Objekte und Essayband zur Ausstellung »Die Staufer und Italien«.
Die Staufer haben im 12. und 13. Jahrhundert die Geschichte und Geschicke in Europa geprägt. Friedrich I. Barbarossa, Heinrich VI. oder Friedrich II. gehören bis heute zu den bekanntesten Königs- und Kaisergestalten des Mittelalters. In drei der innovativsten Regionen aber waren sie besonders präsent: in der Rhein-Main-Neckar-Region, in Oberitalien und im ehemaligen Königreich Sizilien. Wie die Staufer in diesen Regionen agierten, was diese einte und unterschied und welche Impulse von ihnen in Politik und Wirtschaft, aber auch Wissenschaft, Gesellschaft, Kunst und Kultur ausgingen, wird die Ausstellung der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen »Die Staufer und Italien« umfassend präsentieren. Bedeutende originale Zeugnisse und Pretiosen, von denen viele nie zuvor in Deutschland zu sehen waren, werden für begrenzte Zeit in Mannheim zusammenkommen, um das staufische Zeitalter erneut lebendig werden zu lassen.
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Alfried Wieczorek ist Vorstandsvorsitzender der Curt-Engelhorn-Stiftungen und Generaldirektor der Reiss- Engelhorn-Museen. Bernd Schneidmüller ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg. Stefan Weinfurter ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg.
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Vontimediver®HALL OF FAME REZENSENTTOP 500 REZENSENT
Am 11. Dezember besuchte timediver® die seit dem 19. September 2010 bis zum 20. Februar währende Ausstellung "Die Staufer und Italien" in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Das Ergebnis war ein fantastischer dreistündiger Tauchgang in die Stauferzeit, bei dem das Fotografieren leider verboten war....
....was jedoch nicht weiter schlimm ist, denn mit dem Band "Objekte" haben die Curt-Engelhorn-Stiftung, die Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt als Herausgeber und der Stuttgarter Konrad Theiss Verlag eine 1:1 Dokumentation der sich auf drei Etagen präsentierenden Ausstellung vorgelegt.
Nach einer kurzen Einleitung zu den "Staufermythen" beschäftigt sich das erste Kapitel mit dem "Aufstieg einer Familie", das auch die Exponate der namensgleichen Abteilung der Ausstellung präsentiert. Die Fotografien der Herrschersiegel von Konrad III. bis Konradin sind um einiges vergrößert abgebildet und damit in ihren Details besser erkennbar als in der Ausstellung. Die Untergliederungen "Staufische Frauen" und die "Die Grablegen" entsprechen im zweiten, wie auch alle anderen in den nachfolgenden vier Kapiteln den Abteilungssektionen der Mannheimer Ausstellung.
"Vorbild und Faszination" zeigt Ausstellungstücke, die an "Das goldene Rom" und das "Antike Erbe" anknüpfen. Neben Goldmünzen des Kaisers Augustus sind die Augustalen Friedrichs II. abgebildet. Auch hier sind die Details Dank der fotografischen Vergrößerung besser zu erkennen. Neben dem "Antiken Erbe" in Form von Büsten, Skulpturen und Kapitellen werden Kunstwerke der "Hofwerkstätten" aus Berkristall und Elfenbein, sowie "Kostbare Steine" und Amulette mit Motiven aus der griechischen Antike gezeigt.... Mit 92 Seiten ist die vierte Abteilung "Beschleunigung: Drei Kraftregionen im Stauferreich" der größte Part der gesamten Ausstellung und des Kataloges gewidmet. Neben der "Rhein-Main-Neckar-Region" mit der Königsfalz in Wimpfen, der Kaiserpfalz in Gelnhausen, dem Königshaus in Selingenstadt, der Burg Münzenberg, St. Johannes in Worms und den Städten als "Nachbarschaftliche Konkurrenten" werden "Oberitalien: Garten der Wonnen" und das "Königreich Sizilien: Wiege der Kulturen" als die "Drei Innovationsregionen im mitelalterlichen Europa" definiert. Unter anderem werden hier folgende thematischen Sektionen geboten: "Reichsitalien", "Lombardische Kommunen", "Krieg und Frieden", Kaiser und ". Besonders beeindrucket ist die "Porta Capuana" mit ihren einzeln ausgestellten Büsten, Skulpturen etc.
