... ist das Buch "Die Staufer und ihre Zeit. Leben im Hochmittelalter." behaftet, in dem eine Reihe von Spiegelautoren die Zeit des wohl bekanntesten deutschen Herrschergeschlechts des Mittelalters darstellt. Die Journalisten pflegen zwar allesamt ein flotten, gut lesbaren und unkonventionellen Stil und einzelne der Artikel haben auch durchaus viel Tiefgang und bieten dem Leser fundierte Informationen, leider werden aber auch viele Dinge verengt durch die Brille des 20. Jahrhunderts gesehen, aus heutiger Sicht wertend dargestellt oder in einer solchen Kürze zusammengerafft, das wirklich nur an der Oberfläche gekratzt wird.
Das Buch ist in vier Hauptabschnitte eingeteilt, die wiederum durch Aufsätze von unterschiedlichen Autoren gefüllt werden. Die Qualität der Aufsätze schwankt erheblich. Teilweise wiedersprechen sich die Angaben der Autoren zu Friedrich II., dem zwei Aufsätze gewidmet sind, aber gemeinsam mit den Aufsätzen zu seinem Großvater Friedrich dem I. gehören sie dennoch zu den besseren des ersten Teils. Die kurzen biographischen "Anrisse" der Kaiserin Beatrix und Konradins, des letzten Staufers kratzen wirklich nur an der Oberfläche. Gut ist hingegen die Einführung zum Staufermythos, der bereits im Mittelalter entstand und Höhepunkt dieses ersten Teils des Buches ist zweifelsohne das Interview mit dem Heidelberger Historiker Stefan Weinfurter.
Der zweite Abschnitt "Feinde, Rivalen, Gegenmächte zeichnet ein Bild der Auseinandersetzung der Staufer mit den Päpsten, weltlichen Herrschern und italienischen Städten aber auch von mittelalterlichen Ritualen, der aufkommende Frömmigkeitsbewegung und den Kreuzzügen, an denen sich zahlreiche der staufischen Könige und Kaiser beteiligten. In diesem Abschnitt sind die Teile "Himmel gegen Erde", in dem die Auseinandersetzung mit den Päpsten beschrieben wird, "Kniefall und Friedenskuss", die Darstellung der mittelalterlichen Rituale, "Eiswasser statt Leibeslust", Franz von Assisi und die Bewegung der Bettelmönche und "Bewaffnete Wallfahrten" besonders gelungen, indem es um die Kreuzzüge geht. Höhepunkt hier der Beitrag des Staufer Experten Wolfgang Stürner zur steigenden Abhängigkeit der Staufer bzw. der deutschen Könige zu den Fürsten als Landesherrn. Der großartige Biograph Friedrich II. beindruckt durch Fachwissen und stilistisch gelungene Argumentation.
Schwach dagegen wirken besonders zwei Aufsätze.
In "Kidnapping des Jahrhunderts", der Gefangennahme von Richard Löwenherz und "Heilige der Armen", in der es um Elisabeth von Thüringen geht, wird hingegen nur an der Oberfläche gekratzt bzw. erstere im Stile einer Räuberpistole dargestellt und die Gründe und die Bedeutung der Auseinandersetzung des Kaisers mit Richard Löwenherz verzerrt.
Abschnitt drei schildert den Alltag im Reich der Staufer und will einen Überblick über die Standesgrenzen hinweg geben. Dieser Abschnitt ist der gelungenste des ganzen Buches, insbesondere die Teile "Wer frevelnd seinem Stande entsteigt" über soziale Aufsteiger, "Listige Manöver", wo am Beispiel Lübecks der Bedeutungszuwachs der Städte dargelegt wird, "Feucht, Kalt und Dunkel", die Schilderung des doch nicht so angenehmen Burglebens und "Zwängen und Schnüren", der der mittelalterlichen Kleiderordnung gewidmet ist. Dem Leser wird ein umfassender Ersteindruck der sozialen Beziehungen im Mittelalter und dem "Drumherum" vermittel. Insgesamt sehr aufschlussreich und unterhaltsam.
Im letzten Abschnitt "Aufbruch in eine neue Zeit" wird die Fortwirkung der Zeit der Staufer in verschiedenen Bereichen wie Dichtung, Medizin und Jura gewidmet. Hier sticht besonders der Artikel über den mittelalterlichen Gelehrten Albertus Magnus hervor, der bereits zu dieser Zeit erste Gedanken der späteren Aufklärung vorwegnahm und wie sich Bolognas Universität zum mittelalterlichen Zentrum der Juristenausbildung entwickelte.
Als Summenzug lässt sich festhalten, einen ersten Einstieg von der Zeit der Staufer bekommt der Leser durch dieses schnell lesbare und durch seine Vielfalt beeindruckende Buch, besser hätte den Herausgebern aber etwas weniger Vielfalt bei der Anzahl der Autoren und Artikel dafür mehr Tiefe in den einzelnen Artikeln zu Gesicht gestanden.
Als erster Einstieg für den Leser ohne Vorkenntnisse aber dennoch geeignet.