrund - dem Bau der Semmering-Bahnstrecke zur Mitte des 19. Jahrhunderts - spielt.
Sehr eindrücklich schildert er die erschreckenden Bedingungen, unter denen die ArbeiterInnen zu leiden haben, aber genauso die kleinen Freuden, mit denen sie diesem Alltag zu entkommen versuchen. Die große Not und Perspektivlosigkeit, aber auch die ergreifende Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren der Novelle, führen schließlich dazu, dass ein unscheinbarer und friedlicher Mensch einen anderen tötet.
Zumindestens aus heutiger Sicht fragwürdig erscheint der Schluss. Nicht, weil sich die Gerechtigkeit durchsetzt oder weil die Liebenden entschlossen für ihr Recht kämpfen, kommt es zum "Happy End", sondern durch einen Gnadenakt von "oben" wird der Verurteilte freigelassen. Für einen Adeligen im 19. Jahrhundert mag es beinahe revolutionär gewesen sein, sich überhaupt eines solchen Themas anzunehmen, für heutige LeserInnen erscheint der Schluss aber eher als eine Legitimierung der damals ausgeprägten Klassengesellschaft.
Dennoch ist diese kurze Novelle ein äußerst lesenswertes Buch für an sozialen Fragen interessierte LeserInnen, aber auch für all jene, die heute noch die großartige Semmeringstrecke als BahnfahrerInnen benutzen.