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Die Steinflut. 4 CDs [Audiobook] [Audio CD]

Franz Hohler
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: Griot Hörbuch (28. August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3939461199
  • ISBN-13: 978-3939461197
  • Größe und/oder Gewicht: 13,2 x 12,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 394.374 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Franz Hohler
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das Unfassbare der Naturgewalt

Franz Hohlers Novelle «Die Steinflut»

Im September 1881 zerstörte ein gewaltiger Bergsturz den östlichen Teil des Glarner Dörfchens Elm. Tagelang hatte es zuvor geregnet. Immer wieder hatten sich kleinere Gesteinsmassen vom Berg gelöst und waren krachend zu Tal gestürzt. Einige der Felsbrocken kamen den Häusern bedrohlich nahe. Dennoch harrten die meisten Dorfbewohner aus; man fürchtete wohl insgeheim das Schlimmste, aber eingestehen mochte sich die Angst kaum einer. Was manche für Furchtlosigkeit hielten, war doch nur Starrsinn und kostete (zu) viele das Leben.

Im Mittelpunkt von Franz Hohlers Novelle «Die Steinflut» steht zwar das historische Ereignis, der Elmer Bergsturz von 1881, aber den Erzähler interessieren weder mögliche Ursachen noch die Zahl der Opfer oder das Ausmass der Verwüstungen. Er macht seine Leser auch nicht zu Augenzeugen einer spektakulären Naturkatastrophe: man liest zwar immer wieder von kleineren Felsabbrüchen; der eigentliche Bergsturz aber geschieht ausserhalb des erzählten Gesichtsfeldes. Man hört nur ein gewaltiges Donnern und sieht danach eine Staubwolke aufsteigen; was dann im Tal geschieht, geschehen sein könnte, imaginiert sich ein siebenjähriges Mädchen, das aus sicherer Entfernung den Bergsturz überlebt und ahnt, dass unter den Opfern auch seine Eltern und Geschwister sind.

Mehr als um das Ereignis geht es Hohler in seiner Novelle um das Schwanken der Betroffenen zwischen diffuser Angst und gespielter Gelassenheit angesichts der drohenden und durch unzählige Vorzeichen sich ankündigenden Katastrophe. Das Scheitern des gesunden Menschenverstands vor dem Unfassbaren der Naturgewalt zeigt Hohler mit einem geschickten Kunstgriff aus der Perspektive der siebenjährigen Katharina Disch. Das ist nicht einfach ein fauler Trick des Erzählers, sondern dieser macht sich eine Analogie zwischen der kindlichen Wahrnehmung, die man nicht mit Naivität gleichsetzen darf, und dem Verhalten der Erwachsenen vor der jedes verstandesmässige Begreifen übersteigenden Gefahr zunutze. Vielem aus der Erwachsenenwelt steht das Kind verständnis-, doch nie ganz ahnungslos gegenüber. Die bevorstehende Geburt etwa eines Geschwisters ist ihm ein unheimliches Rätsel und Anlass für zahllose und unbeantwortete Frage. Es spürt lediglich, dass es entfernt damit zu tun haben muss, «was man nachts hinter dem Haus tat, wenn man alt genug war dafür».

In der gleichen Ratlosigkeit, mit der das Kind der Erwachsenenwelt begegnet, sind die Erwachsenen vor der drohenden Naturgewalt befangen. Im Unterschied zu diesen aber scheut sich das Kind nicht, die zwar naiven, aber instinktiv richtigen Fragen zu stellen. War, so wundert es sich angesichts der mit Furchtlosigkeit sich brüstenden Erwachsenen, Noah ein Angsthase, nur weil er die Warnung Gottes nicht in den Wind schlug? War der Grossvater etwa ein Angsthase, weil er sein Leben nicht für den General Suworow hatte aufs Spiel setzen wollen? Anders als die Erwachsenen lässt sich das Mädchen von seinem Gefühl leiten: es kennt keine falsche Scham und tut, was ihm eine innere Stimme befiehlt. Während die Grossmutter, bei der das Mädchen für einige Tage zu Besuch war, ins Tal hinuntersteigt und damit ins Verderben geht, lässt sich das (scheinbar) verstockte Kind nicht bewegen, zu seinen Eltern zurückzukehren. Es bleibt oben und in Sicherheit vor den das Dorf unter sich begrabenden Felsmassen.

