Wenn es eine derartige Ausstellung gibt, wie diese über die Staufer in Mannheim zur Zeit, dann ist immer Achtung (!) angesagt, denn die Herausgeber der begleitenden Bücher übernehmen sich oftmals in aufgebrachter Art.
Diese zwei Bände nun haben es in sich, den Stolz und die Hingabe an das Erbe des Mittelalters.
OBJEKTE heißt der eine Band, der andere ESSAYS.
Im letzteren wäre bereits alles gesagt, so scheint es beim Durchblättern, doch die Objekte im gleichbenannten Band sind dennoch von feinster Aussage, Schmuckstücke mittelalterlicher Kunst und Sehensweise.
Nun zu den Essays!
Das Reich im Widerschein der Staufer, diese selbst sehen sich als Nachfolger (Nachfahren) der Salier (Grablege ist der gewaltige Dom in Speyer), in der Regel wohnend im Rhein-Neckar Gebiet, die Macht ausübend auch in Oberitaltein und Unteritalien bzw. Sizilien.
Die Namen: Friedrich I. (Barbarossa), Friedrich II. (der hauptsächlich in Sizilien Lebende, mit dem Falkenbuch!) und Heinrich VI. (wer kennt ihn schon?).
Was wird in dieser Zeit, also im 12. und 13. Jahrhundert geboten, was wird uns in diesen zwei Bänden gezeigt?
Alles, was wichtig ist aus dieser Epoche. Die Entwicklung in der Religion, in der Wissenschaft, in der Kunst, in der Architektur (nicht nur der religiösen Bauten). Und es wird dargelegt in vielen Artikeln und Bildern, wie sich das Leben überhaupt als solches in der Gesellschaft damals, in Kriegen und in Friedenszeiten entwickelte.
Ausdrücke wie Häresie, Aufkommen der selbstbewußten Bürgerschaft in den Städten (hauptsächlich in Oberitalien), die Entwicklung im politischen Tun und Denken, die Entstehung der universitären Einrichtungen, Scholastik, Monastik, Mystik, alles wird ausführlich erläutert. Besonders beeindruckt hat mich die damalige,
hier schön beschriebene Entwicklung in kulturellen Dingen, wie z.B. gerade der Musik.
Liebhaber der Gregorianik z.B. bekommen ausführliche Informationen betreffs der Weiterentwicklung von einstimmiger zu mehrstimmiger Darbietung. Malerei, Buchschreibekunst, Baustil in religöser Hinsicht und herrliche profane Bauten, die überraschende Vielfalt in allen Dingen, auch in der politischen Machtausübung bei Kaiser, Papst und erstarkenden Städten, das berührt schon.
Das alles verwirrt aber nicht, wenn man nur Zeit genug hat, sich immer wieder diese wundersamen und wunderbaren Bände zu Gemüte zu führen. Natürlich bekommt der oder die Interessierte eine Unmenge von entzückenden Bildern zu betrachten, von ritterlichen Tugenden über Felder- und Tierwirtschaft, städtisches und mönchisches Leben bis hin zu den damaligen Entbindungspraktiken (!).
Gerade die damals nahe beisammenliegende Tatsache der Berührung von Judentum, Islam und Christentum (Averroes, Maimonides!), speziell in der Wissenschaft und in der Religion, ist heute vom immenser Wichtigkeit, wenn man bedenkt.
Hinein also in das Vergnügen des Lesens und Schauens dieser beiden Bände, die verantwortungsvoll von Alfried Wieczorek, Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter herausgebracht wurden, dem THEISS - Verlag sei Dank!
Man kann aber auch in die Ausstellung nach Mannheim gehen und sich dort beeindrucken lassen.
Die einleitenden Vorworte der Bände sind natürlich von den drei betreffenden Länder- Ministerpräsidenten geschrieben worten, beim hessischen weiß man allerdings nicht, ob vom alten oder vom neuen, hier fehlt einfach die Unterschrift als Signatur, was dem Ganzen aber wirklich nichts abträgt.