Kapitel fünf zeigt die "Geliebte Vielfalt" in den Sektionen "Unterwegs", Zu Hause, "Zu Hofe" und "Zu Gott", sowie "Sprache und Schrift" und "Wissen und Bildung". Erstaunt war ich über ein gutes Dutzend von Keramiken, die aus der einstigen Burg Bommerheim, im heutigen gleichnamigen Stadtteil von Oberursel (Taunus), ca. 500 Meter von timediver®'s Wohnung entfernt, stammen. Ein schönes Beispiel für die Universialität Friedrich II.(und Vorbild für das aktuelle Thema Integration), dem es u. a. gelang Jerusalem ohne das Vergießen auch nur eines Blutstropfen zu gewinnen ist der "Grabstein für Anna" auf dem sich einträchtig nebeneinander ein Text in arabischer, hebräischer und lateinischer Schrift "Zwiefaltener Briefhandschrift" der Hildegard von Bingen und "De arte venandi cum avibus" Friedrichs II. Das Kapitel "Verwandlungen des Stauferreichs" (zu dem auch ein gleichnamiger wissenschaftlicher Band erschienen ist) mit "neuer Herrschaft, Ordnung Wissen und Glanz" bestätigen einmal mehr die Bedeutung dieser Epoche, die mit der Sitzstatue des Karl von Anjou, der 1268 den letzten Staufer Konradin in Neapel hinrichten liess, den Schlusspunkt der Ausstellung setzt. Die alphabetisch aufgeführten Leihgeber der Ausstellung bfinden sich fast alle im ehemaligen Herrschaftsbereich der Staufer, einzig die Biblothèque Nationale de France in Paris und das Metropolitan Museum of Art in New York, das die Skulpur "Thronender König" (Symbol der Ausstellung) zur Verfügung stellte, fallen aus diesem Rahmen.
Zum Anhang des Bandes "Objekte" gehören ein Objektregister, Bildnachweis und eine 42seitige Bibliographie. Daneben erinnern Fotos von Bari und Umgebung, Trani, einem Trullo und dem "Castel del Monte" timediver® an seine Apulienreise im Sommer 2000.
Der Band "Essays" weist nach einem Impressum, Ehrenkommitee pp. und den Grussworten von den Ministerpräsidenten dreier Bundeländer und einem Vorwort der Herausgeber den gleichen Aufbau wie der Band "Objekte" und die Ausstellung vor. Mit "Heilserwartung und Widerkehrsglaube" und der "Stauferrezeption" und anderen Beiträgen wird das Thema "Staufermythen" erschöpfend behandelt. Auch die alle anderen Essays erfüllen die einzelnen Abteilungen mit Leben. Besonderes Interesse wecken "Glanz und Scheitern der Söhne Friedrichs II.", die "Musik der Stauferzeit", "Arabisch-muslimische Lebensformen im Königreich Sizilien" mit der Umsiedlung von Sarazenen nach Apulien, die "Sprachliche Vielfalt im sakralen und profanen Kontext" Sowie "Die Macht des Wissens: Die Universitäten von Bologna und Neapel". Die Texte werden durch zahlreiche Fotos, Karten und Abbildungen aufgelockert.
Einzeln und zusammengenommen sind die Bände "Objekte" und "Essays" (ge)wichtige Dokumente einer historischen Epoche Deutschlands und Europas, deren Ereignisse als Ursachen zum Teil bis in die Gegenwart hineinwirken. "Die Staufer und Italien" sind für historisch, besonders mediaeval interessierte Zeitgenossen sehr zu empfehlen. Für jeden Fan dieses Herrschergeschlechts, insbesondere von "Stupor mundi", dem "Hammer der Welt" sind beide jedoch - wie auch der Besuch der Ausstellung - "ein Muss".