Wirkungsvoll und sehr zurückhaltend hat Franz Hohler seinen Kunstgriff eingesetzt. Gleichzeitig aber erweist sich die doch sehr eingeschränkte Optik eines siebenjährigen Mädchens auf Dauer nicht als tragfähig genug für das erzählte Geschehen. Denn naturgemäss vermag nicht alles, was aus der Augenhöhe eines Kindes erzählt wird, den Leser gleichermassen zu fesseln. Wo dies freilich gelingt, da entwickelt Franz Hohlers «Steinflut» einen grossen erzählerischen Sog.

Roman Bucheli -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Im Mittelpunkt von Franz Hohlers Novelle »Die Steinflut« steht ein historisches Ereignis, welches sich 2006 zum 125. Mal jährt: Der Elmer Bergsturz vom 11. September 1881.Am 9. September 1881 in einem kleinen Dorf hoch oben in den Schweizer Bergen: die kleine Katharina wird zusammen mit ihrem jüngeren Bruder zur Großmutter geschickt. Dort soll sie die nächsten Tage verbringen, bis die Mutter ihr sechstes Kind zur Welt gebracht hat. Katharina könnte froh sein, daß sie weg darf, doch die Mutter sieht krank aus, und dem Mädchen bleibt nicht verborgen, daß die Nachbarn und Gäste in der Wirtschaft ihrer Eltern merkwürdig unruhig sind. Seit Tagen regnet es und nicht nur das Wetter sorgt im Dorf für gedrückte Stimmung. Von einem Hang sind einige Tannen ins Tal hinabgestürzt, und irgend etwas braut sich zusammen. Aber was? Soll man sich wegen ein paar Tannen und Steinschlägen aufregen und allen Ernstes die Fabrik am Ort schließen? 150 Männer sind dort mit dem Abbau von Schiefer beschäftigt . . .
In Franz Höhlers Novelle, mit der er eine große Tradition der Schweizer Literatur fortführt und neu belebt, hört man die Ofen vor sich hinsummen, die Holztreppen knarren, und den Geruch des Schnapses, den die Männer trinken, steigt einem in die Nase. Hohler liebt das karge und elementare Leben der Menschen dort. Und natürlich haben alle nur gute Gründe, ihr Leben, so wie sie es kennen, weiterführen zu wollen. Warum aber fällt es so außerordentlich schwer, diesen guten Gründen wenigsten ein einziges Mal zu mißtrauen?

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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Aus der Perspektive eines siebenjährigen Mädchens läßt uns der Schweizer Schriftsteller Franz Hohler den Untergang eines Dorfes im Kanton Glarus miterleben. Seine Novelle, die in manchem an schaurige Seiten eines Jeremias Gotthelf oder die Schilderungen von Gottfried Keller erinnert, geht von historischen Quellen aus. Das Dorf Elm wurde tatsächlich 1881 durch einen Bergsturz verschüttet, Angst um Arbeitsplätze ließ dort Warnungen vor Steinschlägen und Felsabbrüchen wirkungslos verpuffen. Auch die Protagonistin Katharina ist real, sie lebte bis in die Mitte unseres Jahrhunderts weiter in Elm. Katharina - deren "zweites Gesicht" ihr die drohende Katastrophe zeigt und sie bei der Großmutter auf sicherer Höhe bleiben läßt, widerspenstig der Erwachsenenwelt gegenüber, treu ihrer Intuition. Es gehört zu den Glanzlichtern dieser Novelle, wie das Ahnen des Schrecklichen im kindlichen Erleben dargestellt wird: unprätentiös und mit feiner Ironie unterlegt, wortkarg und präzise. Der Leser gleitet, geführt durch Katharina, durch das Buch, begegnet Menschen und Tieren, die klüger als diese, die Bedrohung fliehen, geht durch eine Schwester-Bruder-Welt, wie sie an Stifters "Bergkristall" erinnert, erlebt die Vibrationen des Regens und Donners, das Herabprasseln der Gesteinsmassen. Hohlers "Steinflut" gehört einer ebenso realistisch-kritischen wie magischen Stufe der Heimatliteratur an, die im Fokussieren der landschaftlichen Miniatur soziale Makroentwicklungen spürbar werden läßt. Der erfahrene Kinder- und Jugendbuchautor placiert in den Rahmen der historisch geprägten Novelle seine ökologische Botschaft, daß die Umweltsünden chaotische Naturgewalten auslösen und daß die Menschen in selbstverschuldeter Blindheit ihrem Hereinbrechen ausgeliefert sind. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Franz Hohler sowieso! 6. Februar 2011
Von Amanda G.
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn einer lernen will, woraus Aufmerksamkeit, Wachsamkeit, Instinkt, bestehen kann, und wenn einer darüber hinaus nicht zu vernagelt und zu blöde ist,
dies von einem siebenjährigen Mädchen gezeigt zu bekommen, dann hat er sein Geld hier bestens angelegt.

Der Schweizer Autor und Geistesriese mit Lachfalten, Franz Hohler, schreibt über eine nationale Katastrophe vom 11.September 1881, dem "Bergsturz von Elm", aus der Perspektive einer der Wenigen,
die damals das Unglück überlebten, der damals siebenjährigen Katharina Disch.

Ich habe mir zuerst das Buch vom Autor selbst vorlesen lassen, es ist auf CD als Hörbuch, von ihm eingelesen, erhältlich. Wissend, dass die Katastrophe unweigerlich kommt, versetzt einen das in eine
fast unerträgliche Spannung, und alles, was geschieht, schneidet einem unmittelbar ins Herz.

Wer also auch fühlen will, was für eine unendlich kostbare Sache das endliche Leben eigentlich ist, der kann ruhig auch noch das Hörbuch kaufen, weil es langsamer entfaltet, worum es geht und einen so liebevollen schwyzerischen Ton verbreitet.

In Elm an der Kirche gibt es eine Gedenktafel mit den Namen aller Verschütteter, die in Franz Hohlers Novelle als Vater, Mutter, Brüder, Schwestern, Großmutter, Vettern, Basen, Nachbarn, Schulkameraden,
mitten im Bergbauern-und Schieferarbeiter-, im Hebammen- und im Kinderleben standen. Es zerreißt einem das Herz.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Nemelin
Format:Taschenbuch
Das Ereignis des historischen Felssturzes, um den es in dem Buch geht, spielt erst am Ende eine Rolle: Katharina steht im Vordergrund, eine Siebenjährige, die mit ihrem jüngeren Bruder zur Großmutter geht, bis ihre Mutter das sechste Kind zur Welt gebracht hat. Aus Katharinas Sicht wird beschrieben, wie sich nach einer langen Regenphase immer wieder Stücke aus dem Fels lösen, der die Gegend formt; das Rumpeln und Grollen ist die Begleitmusik der paar Tage von Anfang bis Ende der Erzählung. Es geschehen Dinge, die man als Vorzeichen auslegen könnte: der Großmutter laufen fremde Hühner zu, eines Morgens steht die Katze von Katharinas eigener Familie in der Tür; dazu das erwähnte allgegenwärtige Grummeln des Berges und Dauerregen.
Nüchtern und einfühlsam zugleich erzählt der Autor aus der Sicht eines Mädchens in einer Zeit, als Kinder, sobald sie laufen konnten, zum Arbeiten auf dem Hof, wo eben die meisten Menschen damals lebten, angehalten wurden. Hartes Leben, Landwirtschaft oder Arbeiten im Schieferbergwerk, riskante Geburten, Armut verwitweter Frauen, eintöniges Essen, kleine Kinder ganz allein auf dieser Wanderung zur Großmutter durch die Schweizer Landschaft: ein ganzer Kosmos tut sich bei der Lektüre auf. Dialektbegriffe und Wendungen werden eingestreut, die aber unschwer zu verstehen sind. Das Faszinierende ist wirklich der Ton, den Franz Hohler findet: Katharina tut einfach, was sie tun muß, sie funktioniert gemäß der Rollenverteilung und des Verständnisses, das man Ende des 19. Jahrhunderts von Kindern ihres Alters hatte. Sie muß bei der Großmutter im Haus mitarbeiten, während der, wenn auch jüngere, Bruder mit dem Puppenhaus spielen darf. Katharina denkt viel über ihre Situation nach, freilich ohne Vergleiche zu haben, denn der Weg eines Mädchens ist vorgezeichnet; die Kategorien, in denen sie denkt, sind Kinder gegenüber Erwachsenen. Beim Lesen regte sich bei mir immer wieder Widerspruch gegen die Beanspruchung des kleinen Mädchens, aber im Lauf der wenigen Tage bei der Großmutter wandelt sich Katharina tatsächlich zu einer anderen Persönlichkeit und entdeckt ein eigenes Selbstbewußtsein in Gestalt einer 'zweiten Katharina', die den Steinschlag voraussieht und überhaupt Regungen hat, die ahnen lassen, daß in diesem Mädchen mehr steckt, als ihre Zeitgenossen sehen wollten. Am Ende, in einem zusammenhängenden Satz, der über viereinhalb Seiten geht, wird der eigentliche, katastrophale Felsabgang geschildert, der viele Familien auslöscht und der Höfe, Tiere, eine halbe Gemeinde unter sich begräbt.
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