Wenn es eine derartige Ausstellung gibt, wie diese über die Staufer in Mannheim zur Zeit, dann ist immer Achtung (!) angesagt, denn die Herausgeber der begleitenden Bücher übernehmen sich oftmals in aufgebrachter Art. Diese zwei Bände nun haben es in sich, den Stolz und die Hingabe an das Erbe des Mittelalters. OBJEKTE heißt der eine Band, der andere ESSAYS. Im letzteren wäre bereits alles gesagt, so scheint es beim Durchblättern, doch die Objekte im gleichbenannten Band sind dennoch von feinster Aussage, Schmuckstücke mittelalterlicher Kunst und Sehensweise. Nun zu den Essays! Das Reich im Widerschein der Staufer, diese selbst sehen sich als Nachfolger (Nachfahren) der Salier (Grablege ist der gewaltige Dom in Speyer), in der Regel wohnend im Rhein-Neckar Gebiet, die Macht ausübend auch in Oberitaltein und Unteritalien bzw. Sizilien. Die Namen: Friedrich I. (Barbarossa), Friedrich II. (der hauptsächlich in Sizilien Lebende, mit dem Falkenbuch!) und Heinrich VI. (wer kennt ihn schon?). Was wird in dieser Zeit, also im 12. und 13. Jahrhundert geboten, was wird uns in diesen zwei Bänden gezeigt? Alles, was wichtig ist aus dieser Epoche. Die Entwicklung in der Religion, in der Wissenschaft, in der Kunst, in der Architektur (nicht nur der religiösen Bauten). Und es wird dargelegt in vielen Artikeln und Bildern, wie sich das Leben überhaupt als solches in der Gesellschaft damals, in Kriegen und in Friedenszeiten entwickelte.... Ausdrücke wie Häresie, Aufkommen der selbstbewußten Bürgerschaft in den Städten (hauptsächlich in Oberitalien), die Entwicklung im politischen Tun und Denken, die Entstehung der universitären Einrichtungen, Scholastik, Monastik, Mystik, alles wird ausführlich erläutert. Besonders beeindruckt hat mich die damalige, hier schön beschriebene Entwicklung in kulturellen Dingen, wie z.B. gerade der Musik. Liebhaber der Gregorianik z.B. bekommen ausführliche Informationen betreffs der Weiterentwicklung von einstimmiger zu mehrstimmiger Darbietung. Malerei, Buchschreibekunst, Baustil in religöser Hinsicht und herrliche profane Bauten, die überraschende Vielfalt in allen Dingen, auch in der politischen Machtausübung bei Kaiser, Papst und erstarkenden Städten, das berührt schon.
Das alles verwirrt aber nicht, wenn man nur Zeit genug hat, sich immer wieder diese wundersamen und wunderbaren Bände zu Gemüte zu führen. Natürlich bekommt der oder die Interessierte eine Unmenge von entzückenden Bildern zu betrachten, von ritterlichen Tugenden über Felder- und Tierwirtschaft, städtisches und mönchisches Leben bis hin zu den damaligen Entbindungspraktiken (!). Gerade die damals nahe beisammenliegende Tatsache der Berührung von Judentum, Islam und Christentum (Averroes, Maimonides!), speziell in der Wissenschaft und in der Religion, ist heute vom immenser Wichtigkeit, wenn man bedenkt. Hinein also in das Vergnügen des Lesens und Schauens dieser beiden Bände, die verantwortungsvoll von Alfried Wieczorek, Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter herausgebracht wurden, dem THEISS - Verlag sei Dank! Man kann aber auch in die Ausstellung nach Mannheim gehen und sich dort beeindrucken lassen. Die einleitenden Vorworte der Bände sind natürlich von den drei betreffenden Länder- Ministerpräsidenten geschrieben worten, beim hessischen weiß man allerdings nicht, ob vom alten oder vom neuen, hier fehlt einfach die Unterschrift als Signatur, was dem Ganzen aber wirklich nichts abträgt.Lesen Sie weiter... ›